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"Eiserner Stab" aus Offenbarung: "Gottgegebenes" Recht auf Waffen: US-Kirche hält Messe für Sturmgewehr AR-15 ab

Waffen zu tragen sei ein "gottgegebenes" Recht und das AR-15 der "eiserne Stab" aus der Offenbarung des Johannes. Eine Glaubensgemeinschaft in den USA hat ein sehr spezielles Verhältnis zu Schusswaffen.

Das AR-15 ist in seinen verschiedenen Ausführungen ein äußerst populäres Sturmgewehr in den USA. Leider ist es auch bei Amokläufern sehr beliebt. 2012 erschoss Adam Lanza damit 28 Menschen an der Sandy Hook Grundschule, darunter 20 Kinder. Auch der Attentäter von Las Vegas, Stephen Paddock, ermordete vergangenen Oktober unter anderem mit Gewehren dieses Typs 58 Besucher eines Festivals. Und zuletzt stürmte Nikolas Cruz mit einem AR-15 seine High School in Florida, tötete 14 Schüler und drei Erwachsene damit.

All das hielt eine Glaubensgemeinschaft im US-Bundesstaat Pennsylvania nicht davon ab, einen Gottesdienst speziell für dieses halbautomatische Sturmgewehr abzuhalten. Die World Peace and Unification Sanctuary hatte für diesen Mittwoch ihre Anhänger eingeladen mit Waffe zur Messe zu kommen, um diese segnen zu lassen. Bilder der Nachrichtenagentur AP hielten die makaber wirkenden Momente fest. Einige Gläubige erschienen mit Kronen, die aus Patronen gefertigt waren. Viele umklammerten während der Zeremonie ihre (ungeladenen) Sturmgewehre.

Prediger: "Gottgegebenes" Recht auf Waffenbesitz

Mehreren US-Medienberichten zufolge sagte der Prediger, das Recht eine Waffe zu besitzen sei "gottgegeben" und helfe, "das Gedeihen der Menschheit zu beschützen". Für ihn sei das AR-15 der "eiserne Stab" aus der Offenbarung des Johannes. Dort heißt es: "Und wer überwindet und meine Werke bewahrt bis ans Ende, dem will ich Macht geben über die Völker, und er soll sie weiden mit eisernem Stabe – wie die tönernen Gefäße werden sie zerschmissen".

Gottesdienst für Sturmgewehr: Die meinen das ernst ...
Scheint eine innige Beziehung mit ihrem Gewehr zu pflegen, diese Gläubige

Anhänger der "World Peace and Unification Sanctuary" erschienen am Mittwoch mit dem Sturmgewehr zum Gottesdienst. Diese Gläubige umklammerte dabei ihre Waffe.

AP / DPA

Die Zeremonie kam logischerweise nicht bei allen gut an. Vor der Kirche sollen sich Demonstranten versammelt haben, berichtet der "Chicago Tribune". Auch Polizeibeamte seien vor Ort gewesen. Einer Grundschule in der selben Straße war die Aktion dennoch so unheimlich, dass sie aus Sicherheitsgründen den Unterricht für den Tag ausfallen ließ.

Verbindungen zur Vereinigungskirche

Die "World Peace and Unification Sanctuary" wurde vom US-Amerikaner Moon Hyung-jin gegründet. Er ist der siebte und jüngste Sohn von Moon Sun-myung, dem mittlerweile verstorbenen Gründer der Vereinigungskirche, auch als Moon-Sekte bekannt. Der jüngste Sohne war zunächst in dieser Kirche aktiv, ehe er in Newfoundland in Pennsylvania seine eigene Glaubensgemeinschaft gründete.

Der 1920 geborene Moon Sun-myung behauptete Zeit seines Lebens, ihm sei als Teenager Jesus erschienen und habe ihn gebeten, seine Mission fortzuführen. Später gründete er die Vereinigungskirche, die vor allem in den USA, Südkorea und Japan verbreitet ist. Auch in Deutschland hat die Kirche einige Anhänger. 

fin / fin