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Massaker von Las Vegas: 72 Minuten Todesangst - so lief die Polizei-Jagd auf den Todesschützen

Stephen Paddock entfacht von einem Hotelzimmer in Las Vegas aus ein tödliches Trommelfeuer auf die Besucher eines Musik-Festivals. Sofort versucht die Polizei, zu dem Schützen vorzudringen - das Protokoll des Einsatzes.

Las Vegas Polizei-Protokolle

Ein bewaffneter Polizisten läuft in Las Vegas während die Schüsse fallen durch eine Nebenstraße nahe des Mandalay Bay Hotels

Das Attentat von Las Vegas ist eines der schlimmsten Massaker in der Geschichte der USA. Der 64-jährige Schütze Stephen Paddock feuerte wohl mit mindestens einer frisierten halbautomatischen Waffe aus einem Hotelzimmer im 32. Stock des Mandala Bay Hotels auf die Besucher eines Country-Festivals. Die manipulierte Waffe garantierte dem Schützen eine höhere Todesrate.

Wie lange Paddock schoss, ist noch nicht genau ermittelt. Die Angaben von Zeugen schwanken zwischen zehn und zwanzig Minuten. Es vergehen ein paar Augenblicke, bis die Festival-Besucher verstehen, dass es sich bei dem lauten Knallen um tödliche Schüsse handelt, und nicht um ein Feuerwerk oder technische Störungen. Doch dann bricht Panik aus, die Menschen laufen durcheinander und versuchen, sich in Sicherheit zu bringen.

Die Polizei ist zunächst orientierungslos

Auch die Polizei ist zunächst orientierungslos. Woher kommen die tödlichen Schüsse, die auf das Festival-Gelände am Las Vegas Strip niederprasseln? Es dauert eine gewisse Zeit, bis die Beamten die Stellung des Schützen lokalisieren. Schließlich rücken sie vor und stürmen das Hotelzimmer - doch der Massenmörder hat sich schon selbst getötet.

Mehrere Medien, darunter die "New York Times", haben die Funk-Protokolle der Polizei veröffentlicht. Sie zeugen von der dramatischen Suche nach dem Attentäter. 

Sonntag, 22.08 Uhr in Las Vegas: Ein Polizist auf dem Festival-Gelände gibt Alarm. "Es fallen Schüsse", sagt er. "Klingt wie aus einer automatischen Waffe."

Für die nächsten Minuten herrscht ein großes Durcheinander, Polizisten treffen am Ort des Massakers ein. "Die Schüsse fallen von oben aus Mandala Bay. Oben im Mandala Bay, auf halber Höhe sehe ich, wie die Schüsse aud dme Mandala Bay kommen, aus halber Höhe."

"Wir haben einen aktiven Schützen - wir haben einen aktiven Schützen innerhalb des Festivalgeländes!"

22.12 Uhr: Das Ausmaß des Attentats wird klarer, als ein Polizeibeamter Polizei-Kürzel für Schusswaffenwunden benutzt, er spricht mit einer aufgeregten Stimme: Wir haben mehrere Opfer, G.S.W.'s im Medizinzelt. Viele Opfer."

Der Schütze wird zunächst auf dem Festivalgelände vermutet

Aber die Verwirrung darüber wer und von wo aus gefeuert wird, bleibt bestehen.

"Schüsse fallen vom Tor 7 aus."

"Wir sind vor dem Mandala Bay. Wir versuchen zu sehen, von wo die Schüsse herkommen. Kann jemand bestätigen, ob sie vom Mandalay kommen?"

"Es hört sich so an, dass sie entweder vom Mandalay oder vom Luxor kommen. Wir können es nicht sagen."

22:13 Uhr: Langsam wird deutlicher, woher die Schüsse kommen. 

"Sie kommen aus dem 50. oder 60. Stockwerk, nördliche Seite des Mandalay. Sie kommen aus einem Fenster."

"Wir sehen dort Blitze in der Mitte des Mandala Bay auf der nördlichen Seite, irgendwie Richtung Mitte des Kasino, auf mittlerer Höhe."

Der Attentäter hat zwei Fenster eingeschlagen und hat eine weite Sicht auf das Festivalgelände.

Trotz des Chaos auf den Straßen erkennt ein Beamter genau, woher die Schüsse kommen.

"Ich bin im Mandalay im 31. Stock, ich kann die Schüsse hören, die von einem Stockwerk darüber kommen. Ein Stockwerk über uns."

"Wiederhole, es ist bestätigt, das es Dauerfeuer ist. Volles Dauerfeuer aus erhöhter Position. Geht in Deckung."

"Das ist korrekt, es ist vollautomatisches Feuer , ich bin direkt darunter."

Polizisten auf dem Festivalgelände funken: 

"Wir sind unter Beschuss. Die Schüsse gehen über unsere Köpfe hinweg. (...) Wir stecken hier fest mit einer Reihe Zivilisten."

"Wir können uns nicht um die Opfer kümmern, wir müssen den Schützen ausschalten, bevor wir noch weitere Opfer haben. Sieht jemand den Schützen?"

Die Polizeizentrale bittet die Beamten, ruhig zu bleiben.

22:20 Uhr: Es gibt Anzeichen, dass die Schüsse gestoppt wurden, sicher ist es aber nicht.

"Es ist eine Weile her, dass wir Schüsse gehört haben. Sieht jemand den Schützen?"

Ein späterer Funkspruch legt nahe, dass die Schüsse ca. 22:25 Uhr aufgehört haben.

22:24 Uhr: Beamten melden sich aus dem Treppenhaus vor der Zimmertür des Attentäters.

"Ich bin im 32. Stock. Es ist Zimmer Nummer 135."

"Es ist Zimmer 135 im 32. Stock, ich brauche das Swat (Spezialeinsatzkommando, d. Red.)"

22.28 Uhr: Die Spezialeinsatzkommandos sammeln sich im 32. Stock und auch im 29. , weil es fälschlicherweise Berichte über einen Schützen dort gegeben hatte. Ein Beamter berichtet, dass ein Sicherheitsmann des Hotels erschossen wurde.

In den nächsten 50 Minuten sichern die Einsatzkräfte das Stockwerk, weiter Swat-Teams treffen ein.

23.20 Uhr: Die Tür zur großräumigen Suite wird gesprengt, drinnen finden sie den Schützen, der sich selbst erschossen hat. Der Mann wird später als Stephen Paddock identifiziert. In der Suite hatte es zahlreiche Waffen deponiert.