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Macron ist Frankreichs Präsident Er braucht uns!

Emmanuel Macron ist Präsident von Frankreich
Emmanuel Macron ist Präsident von Frankreich
© picture alliance / abaca
Emmanuel Macrons Triumph stellt Obamas Sieg in den Schatten. Er wird allerdings scheitern, wenn wir ihm nicht helfen. Ein Kommentar von Marc Goergen.

Sein klarer Sieg – heute war er keine Überraschung mehr. Nach und nach hatten sich alle Kontrahenten von Emmanuel Macron selbst demontiert. Der Konservative François Fillon, der erst seine Frau mit Staatsjobs versorgt hatte und daran später nichts Verwerfliches entdecken konnte. Der Sozialist Benoît Hamon, dem Charisma wie auch zündende Ideen abgingen und der den ersten Wahlgang mit desaströsen 6,4 Prozent hinter sich brachte. Der Linke Jean-Luc Mélenchon, der zwar Wortgewalt mitbrachte und damit auch auf den letzten Metern erstaunlich punkten konnte – dessen Programm aber mehr von einem utopischen Wunschkonzert hatte als von umsetzbaren Reformen und Lösungen.

Und schließlich Marine Le Pen – die in der Debatte am Mittwoch gezeigt hatte, welches Wesen sie all die Jahre zu verbergen gesucht hatte: das der skrupellosen Rechtspopulistin.

So wenig Macrons Sieg nun also überrascht, so erstaunlich ist sein Einzug in den Elysée, zieht man den Fokus ein wenig auf. Der Triumph des 39-Jährigen stellt den Erfolg Barack Obamas 2008 in den Schatten. Konnte sich Obama auf die Parteiorganisation der Demokraten verlassen, hatte Macron nach seinem Rücktritt als Wirtschaftsminister nichts mehr, auf das er bauen konnte: Keine Partei. Kein Programm. Keine Patronage. Und – kaum Geld. Sein Siegeszug, sein Aufstieg vom Aussteiger zum Präsidenten innerhalb von nur einem halben Jahr, ist in der Geschichte der westlichen etablierten Demokratien nahezu ohne Beispiel, und das verrückteste daran ist: Er gewann mit einem dezidiert antipopulistischen und proeuropäischen Programm.

Wir müssen Macron eine Chance geben

Großdenker späterer Generation könnten diesen 7. Mai später einmal als einen der Wendepunkte in den Krisenjahren der Europäischen Union definieren – wenn wir Macron helfen, ihm die Chance geben, seine Ideen zu verwirklichen. Wieder und wieder hat der künftige Präsident betont, er wolle Europa gemeinsam mit Deutschland wieder auf die Beine helfen. Manche seiner Forderungen wie die Flexibilisierung der Arbeitszeiten gehen in die Richtung der deutschen Agenda-Reformen, andere, die Idee eines europäischen Finanzministers, der eigene Haushalt für die Eurozone, dürften im schäublesierten Finanzministerium die Warnglocken läuten lassen.

Ohne unser Entgegenkommen aber ist Macron verloren. Nach der Wahl ist für ihn vor der Wahl – der des französischen Parlaments im Juni. Es kann eine Mehrheit zustande bekommen: durch Absprachen mit Konservativen und Sozialisten, durch Umwandlung von En Marche! in eine Partei, und natürlich: durch das Momentum seines Sieges. Er wird allerdings scheitern, wenn deutsche Politiker nun im Stile eines Oberlehrers ein Aufmöbeln des aus ihrer Sicht so trägen Frankreichs sofort und auf der Stelle verlangen. Macron braucht eine Mehrheit, um tatsächlich regieren zu können. Er wird sie verfehlen, wenn in den kommenden Wochen der Eindruck entsteht, man habe es mit einem Büttel Deutschlands zu tun.

Reichen wir Emmanuel Macron die Hand.  Sonst heißt die Alternative spätestens in fünf Jahren – Marine le Pen.


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