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Gestrandeter Kaiserpinguin: "Happy Feet" übersteht Magenspülung

Neuseeland sorgt sich weiterhin um seinen gestrandeten Kaiserpinguin. "Happy Feet" wurde jetzt von einem Top-Mediziner des Landes behandelt. Die Zukunft des Tiers bleibt jedoch ungewiss.

Normalerweise liegen Menschen auf seinem OP-Tisch. Am Montag hatte der Top-Mediziner John Wyeth jedoch den Kaiserpinguin "Happy Feet" als Patient. Der Gastroenterologe entfernte dem Pinguin in einer zweistündigen Operation Sand, Steine und Ästchen aus dem Magen. Dazu führte er eine mit einer Minikamera ausgestattete Magensonde in den Körper des Gastes aus der Antarktis ein. Sechs Assistenten unterstützen den Mediziner bei dem komplizierten Eingriff. "Das war eine unvergessliche Erfahrung", sagte Wyeth, Chef der Gastroenterologie des Krankenhauses von Wellington und Ex-Präsident der neuseeländischen Gesellschaft für Gastroenterologie. Er habe sich überhaupt nicht mit der Anatomie eines Pinguins ausgekannt - bei einem menschlichen Patienten hätte er für den Eingriff lediglich zehn Minuten gebraucht.

"Happy Feet" hat den Eingriff gut überstanden

Der Kaiserpinguin war vergangene Woche überraschend an einem Strand in Neuseeland aufgetaucht, rund 3000 Kilometer von der Antarktis entfernt, seiner eigentlichen Heimat. In den vergangenen Tagen verschlechterte sich sein Gesundheitszustand, so dass er am Freitag in den Zoo von Wellington gebracht werden musste. In Neuseeland ist es viel zu warm für einen Kaiserpinguin, der arktische Kälte gewohnt ist. Das nach dem Pinguin-Animationsfilm "Happy Feet" benannte Tier hatte wohl, um sich zu kühlen, irrtümlich Sand gefressen - in der Antarktis fressen Pinguine Schnee, wenn ihnen zu warm wird. Laut der Leiterin der Tiermedizin des Zoos von Wellington, Lisa Argilla, habe "Happy Feet" den Eingriff gut überstanden. Der Pinguin ist in einem klimatisierten und mit Eis ausgelegten Raum untergebracht.

Unklar ist weiterhin, was mit dem Tier geschehen soll. In die Antarktis kann er derzeit nicht geflogen werden, weil dort tiefster Winter herrscht. Fachleute halten es aber auch für riskant, "Happy Feet" zurück in die Antarktis zu bringen, weil die Gefahr bestehe, dass er dort Krankheiten einschleppen könne. Deshalb soll der Pinguin isoliert in Quarantäne gehalten werden, auch wenn es ihm in einigen Tagen besser gehe, erläuterte die Zoo-Tierärztin am Montag. Ein neuseeländischer Geschäftsmann hatte am Wochenende angekündigt, Happy Feet eine Passage auf einem russischen Forschungseisbrecher verschaffen zu wollen.

Der Kaiserpinguin ist untergewichtig und nicht bereit für die Reise

Laut der Tiermedizinerin Argilla wäre die beste Lösung, den Pinguin in sub-arktischen Gewässern auszusetzen, damit er selbst nach Hause schwimmen kann. Bis das möglich ist, könnten allerdings noch Monate vergehen: Nach seiner langen Reise nach Neuseeland ist "Happy Feet" untergewichtig, außerdem ist sein Magen angegriffen. Das Schicksal des Pinguins hat weltweit für Interesse und Anteilnahme gesorgt. "Es ist unglaublich zu sehen, dass praktisch die ganze Welt hinter uns steht", sagte Zoo-Medizinerin Argilla. "Das ist schon ein bisschen Druck für uns, aber wir geben unser Bestes." Warum "Happy Feet" bis nach Neuseeland schwamm, bleibt ein Rätsel. Experten zufolge schwimmen Pinguine im arktischen Sommer aber immer wieder auf das hohe Meer hinaus. "Happy Feet" ist wahrscheinlich einfach zu weit geschwommen.

og/AFP/dpa