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Missbrauchsprozess: Anwalt von Marco W. legt Mandat nieder

Mit der Ankündigung, seine Version der Geschichte in einem Buch zu erzählen, hat Marco W. einen seiner beiden deutschen Verteidiger verprellt. Der Anwalt will sein Mandat niederlegen. Mit dem Erscheinen des Buches während des laufenden Verfahrens sehe er keine Möglichkeit mehr, Schaden von Marco abzuwenden.

Die Ankündigung eines Buches über die Zeit der Untersuchungshaft hat für den wegen sexuellen Missbrauchs in der Türkei angeklagten Marco W. Konsequenzen. Einer seiner zwei deutschen Anwälte will sein Mandat niederlegen. "Ich habe stets versucht, Schaden von Marco abzuwenden", sagte Matthias Waldraff der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". Mit dem Erscheinen des Buches noch während des laufendes Verfahrens sehe er keine Möglichkeit mehr, in diesem Sinne zu wirken und werde deshalb seine Tätigkeit beenden. "Ich habe diese Entscheidung für mich getroffen", bestätigte Waldraff der dpa. Ob Michael Nagel, Marcos zweiter Verteidiger aus Hannover, und auch die Verteidiger in Istanbul ihr Mandat niederlegen werden, stand noch nicht fest.

Die Verteidiger hätten zwar gewusst, dass das 18-Jährige aus Uelzen an einem Buch arbeite, nicht aber, dass das Buch bereits am 9. Dezember erscheinen soll. "Meine Überzeugung war es vom ersten Tag an, alles zu tun, damit die Aufgeregtheit eingestellt wird", sagte Waldraff.

Marco war am 12. April 2007 in seinem türkischen Urlaubshotel festgenommen worden. Ihm wurde vorgeworfen, die damals 13-jährige Charlotte aus England sexuell missbraucht zu haben. Marco hat die Vorwürfe stets bestritten und von einvernehmlichen Zärtlichkeiten nach einem Kennenlernen in der Disco gesprochen. Der Prozess wurde am Mittwoch auf den 10. April 2009 vertagt.

Marco W. hatte am Mittwoch in einer E-Mail über Alpträume und ständige Anspannung wegen des schwebenden Verfahrens geklagt. Der junge Mann aus Uelzen kündigte in der Mail auch das Buch über seinen Leidensweg in türkischer Haft an. Marco W. war kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres aus türkischer Untersuchungshaft entlassen worden. "Ich bin unschuldig. Ich habe ein reines Herz. Mir bleibt nur der Weg mit meiner Geschichte um mein Ansehen zu kämpfen", erklärte er. "Nun reicht es mir. Lange genug habe ich geschwiegen."

Um seinem leukämiekranken Vater zu helfen, rief Marco die Menschen dazu auf, sich in die Knochenmarkspenderdatei aufnehmen zu lassen, damit auch für seinen Vater möglicherweise noch rechtzeitig ein passender Spender gefunden werden könne.

DPA / DPA