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Tier-Sterben Die rätselhaften Tode im Zoo von San Salvador

Die traurige Bilanz der letzten Wochen im Nationalen Zoo von El Salvador: Vier tote Tiere. das Nildpferd Gustavito war ein Publikumsmagnet.
Die traurige Bilanz der letzten Wochen im Nationalen Zoo von El Salvador: Vier tote Tiere. das Nildpferd Gustavito war ein Publikumsmagnet.
© picture alliance / AP Photo
Vor einigen Wochen starb Nilpferd Gustavito - angeblich wurde er von Unbekannten totgeprügelt. Doch kurz später werden im selben Zoo auch ein Affenbaby, ein Zebra und ein Puma tot aufgefunden. Was steckt wirklich hinter der mysteriösen Todesserie in San Salvador? 

Wir schreiben die Nacht des 21. April 2017. Es ist dunkel in San Salvador. Niemand bemerkt, wie Unbekannte sich Zugang zum Nationalen Zoo verschaffen. Ihr Ziel: das Gehege von Gustavito. Das Flusspferd ist der Star des Zoos, El Savador liebt ihn. Viele kommen nur in die Hauptstadt, um ihn live zu sehen. Ausgerechnet auf ihn haben die Einbrecher es abgesehen. Sie dringen in sein Gehege ein und attackieren das gigantische Tier. Mit Eispickeln, Steinen und Eisenstangen prügeln sie auf ihn ein, Gustavito versucht sich zu wehren, wird deshalb auch im Maul verletzt.

El Salvador: Ein Land in Schockstarre

So rekonstruieren die Mitarbeiter des Zoos das grausame Verbrechen zumindest. Sechs Tage später tritt ein Sprecher des Kulturministeriums von El Salvador vor die Presse. Was er zu verkünden hat: "Wir bedauern das Land darüber informieren zu müssen, dass am Sonntagabend das Nilpferd Gustavito gestorben ist". Diese Nachricht versetzt die mittelamerikanische Nation in Schockstarre. Die Menschen in El Salvador überrascht eigentlich kein Verbrechen mehr, denn sie leben in einem der Länder mit der höchsten Mordrate weltweit. Bandenkriege beherrschen den Alltag. Jeden Tag werden durchschnittlich 14 Menschen ermordet. Doch der Tod des beliebten Hippopotamus eröffnet neue Dimensionen der Kriminalität.

In den lokalen Medien zeigt sich Zoodirektor Vladan Henriquez schockiert: "Das Nilpferd wurde angegriffen. Wir wissen nicht warum." Unter dem Hashtag #todossomosgustavito (übersetzt: "Wir alle sind Gustavito") überflutet eine Welle der nationalen Anteilnahme die sozialen Netzwerke. Sogar ein Lied wurde für ihn geschrieben und auf Youtube verbreitet. Das Volk trauert - doch Gustavito sollte nicht nicht das einzige Opfer im Zoo von San Salvador bleiben.

Zoo San Salvador: Rätselhafte Todesserie

Was Grund zum Zweifeln liefert: Der Zoo gab an, die Verletzungen erst zwei Tage nach der brutalen Attacke entdeckt zu haben - angeblich, weil Gustavito bis dahin nicht aus seinem Wasserbecken herauskam. So kam jede Hilfe zu spät, er konnte nicht mehr gerettet werden. Wenige Wochen später - der Trubel um den angeblichen Mord an Gustavito ist inzwischen abgeklungen - wird im selben Zoo ein Zebra tot in seinem Gehege aufgefunden. Die Todesursache ist unklar, die offizielle Vermutung: Ein moderates Erdbeben erschreckte das Tier dermaßen, dass es wahrscheinlich gegen einen Metallzaun rannte und sich unglücklich verletzte. So weit, so weit hergeholt.

Die Todesserie geht weiter: Am 24. April stirbt der Puma Soberana, einige Tage nach einer Darm-Operation. Soberana war mit 21 Jahren zwar schon alt für einen Puma, trotzdem scheinen die Umstände verdächtig. Denn in derselben Woche starb auch ein Baby-Affe. Dabei soll es sich um einen Unfall gehandelt habe: Das Junge kletterte auf einen Baum, verlor die Balance, fiel ins Wasser und ertank - so beschrieb der Zoo das Unglück.

Nilpferd Gustavito: Die angebliche Todesursache ist eine Lüge

Doch den Behörden reichte es. Vier tote Tiere in wenigen Wochen, teilweise ohne glaubhafte Erklärung der Todesursache. Jetzt nahmen Ermittler ihre Arbeit auf und haben einen traurigen Verdacht. Demnach hätten die Tiere vielleicht nicht sterben müssen, wenn das Personal sich adäquat um sie gekümmert hätte.Die Obduktion von Gustavitos Körper ergab, dass übermäßige Blutungen in der Lunge die Todesursache waren. Aus den Untersuchungen und Befragungen der Mitarbeitern ging hervor, dass Gustavito bereits seit mindestens 17 Tagen krank war, als er verstarb. Eine brutale Attacke von Unbekannten hat es nie gegeben, glauben die Ermittler. Warum Gustavito wirklich sterben musste: Die Pfleger vernachlässigten das Nilpferd. Der Verdacht liegt nahe, dass auch die anderen toten Tiere nicht durch tragische Unglücke verstarben, sondern der Vernachlässigung durch die Zoo-Mitarbeiter zum Opfer fielen. Die Ermittlungen laufen noch.

Das Kulturministerium von El Salvador kündigte inzwischen an, dass man den Zoo in einen Wildpark umwandeln wolle. In Zukunft sollen keine exotischen großen Tiere mehr importiert werden, sondern ein Park mit heimischen Arten aufgebaut werden. Bleibt zu hoffen, dass diese dann adäquat gepflegt werden, damit in San Salvador nie wieder ein Tier unnötig sterben muss.


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