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Rio de Janeiro: Das ganz normale Leben in einer Favela

Brasilien bemüht sich, vor der WM soziale Probleme zu kaschieren – besonders in den Favelas. Unsere Autorin hat in einer illegalen Siedlung in Rio gewohnt. Und eine Freundin fürs Leben gefunden.

Von Jessica Wagener

Willkommen in Vidigal." Victoria sitzt hinter einem Schreibtisch, einer improvisierten Rezeption, und grinst mich an. Jeden Tag nach der Schule jobbt die 15-Jährige hier im Hostel ihrer Schwester, weil sie fließend Englisch spricht. Die Ausnahme in Brasilien. Erst recht in einer Favela.

Ich soll hier wegen eines Volunteeringjobs einen Monat lang wohnen und staune bei meine Ankunft. Innerlich über meine unzulängliche Vorstellung eines Elendsviertels, das so elend gar nicht ist; äußerlich über die aquarellbildhafte Aussicht auf die Bucht von Ipanema. "Ach, man gewöhnt sich dran", sagt Victoria und multitaskt managermäßig weiter. "Ich hätte eines Tages gern mein eigenes, kleines Unternehmen. Ich glaube, ich wäre ein ganz guter Boss", verrät mir das Mädchen mit dem strengen Dutt, als wir uns besser kennen. Sie wäre wohl überall auf der Welt ein außergewöhnlicher Teenager, aber hier ist sie eine Exotin. Denn von Karriere träumen die wenigsten Mädchen in den Favelas. "Man ist stigmatisiert, wenn man hier wohnt", sagt die 15-Jährige. "Viele Leute halten mich für arm, aber das stimmt nicht."

Favela ist nämlich nicht gleich Favela, lerne ich. Nicht jede illegale Siedlung ist auch ein Slum. Das von Vidigal fünf Autominuten entfernte Rocinha, mit geschätzten 400.000 Einwohnern eines der größten Elendsviertel Brasiliens, übererfüllt das Klischee. Enge Gassen unter Stromkabelbündeln, knöchelhoher Unrat geteilt von einer flussähnlichen Kloake. "Vidigal ist viel sauberer. Es ist mehr wie ein Dorf", erklärt Victoria. Es gibt hier alles, was es an der Copacabana auch gibt: Strom, Wasser, Internet, Sushi-Läden, Discos, Bars, Boutiquen, Apotheken und Restaurants. Doch selbst in diesem beinahe mittelständischen 30.000-Einwohner-Örtchen haben die Menschen nicht viel Geld, schon gar nicht für Bildung. "Die Schulen hier sind schlecht", sagt Victoria. "Sie unterrichten dich, aber sie lehren dich nichts." Darum steht sie jeden Morgen um 5.30 Uhr auf und fährt mit dem Minibus raus aus Vidigal nach Ipanema zur Schule. Victoria lebt mit ihren Eltern ein paar Straßen oberhalb des Hostels. Ihre Mutter ist Lehrerin, ihr Vater Hotelangestellter. Beide arbeiten in Rios wohlhabender Zona Sul und können die bessere Bildung ihrer Tochter gerade so bezahlen.

Metallisch-muffiger Geruch im Supermarkt

Im Supermarkt boxt mir metallisch-muffiger Geruch in den Bauch. Um Fleischtheke und Obstauslage schwärmen Fliegen. Die Auswahl ist bescheiden, der Preisunterschied zu schicken Ketten im Rest Rios ist dennoch marginal - die Explosion der Lebenshaltungskosten in Brasilien macht eben nicht am Fuße der Favelas Halt. Ich lege ein Wasser und zwei Antarctica-Biere in meinen Plastikkorb, Victoria greift nach Guaraná, dem typisch brasilianischem Energydrink, den ich an der Kasse zu meinen Einkäufen schiebe. Alkohol trinkt sie selten, sie geht auch nicht oft aus. "Ich muss nichts trinken, um Spaß zu haben. Und wenn ich nicht lerne oder arbeite, dann schlafe ich am liebsten."

