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Loveparade-Tragödie bei "Maybrit Illner": Weit, weit weg von Duisburg

Mit dem schmissigen Titel "Tanz in den Tod" hatte Maybrit Illner ihre Talk-Runde am Donnerstag unterschrieben. Alle Verantwortlichen scheuten die Kameras. Aber das Drama dieser Tage war allein am Gesicht Fritz Pleitgens abzulesen, dem Chef der "Ruhr 2010."

Von Theresa Breuer

Die Loveparade sollte ein Lichtmoment im grauen Ruhrpott sein, doch sie endete in Trauer und Entsetzen. 21 Tote, über 500 Verletzte, eine fassungslose Bevölkerung. Weltoffen, jugendlich und am Puls der Zeit - so wollte Duisburg sein. Stattdessen steht die Stadt nun im Zentrum quälender Fragen. In der Sendung von Maybrit Illner mit dem Thema "Tanz in den Tod - Warum wurde die Loveparade zur Katastrophe?", sollten die Talkgäste am Donnerstagabend Antworten geben.

Das Problem: Keiner der geladenen Gäste hatte direkt mit der Veranstaltung zu tun gehabt. Obwohl eingeladen, waren weder Veranstalter Rainer Schaller, noch Oberbürgermeister Adolf Sauerland, noch der zuständige Baudezernent erschienen.

Kaum Konfliktpotential

Stattdessen waren gekommen: Ein Besucher der Loveparade, der nicht direkt betroffen war. Ein DJ, der auf der Veranstaltung nicht anwesend war. Ein Bundespolitiker, der in keinerlei Verantwortung für die Ereignisse stand. Einzig Fritz Pleitgen, Geschäftsführer der "Ruhr 2010", in deren Rahmen die Megaparty stattfand und Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, hatten wenigstens indirekt mit den Geschehnissen zu tun.

Echtes Konfliktpotenzial war somit nicht zu erwarten und entsprechend lau verlief die Diskussion. Zunächst kamen die zu erwartenden Betroffenheitsbekundungen aus der Runde. Fritz Pleitgen stand das Entsetzen noch deutlich ins Gesicht geschrieben - hatte er doch im Vorfeld zu den stärksten Befürwortern der Loveparade in Duisburg gehört. Er verstehe nicht, wie es zur der Katastrophe kommen konnte, bei der Party handle es sich doch um ein "erprobtes Format".

Eine Bresche für die Polizei geschlagen

Das war die Steilvorlage für den sichtlich erbosten DJ Paul van Dyk. Mitnichten habe es sich um ein erprobtes Format gehandelt, wetterte der DJ-Superstar, für den Riesenpartys wie die Loveparade zum täglich Brot gehören. Der Veranstalter habe 2005 gewechselt, sei mit Großveranstaltungen unerfahren und zudem finde die Veranstaltung nur einmal im Jahr und obendrein jedes Mal an einem anderen Ort statt.

Rainer Wendt gehört zu denen, die es von Anfang an gewusst haben wollen. Seine Warnungen hätten die zuständigen Genehmigungsbehörden jedoch in den Wind geschlagen. Pleitgens Frage, warum er sich mit seinen Bedenken wegen des Geländes nicht an die breite Öffentlichkeit oder zumindest den nordrhein-westfälischen Innenminister gewandt habe, ließ Wendt jedoch unbeantwortet. Fast trotzig zog er sich auf Zuständigkeiten zurück und verwies mehrfach auf die "sehr gute Polizeiarbeit", denn schließlich sei da, "wo die Polizei zuständig war, nichts passiert."

England hat Vorbildcharakter

In England habe die Polizei bei Großveranstaltungen das letzte Wort, gab Paul van Dyk zu bedenken, und nicht ein "geltungssüchtiger Politiker". Dass damit der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland, gemeint war, war offensichtlich. Maybrit Illner nutzte die Gelegenheit, Wolfang Bosbach spitzzüngig zu fragen, ob sein CDU-Parteifreund seiner Ansicht nach nicht zurück treten solle. Bosbach geriet daraufhin ins Schlingern, scheute eine konkrete Antwort, sagte aber trotzdem, dass ein Politiker mit seinem Amt auch für die Fehler seine Mitarbeiter hafte. Darüber, dass Sauerland in dem Loveparade-Desaster eine zentrale und unrühmliche Rolle spielt, waren sich die Talkgäste einig. Doch sonst scheuten sie sich, mit dem Finger auf einen Schuldigen zeigen.

Unabhängig von der Schuldfrage, blieb am Ende der Sendung die Feststellung, dass es nicht zu der Tragödie hätte kommen müssen. Auch Veranstaltungen mit Millionenpublikum können so organisiert werden, dass niemand zu Schaden kommt. Ein paar einfache Grundregeln reichen. Paul van Dyk zählte sie auf: Getrennte Ein- und Ausgänge schaffen. Sich besser mit den Sicherheitsbehörden absprechen. Deren Warnungen ernst nehmen. Und nicht Politikern das letzte Wort lassen.