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Ladung der "Arctic Sea": Moskau dementiert Waffenschmuggel

Im Fall des lange verschollenen Frachters "Arctic Sea" gibt Russland noch immer kaum Informationen preis. Besonders energisch streitet Moskau die Behauptung von Militärexperten ab, unter der Holzladung hätten sich Marschflugkörper für den Iran befunden.

Im mysteriösen Fall des lange verschollen geglaubten Frachters "Arctic Sea" hat Russland Spekulationen über einen möglichen Waffenschmuggel an Bord des Schiffes zurückgewiesen. Die Mutmaßungen von Militärexperten über angebliche Marschflugkörper für den Iran, die unter der Holzladung versteckt gewesen sein könnten, seien "Fantasie" und "lächerlich", sagte Russlands Nato-Botschafter Dmitri Rogosin.

Der Diplomat räumte ein, dass der Einsatz der russischen Schwarzmeeerflotte zur Befreiung des Schiffes ein ungewöhnlich großer Aufwand gewesen sei. Dies habe Moskau jedoch wegen der russischen Seeleute an Bord und nicht wegen möglicher Raketen getan. In den vergangenen Tagen hatte es zahlreiche Spekulationen um die Ladung des Schiffs gegeben, die Mutmaßungen reichten von einem großen Drogendeal bis hin zu einer atomaren Fracht.

Russischer Geheimdienst leitet die Verhöre

Die russischen Ermittlungsbehörden kündigten die enge Zusammenarbeit mit anderen Ländern in dem Fall an. Sie machten zunächst aber keine Angaben, wann die Seeleute ihre Angehörigen wiedersehen dürfen. Elf der 15 Besatzungsmitglieder sowie acht mutmaßliche Piraten waren am Montag von der russischen Luftwaffe aus Westafrika nach Moskau gebracht worden. Der russische Geheimdienst habe den Verdacht, dass Besatzungsmitglieder an der Entführung des Schiffes beteiligt waren, berichtete das Internetportal Life.ru. Die Vernehmungen im früheren KGB-Gefängnis Lefortowo hätten am Donnerstag bis tief in die Nacht gedauert und seien am Freitag fortgesetzt worden.

Am Donnerstag hatte es in einer Erklärung des russischen Außenministeriums gehießen, die Seeleute der "Arctic Sea" befänden sich in einer "guten körperlichen und psychischen Verfassung". Bei der Befragung durch die Ermittler hätten die Männer angegeben, sie seien einen Tag nach dem Auslaufen aus einem finnischen Hafen von acht Piraten in einem Schnellboot überfallen worden. Diese seien in schwarz gekleidet gewesen und auf ihren Rücken habe "Policia" gestanden. Unter der Androhung von Waffengewalt hätten sie die Besatzung des Schiffs dazu aufgefordert, alle Anordnungen zu befolgen.

Vergebliche Warn-SMS

Im russischen Fernsehen sagte einer der Seeleute, ein Ingenieur der "Arctic Sea" habe noch eine SMS abschicken können, bevor die Entführer den Frachter enterten. Auf eine Nachfrage des Empfängers habe der mit Waffen bedrohte Kapitän aber angeben müssen, dass die Kurzmitteilung "nur ein Scherz" gewesen sei.

Die "Arctic Sea" war nach offiziellen Angaben am Montag vor Westafrika aus der Gewalt von Piraten befreit worden. Nach russischer Darstellung hatten die Seeräuber den Frachter am 24. Juli vor der schwedischen Küste in ihre Gewalt gebracht. Der Kapitän sowie drei Seeleute halten weiter Wache auf dem drei Wochen lang vermisst gemeldeten Frachter. Das Schiff nahm mittlerweile von der Küste des Inselstaats Kap Verde Kurs auf den russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk.

DPA/AFP / DPA