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Pressesprecherin Dana Loesch: Das Gesicht der NRA kämpft mit scharfer Zunge für scharfe Waffen

Nach dem Schulmassaker in Florida tobt in den USA mal wieder die Waffendebatte. Doch dieses Mal kann die NRA die neue Pressesprecherin Dana Loesch in den Kampf schicken, eine konservative Überzeugungstäterin mit Bibel-Tattoo.

Dana Loesch ist seit 2017 die Sprecherin der US-Waffenlobby-Organisation NRA

Dana Loesch ist seit 2017 die Sprecherin der US-Waffenlobby-Organisation NRA

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"Dieses Heim wird beschützt vom Herrgott und einer Waffe. Wenn du gekommen bist, um zu stehlen oder uns etwas anzutun, könntest du auf beide treffen", ist auf einem Schild im Fenster des Hauses von Dana Loesch und ihrer Familie zu lesen. Die 39-Jährige ist seit dem vergangenen Jahr die Pressesprecherin, das öffentliche Gesicht der NRA. Die National Rifle Association ist die mächtigste Waffenlobby der USA. Nach dem Schulmassaker in Florida mit 17 Toten tobt in Amerika mal wieder die Diskussion um die laschen Waffengesetze. Oft sitzt die NRA die Diskussion einfach aus. Doch nicht dieses Mal. Die Waffenlobby schickte Loesch unter der Woche zu einer im TV übertragenen Debatte, um Überlebenden der Attacke Rede und Antwort zu stehen. Es war ein Kampf auf verlorenem Post - zumindest vor Ort. Loesch wurde von den Zuschauern im Raum ständig unterbrochen und ausgebuht. 

Unter anderem Emma Gonzales - eine 18-jährige Schülerin, Überlebende des Attentats und seit Kurzem die Stimme des Anti-Waffenprotests in den USA - bedrängte sie mit Fragen zu semi-automatischen Sturmgewehren, die in den USA frei verkäuflich sind und immer wieder für Amokläufe benutzt werden. Loesch zog sich auf die bekannte, auch von Donald Trump genutzte, Argumentationslinie zurück: Der Schütze habe "psychische Probleme" gehabt und hätte daher keine Waffe kaufen dürfen sollen. Das ändere aber nichts am Recht aller gesetzestreuen US-Bürger, Waffen zu kaufen und zu tragen.

Wortgewandt und geschickt wich sie den Fragen aus, ermutigte Schülerin Gonzales sogar, sich weiter für den Protest gegen Waffen einzusetzen. Sie sei selbst früher "ein politisch engagierter Teenager" gewesen, sagte Loesch zur Massaker-Überlebenden. Das habe sie dorthin gebracht, wo sie heute stehe. Ähnliches könne Gonzales auch erreichen. Immer wieder argumentierte Loesch mit Blick auf das Florida-Massaker, dass eben dieser junge Mann keine Waffe hätte kaufen können. Er sei im Visier der Behörden gewesen und diese hätten versagt. Das Problem liege nicht im freien Verkauf von Schusswaffen generell. Unter lauten Buhrufen verließ sie schließlich den Saal.

Dana Loesch: Ihre Zielgruppe saß nicht im Saal

Allerdings wäre es fahrlässig, den Auftritt deshalb als verpatzt zu bezeichnen. Loeschs Zielgruppe saß nämlich gar nicht im Raum, wurde aber durch die TV-Kameras sicher erreicht. Sie vertritt fünf Millionen eingetragene Waffenfreunde in der NRA. Das Recht auf Schusswaffenbesitz ist im zweiten Zusatzartikel der US-Verfassung verankert. Viele US-Bürger sehen einen Eingriff darin als Eingriff in ihre persönliche Freiheit. Loeschs Argumentation dürfte also nicht überall auf taube Ohren gestoßen sein.

Noch am selben Tag absolvierte sie dann einen deutlich zielgruppenorientierteren Auftritt. Sie sprach bei der konservativen CPAC in Washinton und gab dabei folgendes Zitat ab: "Viele in den Medien lieben Schulmassaker. Nicht die Tragödie, aber die Einschaltquoten. Weinende weiße Mütter sind Gold für die Quote." Die Sätze sorgten für Aufruhr in den sozialen Netzwerken und zeigen deutlich: Loesch versteht es zu provozieren.

Die 1978 geborene Loesch wuchs im konservativen Missouri auf, lebt heute mit Mann und zwei Söhnen in Texas, wie die "New York Times" in einem Porträt über sie schreibt. Als Teenager war sie den Demokraten zugeneigt, änderte ihre Weltanschauungen jedoch mit dem Sex-Skandal um Bill Clinton Mitte der 90er-Jahre. Sie studierte Journalismus, brach aber ab, als sie mit 21 Jahren schwanger wurde und heiratete. Sie ist gläubige Christin, hat eine Bibelpassage, in der von der "Waffenrüstung Gottes" die Rede ist, auf dem Unterarm tätowiert. Seit 2008 moderiert sie die "Dana Show" bei einem lokalen Radiosender. Sie schreibt Bücher und arbeitete für das rechte Nachrichtenportal "Breitbart" als Kommentatorin. Sie überwarf sich später aber mit Stephen Bannon. Auch für CNN kommentierte sie zwischenzeitlich das politische Geschehen. Der Sender distanzierte sich jedoch von Loesch, nachdem sie in ihrer Radioshow US-Soldaten verteidigt hatte, die auf tote Taliban-Kämpfer uriniert hatten.

Mit scharfer Zunge für scharfe Waffen

Bei der NRA scheint sie ihren Platz gefunden zu haben. In einer Online-Kampagne im vergangenen Jahr prangerte sie dort in sehr scharfem Ton die angebliche "Gewalt der Lügen" (engl. the violence of lies) an. Dort spricht sich davon, dass "sie", gemeint sind die Liberalen, "ihre Schulen einsetzen, um den Schülern beizubringen, ihr Präsident sei ein neuer Hitler". Sie baut ein bedrohliches Szenario auf, zeichnet eine Welt voller Gefahren für "den unbescholtenen Bürger" und nennt schließlich die NRA als "den sichersten Ort der Freiheit" (engl. Freedom's safest place).

Die Angst ist ein wiederkehrendes Element in Loeschs Werbung für Waffen. Auch auf ihrem Instagram-Kanal betont sie immer wieder ihre Mutterrolle, und wie Waffen ihre Familie beschützen sollen. Strengere Gesetze würden lediglich "die Opfer entwaffnen". Waffenfreie Zonen nennt sie "Schutzräume für Kriminelle". In ihrem Haus hat sie mehrere Schuswaffen in Safes verteilt, für den Fall, dass jemand einbricht. Das Schild im Fenster ist also keine leere Drohung. Eine Handfeuerwaffe bewahrt sie direkt bei ihrem Bett auf, wie sie der "New York Times" sagte. Aber nur, um sich damit zu wehren, bis sie "eine Shotgun oder ein Gewehr in der Nähe" in die Finger bekommt.

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