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Ölpest im Golf von Mexiko: BP stülpt Glocke über abgesägtes Ölrohr

Man muss ja mittlerweile vorsichtig sein, mit solchen Botschaften, doch BP ist im Kampf gegen die Ölpest offenbar ein Erfolg geglückt: Unterwasserroboter haben eine Absaugglocke über das abgesägte Steigrohr gestülpt. US-Präsident Obama machte derweil seinem Ärger über die Katastrophe Luft.

Im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko ist BP ein wichtiger Teilerfolg geglückt. Nachdem der Energiekonzern ein beschädigtes Steigrohr an dem offenen Bohrloch kappen konnte, gelang es in der Nacht auf Freitag, mit Unterwasser-Robotern eine Absaugglocke über dem Leck in rund 1500 Meter Tiefe zu platzieren. Sie soll das Abpumpen eines Großteils des ausströmenden Öls ermöglichen. Video-Bilder von der Unglücksstelle zeigten, wie die Glocke auf das ausgefranste Ende der Steigleitung gesetzt wurde. Auf den Bildern traten Gas und Öl weiter in großen Mengen aus der Leitung aus, ob die trichterartige Kappe richtig sitzt, ist daher noch unklar.

Die US-Küstenwache sprach von einem weiteren Fortschritt. Es werde aber noch einige Zeit dauern, bis man beurteilen könne, ob die Operation "Top Cap" funktioniere und in welchem Umfang damit der Ölausfluss eingedämmt werden könne. Es könne sich dabei aber nur um eine notdürftige Reparatur handeln. Die Arbeiten, das Leck vollständig abzudichten, müssten weiter mit aller Kraft vorangetrieben werden. BP hatte zuvor erklärt, ein vollständig abgedichteter Öl-Absaugtrichter könnte bis Ende des Monats installiert werden. Bisher waren diverse Anläufe gescheitert, die schwerste Ölkatastrophe in der US-Geschichte in den Griff zu bekommen.

"Ich würde gern die ganze Zeit Leute anschreien"

US-Präsident Barack Obama machte unterdessen seinen Gefühlen in Bezug auf die Ölkatastrophe Luft. "Ich bin über diese ganze Situation wütend. Hier hat jemand die Konsequenzen seines Handels nicht zu Ende gedacht", sagte Obama in der CNN-Talkshow "Larry King live". "Ich würde gern die ganze Zeit meinem Ärger Luft machen und Leute anschreien, aber das ist nicht meine Aufgabe - meine Aufgabe ist es, das Problem zu lösen." Obama reist im Laufe des Tages erneut in das Krisengebiet, um sich über die Lage zu unterrichten.

Über sechs Wochen nach dem Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" präsentierte die US-Regierung BP am Donnerstag eine erste Rechnung für die Hilfe staatlicher Stellen im Kampf gegen die Ölpest. Sie beläuft sich auf 69 Millionen Dollar. Es wird allerdings nicht die letzte Rechnung sein. Obama hat angekündigt, er werde das Unternehmen für alle Kosten in Zusammenhang mit der Ölpest heranziehen.

Öl könnte sogar Europa erreichen

Der Ölteppich reicht inzwischen bis vor die Küste von Florida. Computerberechnungen zufolge könnten Meeresströmungen das im Golf von Mexiko ausgetretene Öl an die US-Ostküste und sogar über den Atlantik und bis nach Europa treiben. Anfang Juli könne das Öl die US-Ostküste erreicht haben, erklärte das Nationale Zentrum für Atmosphärenforschung der USA. Einschränkend hieß es, dies seien nur Computermodelle und keine konkreten Vorhersagen. Ein Experte von der Universität Kiel erklärte, wenn das Öl Europa erreichen sollte, dann sei es wahrscheinlich nicht mehr dick genug, um noch Schaden anrichten zu können.

Nach Einschätzung von BP wird der Kampf gegen die Ölpest noch lange dauern. "Wir müssen zugeben, dass dies erst der Anfang ist", sagte Konzernchef Tony Hayward. "BP wird für eine sehr lange Zeit hierbleiben." Zum Stillstand gebracht werden kann der Ölfluss laut BP erst im August, wenn zwei Parallelbohrungen zum Grund der Quelle vier Kilometer unter dem Meeresboden abgeschlossen sind.

mad/DPA/AP/AFP/Reuters / AP / DPA / Reuters