Gut für Wintersportlerinnen, weniger gut für Autofahrer: Auch in den nächsten Tagen wird es in Deutschland bitterkalt. "Der Winter ist gekommen, um zu bleiben", teilte Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach mit. "Tagsüber gibt es nur sehr vereinzelt im Westen und Nordwesten zarte Plusgrade, sonst verbleiben wir im Dauerfrost." Laut Meteorologin Kernn gilt in den kommenden Tagen im Bergland weiterhin: "Ski und Rodel gut."
Sie betonte jedoch: "Des einen Freud' ist des anderen Leid: Schneeschauer sorgen für teils glatte Straßen und Wege. Eine angepasste Gang- und Fahrweise ist ratsam." Auch für das Freikratzen der Autoscheiben sollte etwas mehr Zeit eingeplant werden. Wegen des Wintereinbruchs war in Deutschland bereits am Wochenende Geduld auf den Straßen und Schienen gefragt. Vielerorts kam es zu Verkehrsunfällen.
Busse und Bahnen standen still
In Niedersachsen und Bremen fielen viele Bus- und Bahnverbindungen wegen des Schnees aus oder es gab Verspätungen. Einzelne ICE-Züge auf der Strecke Köln-Hannover-Berlin und der Verbindung zwischen Oldenburg, Bremen, Hannover bis nach Karlsruhe könnten immer wieder ausfallen oder sich verspäten, teilte die Deutsche Bahn mit. In Hannover standen am Sonntagvormittag alle Busse still.
An einigen Flughäfen in Nordrhein-Westfalen kam es wegen des Winterwetters zu Einschränkungen im Flugbetrieb. In Düsseldorf verspäteten sich zahlreiche Abflüge am Vormittag. Flieger nach Alicante, Teneriffa, Istanbul und Antalya starteten laut einem Internetportal erst mit einer Stunde Verzögerung oder mehr. Grund dafür war nach Angaben eines Sprechers unter anderem, dass Maschinen ihre Startflughäfen verspätet verlassen hatten und daher auch später in Düsseldorf eintrafen. Am Amsterdamer Flughafen Schiphol behinderten Schnee und Eis den Flugverkehr massiv. Es kam zu Verspätungen und dem Ausfall etlicher Flüge.
Autofahrer sollten mit angepasster Geschwindigkeit fahren, sagte Kernn. "Wenn es schneit, sind die Straßen auch glatt", betonte sie. Der Wintereinbruch dürfte unter anderem viele Urlaubsrückkehrer getroffen haben. In mehreren Bundesländern beginnt nach den Weihnachtsferien am Montag wieder Schulunterricht.
Schon am Samstag waren in Deutschland Fahrer auf glatten Autobahnen ins Schleudern geraten. Unfälle häuften sich etwa auf der A1.
Autofahrer erfasst Polizist
Aus mehreren Bundesländern wurden zahlreiche Unfälle gemeldet. Bei Zwönitz (Sachsen) geriet ein 43-Jähriger am Samstagnachmittag mit seinem Auto ins Schleudern, drehte sich und rutschte in den Gegenverkehr. Glätte könnte laut Polizei den Unfall ausgelöst haben. Der 43-Jährige starb, seine 31 Jahre alte Beifahrerin erlitt lebensbedrohliche Verletzungen.
In Bayern kippte auf der schneebedeckten Autobahn 93 bei Wernberg-Köblitz der Anhänger eines Lastwagens und riss auf - auf der Fahrbahn in der Oberpfalz verteilte sich eine Ladung Lachs.
In Wuppertal geriet ein Winterdienstfahrzeug ins Rutschen, kippte um und rutschte eine Böschung am Straßenrand hinunter. Der Fahrer wurde schwer verletzt. In Rheinland-Pfalz erfasste ein 20-Jähriger mit seinem Wagen einen Polizisten, der gerade einen Unfall absicherte. Der Beamte wurde den Angaben zufolge leicht verletzt. Der Autofahrer hatte noch versucht, auf der glatten Straße auszuweichen.
Die Kälte bleibt vorerst: Tiefausläufer bringen laut Meteorologin Kernn vor allem in Norddeutschland feuchte Luft mit wiederholten Schneeschauern. Der Süden profitiert von schwachem Hochdruckeinfluss und mehr Sonnenschein. Der Schnee taut bei Frost nicht, auch die Wintersonne vermag ihn nicht zu schmelzen. Erst in der zweiten Wochenhälfte setzt sich Kernn zufolge wieder mildere Luft durch und Deutschlands Dauerfrost endet.