Jugendkrimininalität Alle Zahlen, alle Fakten


Die Statistik ist eindeutig: Die Zahl straffällig gewordener Jugendlicher sinkt. Aber: Die Schwere der Taten nimmt zu. Justizministerin Zypries will der Entwicklung nicht mit schärferen Gesetzen begegnen. Sondern mit intelligenten Polizeikonzepten wie in Bremerhaven.
Von Kerstin Schneider

In Berlin wurde ein 17-jähriger verurteilt, der während der Eröffnungsfeier des Hauptbahnhofes im Mai 2006 wahllos auf Passanten eingestochen hat. Der Amokläufer verletzte acht Personen lebensgefährlich. Im Januar erstachen in Tessin zwei 17-jährige die Eltern eines Freundes. In Hamburg gestand im vergangenen Jahr ein 15-jähriger, eine 81 Jahre alte Frau erwürgt zu haben. Kriminelle Jugendliche sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Dabei ist die Zahl kindlicher und jugendlicher Straftäter im vergangenen Jahr gesunken. Im Jahr 2005 wurden laut Kriminalitätsstatistik 103.124 Kinder als Tatverdächtige registriert. Das sind fast elf Prozent weniger als im Vorjahr. 2004 gab es 115.770 tatverdächtige Kinder. Dafür macht das Innenministerium "teilweise die demografische Entwicklung" verantwortlich. Auch die Zahl der tatverdächtigen Jugendlichen ist gesunken. Während 2004 noch 297.087 tatverdächtige Jugendliche registriert wurden, waren es 2005 "nur" 284.450. Die Zahl heranwachsender Tatverdächtiger im Alter von 18 bis 21 Jahren ist ebenfalls leicht zurückgegangen. 2004 wurden 250.534 Tatverdächtige registriert. 2005 waren es 247.450.

Zypries will nicht den "Stock" auspacken

Trotz des positiven Trends gibt es keinen Grund zur Entwarnung: Über 100.000 Kinder und über eine halbe Million Jugendliche und Heranwachsende werden jährlich als Tatverdächtige registriert. Während die Zahl der Ladendiebstähle und Rauschgiftdelikte abnimmt, steigen Gewaltdelikte, wie Körperverletzung. Nach dem Amoklauf in Berlin forderte der FDP-Politiker Martin Lindner eine drastische Verschärfung des Jugendstrafrechts. Er ist nicht der einzige Politiker. Die Herabsetzung der Strafmündigkeit auf zwölf Jahre ist immer wieder im Gespräch. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) will in den nächsten Wochen einen Gesetzentwurf vorlegen, der es Richtern ermöglicht, auch Jugendliche in dramatischen Fällen lebenslang wegzusperren. Um zu verhindern, dass es überhaupt soweit kommt, lehnt die Ministerin eine härtere Gangart jedoch ausdrücklich ab. "Wir wollen nicht mit dem Stock erziehen, sondern mit Hilfe und Förderung", sagte sie auf dem Jugendgerichtstag in Leipzig. Um die Jugendkriminalität einzudämmen setzt sie auf "Früherkennung". Schule, Jugendamt, Polizei und Justiz müssten enger zusammenarbeiten, um zu verhindern, dass "Jugendliche in kriminelle Karrieren abgleiten".

"Scout-Prinzip" entwickelt

Eine Forderung die in Bremerhaven schon seit sechs Jahren in die Tat umgesetzt wird. Die Stadt an der Nordseeküste, ist, wie es im Polizeijargon heißt, ein "heißes Pflaster". Vor fünf Jahren war fast jeder dritte Straftäter in Bremerhaven jünger als 21 Jahre. Darunter auffällig viele Kinder - fast ein Viertel war jünger als 14. Um die steigende Kinder- und Jugendkriminalität zu bekämpfen, entwickelte die Bremerhavener Polizei das so genannte "Scout-Prinzip". Das heißt, dass sich die Polizisten intensiv um kriminelle Jugendliche kümmern. Der Erfolg gibt der Bremerhavener Polizei recht. Trotz schwierigster sozialer Verhältnisse ist die Zahl von Kindern und Jugendlichen, die straffällig wurden, stetig gesunken.


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