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LGBTQ Ende der sexuellen “Umerziehung”? Religiöse Führer fordern weltweites Verbot der Konversionstherapie

Mehrere Regenbogenfahnen wehen im Wind.
In Deutschland wurde die Konversionstherapie erst dieses Jahr weitreichend verboten.
© Jasmin Sessler / Unsplash
In vielen Ländern ist es weiterhin erlaubt, die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität von Menschen durch eine sogenannte Konversionstherapie zu verändern. Damit soll nun Schluss sein – das fordern zumindest 370 religiöse Führer aller großen Glaubensrichtungen.

In einer Erklärung sprechen sich 370 religiöse Führer aus 35 Ländern, Ehrenamtliche und Akademiker für ein globales Verbot der Konversionstherapie und für ein Ende der Kriminalisierung von Menschen aus der LGBTQ-Community aus. Mehrere Medien hatten darüber berichtet.

In einer Erklärung der Initiative "Global Interfaith Commission on LGBT + Lives" (GIC) entschuldigen sich prominente Persönlichkeiten aller großen Religionen für das "tiefe Leid", das bestimmte spirituelle Lehren in der Vergangenheit bei LGBTQ-Personen verursacht haben. Die Unterstützer der Mitteilung betonen, dass alle Menschen ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität oder geschlechtlichen Ausdrucksform "ein wertvoller Teil der Schöpfung und der natürlichen Ordnung sind."

Zu den bekannten Befürwortern der Bewegung zählen unter anderem der ehemalige südafrikanische Erzbischof, Menschenrechtler und Friedensnobelpreisträger Desmond M. Tutu und der ehemalige Oberrabbiner von Irland, David Rosen.

Die Konversionstherapie soll homosexuelle Personen "heilen" – auch mit Kastration und Elektroschocks

Bei der Konversionstherapie handelt es sich um eine umstrittene Praxis, mit der die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität verändert werden soll. Der "New York Times" zufolge waren in der Vergangenheit auch Methoden wie Kastration oder Elektroschocks Teil der Therapie. Im Christentum, im Judentum und im Islam, wird jeder Sex außerhalb einer heterosexuellen Ehe als falsch dargestellt.  

In einigen Ländern werde diese Praxis der “Umerziehung” bereits klar als homofeindlich betitelt und entsprechend illegalisiert – so zum Beispiel in der Schweiz und in Teilen Australiens, Kanadas und den USA. In Europa war Malta 2016 das erste Land, dass ein Verbot aussprach.

In Deutschland ist die Konversionstherapie erst seit diesem Jahr verboten

In Deutschland gilt seit Mitte 2020 ein weitreichendes Verbot für die Konversionstherapie. Derartige Behandlungen sind an Minderjährigen untersagt. Auch für Erwachsene ist die Therapie verboten, wenn deren Einwilligung "auf einem Willensmangel (z.B. Zwang, Drohung, Täuschung, Irrtum) beruht", hieß es im Mai in einer Pressemitteilung des Bundesgesundheitsministeriums. Das Bewerben, Anbieten und Vermitteln von Konversionstherapien ist ebenfalls verboten.

Im Vereinigten Königreich sind solche Behandlungen hingegen weiterhin erlaubt: Laut "BBC" wiederholte Premierminister Boris Johnson allerdings sein Versprechen, die Konversionstherapie zu verbieten – die Praxis sei "absolut abscheulich und habe "keinen Platz in diesem Land", sagte er im Juli. Nach Ergebnissen der “National LGBT Survey”, der britischen Gleichstellungsbehörde von 2018 unter 108.000 Mitgliedern der LGBT-Gemeinschaft in Großbritannien hätten sich zwei Prozent einer solchen Behandlung unterzogen, weiteren fünf Prozent sei eine Konversionstherapie angeboten worden.

Eingriff in die Religionsfreiheit?

Das Gelöbnis der 370 Gläubigen gegen die Konversionstherapie könnte dazu beitragen, die Kluft zwischen den religiösen Führern und der Praxis zu schließen, sagte Christie Mallory, Direktorin einer Denkfabrik der U.C.L.A. School of Law laut "New York Times". Ihr Institut konzentriert sich auf die Erforschung von Fragen der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität. 

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Der "BBC" zufolge sehen viele konservative Religionsgruppen in dem Verbot eine Verletzung ihrer Religionsfreiheit. Sie seien besorgt, dass die Regierung in spirituelle Lehren eingreifen könnten.

Quellen: "New York Times"; "BBC"; Erklärung der GIC

yks

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