Rechtschreib-Streit Verlässlichkeit statt Volksabstimmung


Doris Ahnen, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, will keine Volksabstimmung über die Rechtschreibreform. Ahnen sagte, die Mehrzahl der Bürger hätten "ganz andere Sorgen".

Die SPD-Politikerin Ahnen "Zur guten Demokratie gehört auch Verlässlichkeit. Wir können nicht alle drei Tage die Pferde wechseln", sagte die rheinland-pfälzische Kultusministerin. Der Chefredakteur der "Bild am Sonntag", Claus Strunz, hatte sich in der Sendung für eine Volksabstimmung in der Frage ausgesprochen.

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Jürgen Rüttgers verwies auf eine Volksinitiative in Schleswig-Holstein, die eine große Mehrheit gegen die Rechtschreibreform hatte. "Die Politik hat dann entschieden, das interessiert uns nicht und wir machen weiter", erklärte Rüttgers in der Sendung weiter.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) will sich am 14. und 15. Oktober abermals mit der Rechtschreibung befassen, eine Woche zuvor tagen die Ministerpräsidenten. Die KMK hatte beschlossen, dass nach sechs Jahren Übergangszeit die neuen Regeln vom 1. August 2005 in Schulen und Ämtern verbindlich gelten. Eine Rücknahme der Reform würde Einstimmigkeit der Länder erfordern.

Ein Riss quer durch Bundesländer und Medien

Doch in dieser Frage geht ein Riss quer durch Bundesländer und Medien in Deutschland. Rüttgers etwa will im Fall eines Wahlsiegs im bevölkerungsreichsten Bundesland die Rückkehr zu den alten Regeln herbeiführen. Die Mehrheit der Länder lehnt ein Kippen der Reform weiter ab. Bildungsverbände warnen vor einem Chaos bei einer Rücknahme der Reform, Buchverlage befürchten Millionenkosten auch für die Kommunen.

Die Axel Springer AG und der Spiegel-Verlag hatten am Freitag die "schnellstmögliche" Umstellung auf die alten Schreibweisen angekündigt, die "Süddeutsche Zeitung" will folgen. "Die Kultusministerkonferenz ist sichtlich nervös", sagte Christian Schmid, Rechtschreibbeauftragter der Schweizer Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK), die der deutschen KMK entspricht, der Zürcher Zeitung "NZZ am Sonntag". Noch im August wollen laut Schmid die Bildungsbehörden der deutschsprachigen Länder auf Initiative der KMK über die Rechtschreibreform in Wien beraten. Die KMK dementierte diese Darstellung. Es handle sich lediglich um ein seit langem geplantes Fachtreffen auf Beamtenebene.

DPA DPA

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