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Organspendeskandal: Schwere Vorwürfe gegen Münchner Klinik-Chef

Der Organspendeskandal am Münchner Klinikum zieht immer weitere Kreise. Nun steht der Klinik-Chef in der Kritik - die Bundesärtzekammer wirft ihm vor, zu wenig Aufklärungsarbeit geleistet zu haben.

Im Zusammenhang mit dem Organspendeskandal am Münchner Klinikum rechts der Isar hat die Bundesärztekammer einem Bericht zufolge schwere Vorwürfe gegen den ärztlichen Direktor erhoben. Der Klinik-Chef habe die Manipulationen nicht wirklich aufklären wollen, zitierte die "Süddeutsche Zeitung" aus einem Bericht der Prüfungs- und Überwachungskommission (PÜK) der Bundesärztekammer. Vielmehr sollten "weitere Untersuchungen gerade nicht stattfinden", hieß es weiter.

Der Klinikdirektor wies die Vorwürfe laut Bericht zurück. Er habe "stets die erforderlichen Schritte nach dem jeweiligen Erkenntnisstand ergriffen", erklärte er der Zeitung. Im vergangenen September war bekannt geworden, dass es an dem Münchner Klinikum Unregelmäßigkeiten bei Lebertransplantationen gegeben hat. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Laut "SZ" haben die Prüfer der Bundesärztekammer alle Lebertransplantationen des Klinikums aus den Jahren 2008 bis Mitte 2012 untersucht. Dabei stießen sie auf 36 Verstöße gegen die Richtlinien. Allein in zehn Fällen soll eine neue Leber an Alkoholiker vergeben worden sein, die noch nicht die erforderlichen sechs Monate abstinent waren. Zudem sollen 13 Patienten mit Leberkrebs ein Spenderorgan erhalten haben, obwohl sie keinen Anspruch darauf hatten. Andere Patienten an anderen Kliniken seien dafür leer ausgegangen.

Prüfungsergebnisse im Juni erwartet

Die Kommission geht laut "SZ" in ihrem Bericht auch "von bewussten Falschmeldungen" an die Organ-Vermittlungsstelle Eurotransplant aus. So seien unter anderem in zwei Fällen Dialysen erfunden worden, um die Patienten auf dem Papier kränker zu machen, als sie in Wirklichkeit waren. Dadurch sollen sie schneller an eine Spenderleber gelangt sein.

Die Bundesärztekammer (BÄK) wollte die Vorwürfe zunächst nicht bestätigen. Sie verwies darauf, dass bislang noch kein endgültiger Abschlussbericht der Kommission vorliege. Über die Prüfergebnisse solle im Juni informiert werden, erklärte ein Sprecher.

Die Unregelmäßigkeiten am Münchner Klinikum waren im Zuge von Überprüfungen nach dem Organspendeskandal am Uniklinikum Göttingen aufgedeckt worden. Auch an den Unikliniken in Regensburg und Leipzig gibt es Manipulationsvorwürfe im Zusammenhang mit Lebertransplantationen. Dies hatte zu einem dramatischen Einbruch der Spendenbereitschaft in Deutschland geführt. Seit September kontrolliert die unabhängige Prüf- und Überwachungskommission alle 25 Lebertransplantationsprogramme in Deutschland. Später sollen auch die Herz- und Nierenprogramme folgen.

fle/AFP / AFP