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Studie zur NRA: Während die US-Waffenlobby tagt, werden weniger Menschen angeschossen

Eine Studie bringt ein wichtiges Argument von Waffenfans ins Wanken: Wenn sich die US-Waffenlobby NRA zu ihrer Jahrestagung trifft, sinkt die Zahl angeschossener Menschen.

Waffenfans auf der letzten NRA-Tagung Ende April 2017 in Atlanta

Waffenfans auf der letzten NRA-Tagung Ende April 2017 in Atlanta

AFP

Am 3. Mai ist es zum 147. Mal wieder so weit: Die US-Waffenlobby NRA hält ihren alljährlichen Kongress inklusive Waffenausstellung ab. Dieses Jahr treffen sich Zehntausende Anhänger der National Rifle Association für vier Tage in Dallas, im Bundesstaat Texas. Der Rest der US-Bürger kann sich in dieser Zeit wohl ein klein wenig sicherer fühlen. Denn einer Studie zufolge sinkt während der NRA-Tagung die Zahl der Schussverletzungen im Land. Das schließen Forscher der Harvard Medical School in Boston und der Columbia University in New York aus der Analyse von Versicherungsdaten von 2007 bis 2015. Demnach gibt es in den USA während der mehrtägigen Zusammenkünfte 20 Prozent weniger Verletzungen durch Schusswaffen als an gleichen Tagen in den jeweils drei Wochen zuvor und danach.

Zahlen lassen an NRA-These zweifeln

Während der NRA-Treffen lag die Rate der Schussverletzungen bei 1,25 pro 100.000 Menschen, sonst waren es 1,5, wie Anupam Jena und Andrew Olenski im "New England Journal of Medicine" berichten. Der Rückgang sei wahrscheinlich auf die "kurze Zeit der Waffenabstinenz während solcher Versammlungen" zurückzuführen, schreiben die Forscher - auch wenn das noch weiter untersucht werden müsse. Die NRA-Tagungen werden nach Angaben der Forscher von 80.000 oder noch mehr Menschen besucht.

Die Zahlen belegen nach Ansicht der Autoren, dass solche Verletzungen nicht nur - wie oft behauptet - auf den Umgang ungeübter Novizen mit Waffen zurückgehen, sondern auch erfahrenen Menschen passieren. Denn Waffenbesitzer, die so interessiert an dem Thema sind, dass sie zur NRA-Tagung anreisen, können eher gut mit Waffen umgehen oder haben damit sogar beruflich zu tun - so dass derartige Unfälle bei ihnen selten sein sollten. Trotzdem sinkt der Studie zufolge die Zahl der Schussverletzungen im Land deutlich, wenn sie sich von ihren Waffen fernhalten.

Das scheint die These zu widerlegen, dass Verletzungen durch Waffen nur auf zu wenig Erfahrung und Training im Waffengebrauch zurückgehen", sagt Jena. Waffenunterstützer - inklusive der NRA - bringen diese Behauptung im Kampf gegen striktere Gesetze immer wieder vor.

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"Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass ihre Untersuchung eine Beobachtungsstudie sei. Deshalb könne daraus keine Kausalität abgeleitet werden. Aber: "Egal, wie man zu Waffen steht, wir sollten alle anerkennen, dass eine Schusswaffe zu besitzen und zu benutzen ein Risiko bedeutet", sagt Jena.

Im Jahr 2014 gab es nach Angaben von US-Gesundheitsbehörden mehr als 65.000 beabsichtigte und fast 16.000 unbeabsichtigte Schusswaffenverletzungen in den USA. Fast 2000 davon betrafen Menschen unter 18 Jahre.

mad/DPA