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Pakistan: Mutmaßlicher deutscher Islamist festgenommen

Im Grenzgebiet zur Al-Kaida-Hochburg Nord-Waziristan haben pakistanische Sicherheitskräfte offenbar einen deutschen Islamisten festgenommen. Der Mann hatte sich unter einer Burka verborgen und als Frau ausgeben. Laut einem Medienbericht soll es sich um einen gesuchten "Gefährder" aus Hamburg handeln.

In Pakistan ist offenbar ein deutscher Islamist festgenommen worden. Der Mann sei in eine Burka gekleidet und mit zwei weiteren Männern und einem Mädchen in einem Auto unterwegs gewesen, sagte ein Polizeisprecher in der Stadt Bannu am Dienstag. Die Gruppe sei am Montag an einem Kontrollposten an der Grenze zwischen der Islamisten-Hochburg Nord-Waziristan und Bannu aufgegriffen worden. Die pakistanischen Taliban bezeichneten den Deutschen als einen ihrer Kämpfer.

"Er ist unser Kamerad", sagte ein Taliban-Sprecher. "Wir haben viele Deutsche dort, die sich am Dschihad beteiligen. Das sollte niemanden überraschen." In pakistanischen Geheimdienstkreisen hieß es, der Mann sei vergangenes Jahr über den Iran eingereist und habe in Kontakt mit Extremisten gestanden. Im Verhör habe er angegeben, er habe sich der deutschen Botschaft in Islamabad stellen wollen. Die pakistanische Zeitung "Dawn" bezeichnete ihn als mutmaßlichen Experten im Bau von Sprengstoffwesten für Selbstmordanschläge.

Der Polizeisprecher gab das Alter des Festgenommenen mit Mitte 20 an. Auch einer der anderen Männer habe einen Vollschleier getragen. "Sie hatten ein Mädchen dabei, um sich als Familie von Stammesangehörigen auszugeben", sagte er.

Stammt der Festgenommene aus Hamburg?

Deutsche Behörden halten ihn laut einem Bericht von "Spiegel online" für den 25-jährigen Hamburger Rami M., gegen den wegen Terrorverdachts ermittelt wird. Das Auswärtige Amt erklärte am Dienstag in Berlin, die deutsche Botschaft habe sich in den Fall eingeschaltet und stehe in Kontakt mit den pakistanischen Behörden. Gemeinsames Ziel sei, die Identität des Mannes aufzuklären. Dazu lägen aber noch "keine gesicherten Informationen vor", erklärte ein Sprecher.

Der 25-jährige Deutsch-Syrer war dem Bericht zufolge im März 2009 nach Pakistan gereist. Seitdem stuft ihn die Polizei als "Gefährder" ein und warnt, er sei womöglich bewaffnet. Bereits vor seiner Abreise habe M. als Kopf einer Hamburger Gruppe radikaler Islamisten gegolten. Inzwischen ermittele die Bundesanwaltschaft gegen ihn wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung.

Grenzgebiet ist Hochburg der Taliban

Das an der Grenze zu Afghanistan gelegene Nord-Waziristan ist eine Hochburg der islamistischen Taliban und der Extremistenorganisation al Kaida. In dem Grenzgebiet werden Ausbildungslager von Extremistengruppen vermutet, in denen sich nach Erkenntnissen deutscher Sicherheitsbehörden wohl auch Islamisten aus Deutschland haben ausbilden lassen. Im vergangenen Jahr hätten die Reisebewegungen aus dem einschlägigen Personenkreis in Richtung Pakistan zugenommen, hieß es im Verfassungsschutzbericht 2009, der am Montag vorgestellt wurde.

Demnach halten sich Islamisten aus Deutschland vor allen im Ausbildungslagern der Islamischen Dschihad-Union (IJU) und der Islamischen Bewegung Usbekistan auf. Der IJU wurde auch der vermutlich Ende April bei einem Gefecht in Pakistan getötete Eric Breininger zugerechnet, der Deutschland mehrfach in Videos mit Anschlägen gedroht hatte und vom Bundeskriminalamt jahrelang mit Haftbefehl gesucht wurde. Die deutschen Sicherheitsbehörden haben laut Verfassungsschutzbericht Hinweise, dass seit Anfang der 90er Jahre insgesamt rund 200 Deutsche oder zuvor in Deutschland lebende Ausländer eine paramilitärische Ausbildung durchlaufen hätten oder dies planten. In 65 dieser Fälle gebe es konkrete Hinweise auf eine solche Ausbildung.

Reuters/APN / Reuters