ICE-Unfall Gutachten offenbart schwere Sicherheitsmängel


Vor einem halben Jahr raste ein ICE der Bahn in einem Tunnel bei Fulda in eine Schafherde - 19 Menschen wurden verletzt. Ein neuer Bericht offenbart jetzt schwere Fehler des Unternehmens beim Katastrophenmanagement. stern.de veröffentlicht Auszüge aus dem Gutachten.

Ein halbes Jahr nach dem ICE-Unfall im Landrückentunnel bei Fulda werden der Bahn in einem Gutachten schwere Vorwürfe gemacht. Die Deutsche Presse-Agentur dpa zitiert im Folgenden aus dem "Bericht zum ICE-Unfall am 26. April 2008 und zur Sicherheit auf der Schnellfahrstrecke Hannover - Würzburg" des Regierungspräsidiums Kassel:

"Es hat sich (...) herausgestellt, dass die Leistungsfähigkeit dieser Notfallleitstellen sehr begrenzt ist. Den Notfallmanagern wurde eine falsche Kilometerangabe von der Notfallleitstelle der Bahn AG übermittelt. So dass der erste Notfallmanager erst später als eigentlich möglich am Unfallort eintraf. (...) Die notwendige Weitergabe von Informationen an die Leitstellen der Feuerwehr erfolgte nicht oder nur unzureichend. Die Notfallleitstelle der Bahn AG in München hat, offensichtlich in Unkenntnis der wirklichen Lage, den Einsatz des Rettungszuges aus Würzburg behindert bzw. diesen nicht unverzüglich alarmiert und entsandt.

Nach Aussage des Feuerwehrführers des Rettungszuges Würzburg war von den beiden Triebfahrzeugführern einer nicht nüchtern. Die für den Einsatz im Tunnel notwendigen Aggregate des Rettungszuges konnten von dem zweiten Triebfahrzeugführer nicht in Betrieb genommen werden, da dieser nicht über die erforderlichen Kenntnisse verfügte.

Die Türen der Rettungsstollen sind von der Feuerwehr von außen nicht zu öffnen. Eine Hilfeleistung der Feuerwehr ist somit nur möglich, wenn die Türen der Rettungsstollen von innen geöffnet werden. Die Herausgabe der Schlüssel an die Feuerwehr wird seitens der Bahn AG abgelehnt. (...) Das Vortragen einer Hilfeleistung durch die Feuerwehren über den Rettungsstollen ist somit nicht möglich.

Der Unfall am 26. April wäre wahrscheinlich vermeidbar gewesen, wenn ein entsprechendes Überwachungssystem (Videoüberwachung) installiert gewesen wäre.

Aufgrund der derzeitigen Regelungen und technischen Gegebenheiten ist ein Einsatz von Einsatzkräften vor dem Eintreffen des Rettungszuges im Tunnel nicht möglich.(...) Weiterhin muss sichergestellt sein, dass die Rettungszüge auch zur Verfügung stehen und nicht, wie der Rettungszug Kassel, regelmäßig für mehrere Monate nicht am Standort zur Verfügung stehen.

Die Einsatzdauer der in der Regel bei den Feuerwehren Verwendung findenden Atemschutzgeräte ist für einen Einsatz im Bereich der Gleisanlage nicht ausreichend.

Eine Löschwasserversorgung ist an den Portalen der Tunnel nicht vorhanden.

Fazit: Aus den Einsatzberichten und den vorstehend genannten Sachverhalten ergibt sich, dass die Kompensation von baulichen und sicherheitstechnischen Defiziten durch organisatorische und technische Ersatzmaßnahmen nicht funktioniert hat."

DPA DPA

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