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Otto von Habsburg ist tot "Ein großer Europäer"


Sein Name steht für die vergangene Monarchie von Österreich und Ungarn, sein Leben widmete er Europa: Otto von Habsburg ist im Alter von 98 Jahren in Pöcking gestorben.

Otto von Habsburg war der älteste Sohn des letzten regierenden Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn, aber vor allem 20 Jahre CSU-Abgeordneter im Europaparlament und unermüdlicher Streiter für die europäische Einigung. Am Montagmorgen starb er in seinem als "Villa Austria" bezeichneten Haus in Pöcking am Starnberger See im Alter von 98 Jahren. Gewürdigt wurde der in Österreich geborene Kaisersohn, der seit mehr als einem halben Jahrhundert in Bayern lebte, nach seinem Tod im In- und Ausland als "großer Europäer".

In Reichenau in Niederösterreich kam Otto von Habsburg am 20. November 1912 als Sohn von Erzherzog Karl, dem späteren österreichischen Kaiser und ungarischen König, und Erzherzogin Zita, einer geborenen Prinzessin von Bourbon-Parma, zur Welt. Als die österreichisch-ungarische Monarchie mit dem Ende des Ersten Weltkriegs unterging, musste die Familie ins Exil gehen. Kaiser Karl I. starb 1922 auf der portugiesischen Insel Madeira.

Otto von Habsburg wuchs danach in Spanien und Belgien auf. Er studierte im belgischen Löwen Politikwissenschaft und promovierte zum Doktor. Er war ein Gegner Adolf Hitlers und kämpfte gegen den sogenannten Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Im Februar 1938 bot er in einen berühmt gewordenen Brief dem damaligen österreichischen Kanzler Kurt Schuschnigg an, im Kampf gegen die Nazis die Kanzlerschaft zu übernehmen. Während des Zweiten Weltkriegs ging von Habsburg ins Exil in den USA.

Nach dem Krieg kehrte er nach Europa zurück und lebte zunächst in Paris, Portugal und Spanien, bevor er 1954 in Pöcking am Starnberger See eine neue Heimat fand. Zuvor hatte er Prinzessin Regina von Sachsen-Meiningen geheiratet, die Anfang vergangenen Jahres starb. Das Paar hatte sieben Kinder, 22 Enkelkinder und zwei Urenkel.

Für die europäische Einigung setzte sich von Habsburg unter anderem als langjähriger Präsident der Paneuropa-Union ein, der nach eigenen Angaben ältesten europäischen Einigungsbewegung. Der Präsident der Paneuropa-Union Deutschland, der CSU-Abgeordnete Bernd Posselt, nannte von Habsburg den "letzten großen Baumeister der Europäischen Einigung aus der Pionier-Generation." Dieser habe gegen Nationalsozialismus und Kommunismus gekämpft, die politische Einigung Europas vorangetrieben und entscheidend dazu beigetragen, "den Eisernen Vorhang niederzureißen."

Von 1979 bis 1999 saß von Habsburg, der neben der österreichischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft erworben hatte, für die CSU im Europaparlament. In diese Zeit fiel auch der Zusammenbruch des Ostblocks 1989. Von Habsburg gehörte damals zu den Mitinitiatoren des Paneuropäischen Picknicks nahe der Kleinstadt Sopron im Westen Ungarns, bei dem 600 damalige DDR-Bürger aus Ungarn nach Deutschland flüchteten. Das als Friedensdemonstration gedachte Picknick markierte einen Meilenstein auf dem Weg zur deutschen Einheit. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Europaparlament mischte sich von Habsburg, der auch zahlreiche Bücher veröffentlichte, weiter in die Politik ein.

Sein Wirken vor allem für Europa würdigten nach seinem Tod Politiker aus dem In- und Ausland. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso nannte ihn einen "großen Europäer", der dem europäischen Einigungswerk zeit seines reichen Lebens wichtige Impulse verliehen habe. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) erklärte: "Er wird unvergessen bleiben als Anwalt Europas, als Verteidiger der Freiheit und Bewahrer des Glaubens und unserer Werte."

Carsten Hauptmeier, AFP AFP

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