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Las Vegas: Was machte aus dem Rentner Stephen Paddock einen Massenmörder?

Unauffällig - das ist es, was dem Umfeld des Las-Vegas-Attentäters zu Stephen Paddock einfällt. Der Rentner hortete zwar Waffen ohne Ende und frönte dem Glücksspiel - aber sonst? Die Polizei steht vor einen Rätsel.

Stephen Paddock und Eric Paddock

Eric Paddock (l.) und sein Bruder Stephen, der Todesschütze von Las Vegas auf einen undatierten Foto

Zwei Tage nach dem Massaker von Las Vegas tappen die Ermittler bei der Suche nach einem Motiv weiter im Dunkeln. Der 64-jährige Täter , ein vermögender und unauffälliger Rentner mit einer Leidenschaft für Glücksspiele, hinterließ nach Polizeiangaben keine Notizen.

Um 22 Uhr schlug Stephen Paddock die Fenster ein

Die Ermittler rekonstruierten inzwischen den genauen Tatablauf. Demnach zerschlug Paddock am Sonntagabend kurz nach 22 Uhr Ortszeit zunächst zwei Fensterscheiben seiner Suite im 32. Stock des Hotels "Mandalay Bay" in ein. Anschließend schoss er mit automatischen Waffen auf tausende arg- und wehrlose Besucher eines Freiluft-Country-Konzerts. Bevor Sondereinheiten sein Zimmer stürmten, erschoss er sich. Zuvor hatte er noch durch die Tür einen Wachmann angeschossen.

Ermittler beschlagnahmten in der Suite 23 Schusswaffen. Bei einer in Paddocks Privathaus in Mesquite 130 Kilometer von Las Vegas entfernt fanden Beamte weitere 19 Schusswaffen, tausende Schuss Munition, den Sprengstoff Tannerit sowie in seinem Auto Ammoniumnitrat, das zum Bombenbau verwendet wird.

Motiv - weiter völlig unklar

Welches Motiv der 64-Jährige für sein gehabt haben könnte, war weiterhin völlig unklar. Die Bundespolizei FBI und der Auslandsgeheimdienst CIA reagierten skeptisch auf eine Erklärung der Dschihadistenmiliz IS, derzufolge Paddock zum Islam konvertiert sei und die Tat als "Soldat des IS" begangen habe.

Laut gab es dafür zunächst keinerlei Belege. Experten vermuten, der IS habe seinen Anhängern mit dieser "Fake News" zeigen wollen, dass er allen militärischen Niederlagen zum Trotz immer noch die Kraft habe zuzuschlagen.

Die Ermittler gingen zunächst davon aus, dass es sich bei Paddock um einen Einzeltäter handelte. Sheriff Lombardo bezeichnete den 64-Jährigen als "Psychopathen" und "einsamen Wolf". Paddocks Bruder Eric schilderte ihn in US-Medien als unauffälligen und wohlhabenden Mann.

Paddocks Vater war ein Bankräuber

Stephen Paddock habe keine "politischen oder religiösen Verbindungen" gepflegt und sei "kein Waffennarr" gewesen. Allerdings sei sein Bruder ein leidenschaftlicher Glücksspieler gewesen und habe oft tausende Dollar beim Spiel eingesetzt.

Paddocks vor einigen Jahren gestorbener Vater war ein Bankräuber und wurde zeitweise vom FBI auf der Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher geführt. Auf einem damaligen Fahndungsplakat wurde der Vater als gefährlicher "Psychopath" beschrieben. Nach Darstellung von Eric Paddock hatten er und sein Bruder keinen Kontakt zu ihrem Vater.

Paddocks Tat ist das schlimmste Massaker in der jüngeren US-Geschichte. Nach Angaben von Sheriff Joseph Lombardo tötete er mindestens 59 Menschen und verletzte 527 weitere. US-Präsident Donald Trump kündigte für Mittwoch einen Besuch in Las Vegas an. Er sagte, der Schütze sei ein "sehr, sehr krankes Individuum" gewesen und habe "viele Probleme" gehabt.

Auch der Iran konduliert

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die britische Premierministerin Theresa May sowie Papst Franziskus und der russische Präsident Wladimir Putin zeigten sich erschüttert. Trotz seiner gespannten Beziehungen zu Washington kondolierte auch der Iran. Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums sprach von einem "abscheulichen Verbrechen" an unschuldigen Zivilisten.

Nach und nach wurden Einzelheiten zu den Opfern bekannt. Unter ihnen waren eine Kindergärtnerin und eine Cheerleaderin aus Kalifornien, eine Krankenschwester aus Tennessee, eine Schulsekretärin aus New Mexico. Wie aus dem Auswärtigen Amt verlautete, wurde auch ein Deutscher verletzt; er befinde sich "in medizinischer Behandlung".


In den USA gibt es immer wieder tödliche Angriffe mit Schusswaffen. Trotz mehrerer Amokläufe an Schulen und Universitäten gelang es Trumps Vorgänger Barack Obama nicht, gegen den Widerstand der Republikaner schärfere Waffengesetze durchzusetzen. Das Weiße Haus erklärte nach den Schüssen von Las Vegas, eine Debatte über eine Verschärfung der Waffengesetze sei ohne Kenntnisse der Hintergründe "verfrüht".

nik/AFP