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Otto von Habsburg bestattet: Irgendwie doch ein Kaiserbegräbnis

Er hat in Wien nie regiert und wurde doch verabschiedet wie ein Kaiser: Österreich zeigte sich bei der Trauerfeier für Otto von Habsburg von seiner nostalgischen Seite. Touristen freuten sich über das Spektakel.

Die sterblichen Überreste des vor knapp zwei Wochen im Alter von 98 Jahren verstorbenen Politikers wurden am Samstagabend in der Kapuzinergruft beigesetzt. Der älteste Sohn des letzten Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn ruht damit nach einem Leben im Exil in der Grabstätte seiner Familie.

Begleitet von einem Trauerzug aus 3500 Teilnehmern in historischen Trachten und Uniformen wurde der Sarg vom Stephansdom in die Kapuzinergruft gebracht, wo die meisten früheren österreichischen Kaiser bestattet sind. Der Zug führte über eine ein Kilometer lange Strecke durch das historische Zentrum Wiens und kam auch an der Hofburg vorbei, dem ehemaligen Kaiserschloss. Nach Polizeiangaben verfolgten rund 10.000 Schaulustige den Trauerzug.

Zuvor hatte der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn als Vertreter von Papst Benedikt XVI. die Totenmesse im Stephansdom gehalten. An dem Gottesdienst nahmen auch Vertreter des europäischen Hochadels teil, darunter Schwedens König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia, Großherzog Henri von Luxemburg sowie die früheren Könige von Bulgarien, Simeon II., und Rumänien, Michel I.

Schönborn würdigte nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA das "Lebenswerk" von Otto von Habsburg, der ein "Friedensstifter" gewesen sei. Er habe "nicht der Vergangenheit nachgetrauert", sondern "vorgelebt, wie wir unverkrampft aus dem Gestern für das Morgen schöpfen können". Der Kaisersohn habe versucht, das "Unglück des Ersten Weltkriegs wiedergutzumachen".

Otto von Habsburg habe dem "Friedensprojekt Europa gedient", sagte Schönborn. Der Präsident des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek, der ebenfalls zur Trauerfeier nach Wien gereist war, würdigte den Verstorbenen gegenüber der Nachrichtenagentur APA als "engagierten Europäer". Otto von Habsburg hatte von 1979 bis 1999 für die CSU im EU-Parlament gesessen und sich sein Leben lang für die europäische Einigung eingesetzt.

Überzeugter Gegner der Nationalsozialisten

Habsburg war am 20. November 1912 in Reichenau geboren worden. Nach der Absetzung seines Vaters Karl I. am Ende des Ersten Weltkriegs wuchs er in Spanien und Belgien auf. Während des Zweiten Weltkriegs lebte der überzeugte Nazi-Gegner in den USA, doch kehrte er nach dem Krieg nach Europa zurück und ließ sich 1954 in Pöcking am Starnberger See nieder. Dort lebte der Politiker bis zu seinem Tod. Der Sarg war zunächst in Pöcking, in München und in der österreichischen Basilika Mariazell aufgebahrt worden, bevor er schließlich nach Wien kam.

Die Beisetzung in der Kapuzinergruft fand im engsten Familienkreis statt. An Habsburgs Seite wurde seine Frau bestattet, die im vergangenen Jahr gestorbene Prinzessin Regina von Sachsen-Meiningen. Das Herz Otto von Habsburgs sollte am Sonntagabend im ungarischen Kloster Pannonhalma beigesetzt werden.

Einige österreichische Politiker und Historiker kritisierten die große Ehre, welche die Republik dem Nachkommen des Kaisers zuteil werden ließ, sowie das hohe Aufgebot von Sicherheitskräften. Rund 400 Polizisten waren am Samstag im Einsatz, am Trauerzug nahm eine Einheit der Armee teil. Eine kleine Demonstration der sozialistischen Linkspartei, die gegen "Geschichtsfälschung und den Trauerzug" demonstrierte, verlief laut APA friedlich.

Irmgard Rieger, DPA / DPA