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Meeressäuger: Südkorea will wieder auf Waljagd gehen

Schlimme Zeiten für Wale: Südkorea will wieder Walfang betreiben, Japan verhindert erneut die Einrichtung eines Schutzgebietes für die großen Meeressäuger. Naturschützer sind verärgert.

Wie Japan will auch Südkorea zu wissenschaftlichen Zwecken wieder Wale jagen. Das kündigte die Delegation des Landes am Mittwoch bei der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Panama-Stadt an. Der Leiter der Delegation, Joon-Suk Kang, sagte, die Population der Minkwale vor der Küste Südkoreas habe sich erholt und stelle ein Problem für die Fischer dar, da die Meeressäuger die Fischbestände vernichteten. Deshalb habe man die Hoffnung, dass die Walfangkommission die Waljagd wieder erlaube.

Walschutzorganisationen reagierten entsetzt. Patrick Ramage, Chef des Walprogramms des Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW), forderte Südkorea auf, den Plan aufzugeben. Ralf Sonntag, IFAW-Leiter in Deutschland, bezeichnete die Absicht der Koreaner als eine durchsichtige Verschleierung für kommerziellen Walfang. "Dies ist absolut inakzeptabel und letztendlich ein Schlag ins Gesicht für jeden seriösen Meeresforscher", sagte er. "Damit zeigt Korea ganz unverfroren, dass es mit diesen Plänen dem Beispiel Japans folgen will", erklärte Sandra Altherr, Biologin von Pro Wildlife.

Japan rechtfertigt seinen Walfang seit Jahren mit wissenschaftlichen Zwecken. Zu Beginn der Tagung in Panama hatte Japan gemeinsam mit anderen Fangnationen die Einrichtung eines Walschutzgebietes im Südatlantik durch die IWC verhindert. Auf dem jährlichen Treffen der IWC in Panama-Stadt stimmte am Montag ein Drittel der stimmberechtigten Mitgliedstaaten gegen den Vorschlag, die Jagd auf Wale im südlichen Atlantik zu verbieten. Damit verfehlte die Initiative das nötige Quorum von 75 Prozent Zustimmung.

Japan lehnt Schutzzone strikt ab

Für die Schutzzone stimmten 38 Länder, dagegen 21. Zwei Staaten enthielten sich. Jose Truda Palazzo von der brasilianischen NGO Catacean Conservation Center warf Tokio vor, das Abstimmungsverhalten einiger Staaten durch Hilfsleistungen beeinflusst zu haben. "Es ist schwer vorstellbar, dass Nauru oder Tuvalu sich für das Schutzgebiet interessieren oder sich damit befasst haben. Sie stimmen dagegen, weil Japan sie dazu beauftragt."

Palazzo hatte in seiner Zeit als Brasiliens Repräsentant bei der Walfangkommission den Vorschlag für ein Schutzgebiet im Südatlantik mit eingebracht. Mit-Einbringer waren Argentinien, Südafrika und Uruguay.

Die IWC hatte 1986 ein Moratorium für den kommerziellen Walfang in Kraft gesetzt. Japan nutzt allerdings die darin enthaltene Möglichkeit, jedes Jahr hunderte Meeressäuger offiziell zu Forschungszwecken zu töten - verhehlt aber nicht, dass das Walfleisch verzehrt wird. Nach Auffassung des Landes handelt es sich beim Walfang um eine jahrhundertealte Tradition, die nicht verloren gehen dürfe.

Japans strikte Ablehnung einer Schutzzone im Südatlantik und damit in einer Region, in der ohnehin schon lange keine Wale mehr gejagt werden, gilt als Zeichen anhaltender Spannungen in der Walfangkommission. Der japanische Vizeminister für Fischerei, Takahiro Sasaki, sagte in Panama-Stadt: "Die Spaltung zwischen Ländern mit einem kulturellen Interesse am Walfang und Ländern ohne diesen Bedarf rüttelt an der Substanz der Internationalen Walfangkommission." Diese hält derzeit in Panama-Stadt ihr jährliches Treffen ab.

kave/DPA/AFP / DPA