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Vorwahlen in Frankreich: François Fillon - der Triumph des Anti-Populisten

Der frühere Premierminister François Fillon zieht mit großem Vorsprung in die Stichwahl um die Präsidentschaftskandidatur. Er steht für Bodenständigkeit und Verlässlichkeit. Frankreich zeigt einmal mehr: sie sind nicht die USA.

François Fillon

Der Sieg des 62-jährigen François Fillon bei der Präsidentschaftsvorwahl der Konservativen in frankreich kam unerwartet

Ein Mann der großen Gefühle ist François Fillon wahrlich nicht. Als Ex-Premier am Abend seines größten Triumphs vor die Kameras tritt, wirkt er kontrolliert, seine Dankesrede liest er ab. Seinen Überraschungssieg bei der ersten Runde der Präsidentschaftsvorwahl der Konservativen am Sonntag erklärt er mit einem "Wunsch nach Autorität" nach fünf Jahren politischen Stillstands. Mit dem polternden, provokanten Donald Trump hat Fillon nichts gemein - dafür aber viel mit Angela Merkel, mit der er womöglich künftig Politik machen wird.

Der deutliche Sieg des 62-Jährigen kam für alle unerwartet: Meinungsforscher, Journalisten - und selbst die Anhänger Fillons. Die konservative Zeitung "Le Figaro" spricht von einer "Sturzwelle", die auf die bürgerliche Partei Die Republikaner niedergegangen sei. Das linke Blatt "Libération" sieht gar ein "Wunder". Denn mit seinem Ergebnis von gut 44 Prozent hat Fillon zunächst einmal Ex-Präsident Nicolas Sarkozy deklassiert, der mit rund 20 Prozent aus dem Rennen flog. Ein Akt der Emanzipation für Fillon, der als Premierminister in den Jahren 2007 bis 2012 im Schatten des "Hyperpräsidenten" stand. Sarkozy nannte ihn noch im Vorwahlkampf abschätzig "meinen Mitarbeiter". Wer sich an Helmut Kohls "Mädchen" erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch.

François Fillon verspricht Wählern "neue Hoffnung"

Sarkozy mag gehofft haben, auf der allgegenwärtigen Welle des Populismus noch einmal in den Elysée-Palast reiten zu können. Doch die Franzosen haben wieder einmal bewiesen, dass sie keine Amerikaner sind. Mit haben sie sich für einen Mann entschieden, der vor allem eines ausstrahlt: Bodenständigkeit und Verlässlichkeit. Er selbst formuliert es so: "Seit Monaten ziehe ich meine Ackerfurche, ruhig und ernsthaft."

Er verspricht seinen Wählern "neue Hoffnung" und einen Bruch mit der Politik des ungeliebten Sozialisten François Hollande. Diese wirkt für viele Wähler unentschlossen und willkürlich, gerade angesichts von Massenarbeitslosigkeit und Terrorismus. Frankreich wieder aufrichten, wieder stolz machen, das ist Fillons Slogan. Dabei setzt er auf ein durchweg wirtschaftsliberales Programm: Die 35-Stunden-Woche will er abschaffen, das Rentenalter auf 65 Jahre anheben, die Mehrwertsteuer erhöhen, 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst streichen. Angela Merkel würde dies womöglich "alternativlos" nennen. Schließlich bekommt Frankreich sein überbordendes Haushaltsdefizit seit acht Jahren nicht in den Griff.


Fillon punktet mit Forderung nach Einwanderungsquote

Nicht nur wirtschaftspolitisch ist Fillon radikaler als sein Konkurrent in der am kommenden Sonntag, Ex-Premierminister Alain Juppé. Der 71-jährige Bürgermeister von Bordeaux hat sich als Mann des Ausgleichs und der Mitte präsentiert, während Fillon eine rechtskonservative und katholische Klientel anspricht. Der fünffache Vater Fillon tritt gegen die Homo-Ehe ein. Er kämpft gegen den "islamischen Totalitarismus" - so der Titel eines Buches - und fordert eine Einwanderungsquote. Und er ist fast zehn Jahre jünger als Juppé, der bereits angekündigt hat, nur für eine Amtszeit zur Verfügung zu stehen.

Außenpolitisch steht Fillon für eine Annäherung an Russland und den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Beides wäre im Berliner Kanzleramt derzeit schwer vermittelbar. Aber die Außenpolitik spielt im französischen Wahlkampf keine zentrale Rolle. Die alles entscheidende Frage ist, ob Fillon seinen Triumph am Sonntag wiederholen kann, und wie er bei der Präsidentschaftswahl im Frühjahr gegen die Kandidatin der Front National, Marine Le Pen, abschneiden würde. Im Lager der Rechtsextremen jedenfalls schießt man sich bereits auf Fillon ein. Sein Wirtschaftsprogramm erinnere an Margaret Thatcher und sei schlichtweg "verrückt", heißt es aus dem Lager Le Pens.


amt/AFP