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Schweinegrippe in Deutschland: Behörden prüfen neue Verdachtsfälle

Die Ausbreitung des Schweinegrippe-Virus in Deutschland hält sich bislang in Grenzen. Die Behörden gehen derzeit acht Verdachtsfällen nach. Gleichwohl kann die Zahl nach Angaben des Robert-Koch-Instituts steigen - auch Todesopfer sind demnach nicht unwahrscheinlich.

Den drei an der Schweinegrippe erkrankten deutschen Mexiko-Rückkehrern geht es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) zunehmend besser. Neue bestätigte Fälle gebe es in Deutschland bislang nicht, sagte Präsident Jörg Hacker am Donnerstag in Berlin. Allerdings gingen die Behörden insgesamt acht Verdachtsfällen nach. Es sei kein Fall darunter, der besonders auffällig sei, betonte Hacker. Alle Personen seien entweder selbst in Mexiko gewesen oder hätten Kontakt zu einer von dort kommenden Person gehabt. Er fügte hinzu: "Es ist durchaus möglich, dass die Zahlen zunehmen." Hacker betonte, für die Allgemeinheit in Deutschland bestehe generell kein Risiko, wohl aber bei einem Kontakt zu erkrankten Personen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte am Dienstagabend die zweithöchste Warnstufe ausgerufen, der zufolge eine weltweite Ausbreitung unmittelbar bevorstehen könnte.

Hacker bezeichnete diesen Schritt als sachgerecht, da es mittlerweile in mehr als einem Land zu einer Ansteckung von Mensch zu Mensch gekommen sei. In Deutschland ändere sich durch die Höherstufung prinzipiell nichts, da die notwendigen Maßnahmen bereits ergriffen seien. Schon Ende vergangener Woche war im RKI ein Lagezentrum eingerichtet worden. Am Donnerstag beriet die Influenza-Kommission.

Gleichwohl stieg die Befürchtung, dass sich weitere Menschen in Deutschland infiziert haben könnten. So könnte der in der Regensburger Uniklinik behandelte Schweinegrippe-Patient die Seuche zuvor im Kreisklinikum Mallersdorf weitergegeben haben. Dabei handelt es sich um eine Krankenschwester und einen ehemaligen Zimmernachbarn des 37-Jährigen, wie die zuständigen Landratsämter mitteilten. Den beiden gehe es gut. Das Untersuchungsergebnis, ob beide sich wirklich infiziert haben, wird spätestens am Freitag erwartet. Insgesamt würden 15 Personen überwacht, die ebenfalls Kontakt zu dem Patienten gehabt hätten. Niemand sonst zeige aber Symptome.

Außerhalb von Mexiko, dem Ursprungsland der Seuche, sind Übertragungen von Mensch zu Mensch bisher eher selten. Die Regierung dort ordnete eine mehrtägige Schließung aller Unternehmen an, um die Verbreitung des Virus' einzudämmen. Die Zahl der Todesfälle stieg den Behörden zufolge dort auf 176.

Wegen der rasanten Ausbreitung sind die EU-Gesundheitsminister in Luxemburg zu einer Krisensitzung zusammengekommen. Ziel des Treffens ist eine Abstimmung über Maßnahmen zur Vermeidung einer Weiterverbreitung der Krankheit sowie über Diagnose- und Behandlungsmethoden. Die französische Regierung fordert einen Stopp aller Flüge aus der Europäischen Union nach Mexiko. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) lehnt dies ab. Die Situation dafür sei im Moment nicht gegeben. Wie das RKI warnte die Ministerin vor Panik. Der neue Erreger lasse sich offenkundig mit normalen Grippemitteln behandeln.

Die EU-Kommission rechnet derweil mit Toten durch die Schweinegrippe auch in Europa. "Es ist nicht die Frage, ob Menschen sterben werden, sondern wie viele", sagte der Generaldirektor für Gesundheit, Robert Madelin. RKI-Präsident Hacker teilt die Einschätzung, dass die Schweinegrippe auch in Deutschland zu Todesfällen führen kann. "Man kann es nicht ausschließen." Schon eine Grippewelle, wie sie jedes Jahr über das Land hinweg ziehe, habe 5000 bis 15.000 Todesfälle zur Folge.

Reuters/AP/DPA / AP / DPA / Reuters