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Faktencheck Schmuggelt die Ukraine Waffen in Getreideschiffen? Was da dran ist

Das erste Getreideschiff aus der Ukraine
Das Frachtschiff Razoni fährt unter der Yavuz-Sultan-Selim-Brücke hindurch. Die Razoni ist das erste Getreideschiff, das die Ukraine im Rahmen eines Kriegsabkommens verlassen hat
© Emrah Gurel / AP / DPA
In den sozialen Netzwerken wird behauptet, die Ukraine nutze die Getreideschiffe für den Waffenschmuggel. Kann das stimmen? Ein Faktencheck.

Mit Geraune um angebliche Waffenlieferungen in Schiffen versucht manch einer, das gerade verlängerte Getreideabkommen zwischen der Ukraine, Russland, der Türkei und den Vereinten Nationen in Verruf zu bringen.

Behauptung: Getreideschiffe werden für Waffenlieferungen an die Ukraine genutzt.

Bewertung: Ohne jeglichen Beleg.

Fakten: Im Juli gelang der Türkei und den Vereinten Nationen eine Vermittlung in den monatelangen Blockaden der ukrainischen Getreideausfuhren infolge des russischen Angriffskriegs. Sie schlossen mit der Ukraine und Russland ein Abkommen, das den Transport des Getreides über das Schwarze Meer ermöglichen sollte. Es wurde am Donnerstag verlängert. Damit sind Ausfuhren aus den ukrainischen Häfen für mindestens vier weitere Monate möglich.

Um zu verhindern, dass unerlaubte Ladung oder unerlaubtes Personal mit Schiffen in die Ukraine gelangt, wurde in Istanbul ein gemeinsames Koordinierungszentrum (JCC) eingerichtet. Dort sitzen Vertreterinnen und Vertreter aller beteiligten Seiten: aus der Ukraine, aus Russland, aus der Türkei und von den Vereinten Nationen. Es organisiert die Kontrollen in Istanbul vor der Fahrt übers Schwarze Meer Richtung Ukraine und auf dem Rückweg beim Abtransport des Getreides.

Routen der Schiffe werden streng überwacht

Während der Fahrt über das Schwarze Meer überwacht das JCC zudem laut Abkommen die festgelegten Routen der Schiffe technisch. Die Schiffe dürfen demnach weder anderen Schiffen zu nahe kommen noch andere Häfen anlaufen. "Das JCC überwacht die Bewegungen der Schiffe, und wenn es Abweichungen vom Korridor beobachtet, kontaktiert es den Kapitän und beantragt eine Kurskorrektur. Alle Schiffe haben diesen Anfragen entsprochen", teilte eine Sprecherin des gemeinsamen Koordinierungszentrums auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Durchsuchungsteams hätten bislang keine unautorisierte Besatzung oder Ladung an Bord der teilnehmenden Schiffe gefunden.

Ein Foto, das in den sozialen Medien als vermeintlicher Beweis für den Waffenschmuggel verbreitet wird, hat mit dem Getreideabkommen nichts zu tun. Es entstand am 11. Februar 2022, also vor Russlands Angriff auf die Ukraine. Darauf zu sehen sind ukrainische Soldaten, die von den USA als Militärhilfe gelieferte Panzerabwehrraketen entgegennehmen. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP machte das Bild am Boryspil-Flughafen nahe Kiew.

cl DPA

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