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Wahl in Frankreich: Die vielen Probleme der französischen Präsidentschaftskandidaten

Die Franzosen wählen ihren neuen Präsidenten. Elf Kandidaten treten an, nur vier haben Chancen. Statt politischer Kampagnen erlebt das Land ein absurdes Theater - gegen zwei der wichtigsten Bewerber ermittelt sogar die Justiz.

Marine Le Pen

Marine Le Pen

Marine Le Pen


Der Chefin des rechten Front National wird Scheinbeschäftigung vorgeworfen. Rund 339.000 Euro soll sie für die Bezahlung fiktiver EU-Parlamentsassistenten erhalten haben. Im Dezember 2015 hatte sie zudem über Twitter Bilder von der Enthauptung einer IS-Geisel verbreitet. In diesem Zusammenhang wurde Anfang März ihre Immunität als Europa-Abgeordnete aufgehoben.

Diese Aufhebung ist jedoch unerheblich für die Ermittlungen im Zuge der Scheinbeschäftigung. Am 10. März soll Le Pen darüber Auskunft geben - sie hat allerdings bereits angekündigt, dass sie nicht vor Gericht erscheinen werde. Auf diese Weise kann sie den Ermittlungsprozess verzögern und Zeit gewinnen. Ob die Ermittlungen ihr und ihrer Partei schaden ist fraglich - schließlich sieht sich der Front National ohnehin in vielen Punkten im Konflikt mit dem Staat. Und Marine Le Pen inszeniert sich einmal mehr als Opfer der "Eliten", wer auch immer das eigentlich genau sein soll. Immerhin: Ihre Attacken auf die Gegenkandidaten fallen etwas gemäßigter aus, als man es sonst wohl hätte erwarten dürfen.

François Fillon

François Fillon

François Fillon


Weitaus haariger ist die Lage für François Fillon vom Bündnis der Konservativen, Les Républicains (LR). Auch gegen ihn ermittelt die Justiz wegen Scheinbeschäftigung. Als Parlamentarier soll Fillon seine Ehefrau Penelope und zwei seiner Kinder angestellt und entlohnt haben, obwohl diese überhaupt keine Arbeit erbracht haben sollen. Rund eine Million Euro soll Fillon auf diese Weise veruntreut haben.

Über die zweifelhafte Moral der Politiker wundert sich in Frankreich schon lange kaum noch jemand – sie ist der Grund für den Frust auf die abgehobene "politische Kaste", die völlig entfernt vom Land und den Menschen nur sich selber diene, so das Gefühl vieler Franzosen. Diese Wut trifft die Sozialisten (PS), die mit François Hollande den unbeliebtesten Präsidenten aller Zeiten stellten. Sie trifft die konservativen Republikaner, zu denen auch Ex-Präsident Nicolas Sarkozy gehört, der seinerseits in diverse Korruptionsaffären und Prozesse verwickelt ist. Und nun reiht sich auch François Fillon ein.

Benoît Hamon

Benoît Hamon

Benoît Hamon


Die Sozialisten stellen mit Benoît Hamon einen Kandidaten, der weit links - und weit entfernt von der Politik François Hollandes - steht. Allerdings steht er damit auch weit entfernt von der Mitte und den moderaten Sozialisten. Berühmte Mitglieder der PS, wie zum Beispiel Bertrand Delanoë, ehemals Bürgermeister von Paris, halten nichts von Hamons Programm - und wenden sich Emmanuel Macron zu.

Emmanuel Macron

Emmanuel Macron

Emmanuel Macron


Der ehemalige Sozialist und heute parteilose Kandidat und seine Bewegung "En Marche!" sind die überraschenden Umfrage-Gewinner. Macron punktet mit einem Programm, das keiner Parteiideologie verpflichtet sein soll und inszeniert sich als frischen, undogmatischen Pragmatiker, der die Dinge anpackt. Als Anti-Establishment-Politiker - dabei durchlief auch er genau die Schulen und Institutionen, die in Frankreich wichtig sind, wenn man nach oben will. Bisher scheint das dem 39-Jährigen jedoch nicht zu schaden. Im Gegenteil: Er scheint sogar Nicht-Wähler zu motivieren, vor allem unter den Jüngeren.

Im Moment sieht es so aus, als zögen nach dem 23. April Emmanuel Macron und Marine Le Pen in die Stichwahlen am 7. Mai. Im Jahr 2002 stand dort mit Jean-Marie Le Pen schon einmal ein Kandidat des rechten Front National zu Wahl, damals gegen Jacques Chirac, der diesen Durchgang haushoch gewann.