Ich wohne da, wo sie arbeitet und so verbringen wir viel Zeit miteinander. Als es regnet, lümmele ich auf dem Ecksofa im Gemeinschaftsraum, während Victoria hinter ihrem Schreibtisch sitzt. Auf dem Flachbildschirm schauen wir gemeinsam den zweiten Teil von "Tropa de Elite", ein Film über Gewalt und Korruption in Rio. Themen, die mit Brasiliens Identität verwoben sind wie Sonne und Samba. "Korruption ist unser allergrößtes Problem", schimpft Victoria. Dass Millionen Brasilianer genauso wütend darüber sind, wird ein halbes Jahr später nach ihrer Schimpftirade die ganze Welt erfahren - durch die Proteste während des Confed Cups.

"Wir in den Favelas waren immer Dreck für sie"

Ein weiteres Problem neben dem sozialen Gefälle und der Korruption sind die Drogendealer. Seit die Polizei sie im November 2011 aus Vidigal vertrieben und die Favela befriedet hat, herrscht Ruhe. Dafür sorgt die UPP (Unidade Policía Pacificadora) - Polizisten, die so etwas wie Sozialarbeiter in schusssicheren Westen sein sollen und auf der allgemeinen Unbeliebtheitsskala noch vor Politikern rangieren. Ich sehe sie und ihre Maschinengewehre jeden Tag, überall in Vidigal. Bis Ende 2014 will Rios Verwaltung insgesamt 40 solcher Polizeieinheiten in den Favelas installiert haben. Ob sie nach der WM und den olympischen Spielen bleiben? "Die vielen Polizisten sind teuer und die Regierung hat vorher auch keinen Gedanken an die Favelas verschwendet. Wir in den Favelas waren immer Dreck für sie", sagt Victoria.

Die Favelados sind misstrauisch, der Frieden ist fragil. Victoria: "Einige der Dealer sind abgehauen, einige sind noch da. Ich erkenne sie, sie gehen durch die Straßen oder kaufen Brot für ihre Familien. Aber sie haben nicht mehr ihr früheres Leben und keine Arbeit. Ich meine, welchen Job soll man als Drogendealer denn machen?" Auch ich sehe während meiner Zeit hier mindestens einen von ihnen. Ein Typ mit Dreadlocks, nicht älter als 19 oder 20, eine wulstige Narbe auf seinem nackten Oberkörper. Machtzeichengleich sticht sein schwarzglänzender SUV vor einem Café aus der Reihe alter Fords und Nissans heraus. Wie rissig die Sicherheit in Rios Favelas wirklich ist, soll sich ein halbes Jahr später zeigen - dann wird es in Vidigal wieder vereinzelte Schießereien geben.

Wie unter Fußballfans, nur mit Glitzer

Doch Anfang Februar ist es ruhig, in der Karnevalszeit überschminkt Rio die vielen Probleme grell. Victoria ist Anhängerin der Sambaschule Beija-Flor, ich bin für Mangueira. Es ist ein bisschen so wie Konkurrenz unter Fußballfans, nur mit Glitzer. Zu den Blocos - gigantische Straßenfeste um stundenlang spielende Sambatrommler - kommt sie nicht mit. "Ich kann nicht Samba tanzen. Ehrlich! Was bin ich nur für eine Brasilianerin", sagt Victoria und kichert ausnahmsweise wie der Teenager, der sie ist.

Als ich sie das letzte Mal vor meiner Abreise sehe, nach dem Karneval, sitzt Victoria nicht hinter ihrem Schreibtisch. Sondern neben mir auf der Couch. Wir sind inzwischen so was wie Freundinnen geworden, das kluge Mädchen aus der Favela und ich. Wir reden, auch über die Liebe. "Ein Freund steht nicht auf meiner Prioritätenliste. Aber wenn's passiert, ist das okay für mich", sagt sie und spricht für uns beide. Wir teilen uns süße Pizza mit Schokolade und überblicken die abendliche Bucht von Ipanema. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man sich je daran gewöhnt", sage ich wehmütig und weiß nicht, ob ich die Aussicht oder Abschiede meine. "Ach, man gewöhnt sich an alles." Victoria grinst. "Sogar an Rio."

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.