HOME

Nachgefragt: "Leichenpuzzle" und Fünffachmörder: Lieferten "Aktenzeichen"-Zuschauer entscheidende Hinweise?

Eine zerstückelte Leiche, ein flüchtiger Fünffachmörder, brutale Banküberfälle – die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" zeigte die Abgründe, mit denen sich Ermittler befassen müssen. Und sie führte zu neuen Hinweisen der Zuschauer. Der stern hat nachgefragt.

Serienkiller Norman Volker Franz, "Aktenzeichen XY"-Moderator Rudi Cerne, ermorderte Maria A.

In der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" suchten Moderator Rudi Cerne (m.) und die Polizei unter anderem nach dem untergetauchten Serienkiller Norman Volker Franz und nach dem Mörder von Maria A.

Rund 5,2 Millionen Zuschauer verzeichnete "Aktenzeichen XY ... ungelöst" am Mittwochabend. Das ist das Pfund, mit dem das ZDF wuchern kann, und das sind die Menschen, von denen sich Ermittler in ganz Deutschland neue Hinweise versprechen. Die schiere Masse der möglichen Tippgeber lässt die Polizei Monat für Monat hoffen, dass irgendjemand irgendwas zur Lösung der Fälle beitragen kann.

In der Vergangenheit klappte dies immer wieder: Von insgesamt 4600 in der Sendung vorgestellten Fällen wurden nach ZDF-Angaben bis Ende 2017 fast 1900 aufgeklärt – eine Erfolgsquote von über 40 Prozent.

Auch zu den jüngst vorgestellten Fällen gingen zahlreiche Hinweise ein (hier finden Sie die komplette Sendung). Der stern hat bei den Ermittlungsbehörden nachgefragt, ob einen Tag nach der Sendung schon die berühmte heiße Spur dabei ist.

"Aktenzeichen XY"-Fall 1: Leichenteile in Hamburg

Im Sommer 2017 wurden in Hamburger Gewässern mehrfach Teile der Leiche einer ermordeten 48-jährigen Prostituierten gefunden. Zu dem grausigen Puzzle rief während der Ausstrahlung der Live-Sendung ein Zuschauer aus Hannover an. "In einigen Fällen wurden die Leichenteile in blaue Müllsäcke verpackt, aufgrund dessen hat uns ein Kripo-Beamter angerufen, der sich an einen Fall aus dem Jahr 2010 erinnern kann", sagte der Ermittler Alfred Hettner am Ende von "Aktenzeichen XY". Auch in diesem Fall ist die Leiche einer Sexarbeiterin zerstückelt und die Teile anschließend in blauen Müllsäcken abgelegt worden. Dieser mutmaßlich neuen Spur seien die Hamburger Mordermittler schon in der Vergangenheit nachgegangen, erklärte eine Polizeisprecherin – bisher jedoch ohne Erfolg. Darüberhinaus seien rund 25 weitere Hinweise nach dem Fernsehaufruf eingegangen, sie sollen jetzt ausgewertet werden. Ob dort am Ende etwas Greifbares herauskommt, sei unklar.

"Aktenzeichen XY"-Fall 2: Flüchtiger Fünffachmörder

Norman Volker Franz ist einer der meistgesuchten Verbrecher Deutschlands. In den 1990er-Jahren ermordete er fünf Menschen und beging zahlreiche Raubüberfälle. Zweimal konnte der heute 48-Jährige aus der Haft entkommen, zuletzt 1999 in Lissabon. Seither ist er untergetaucht. "Uns hat ein Anrufer mitgeteilt, dass er eine Person kennt, die vermutlich noch heute Kontakt zu Norman Franz hat und damit weiß, wo er sich heute aufhält", so Hettner. "Eine vielversprechende Spur", der nachgegangen werde. Darüberhinaus seien rund 30 weitere Hinweise beim Landeskriminalamt eingegangen, deren Qualität jetzt geprüft werde, erklärte ein Sprecher dem stern. Die Zielfahnder suchen auch im Ausland nach Franz.

"Aktenzeichen XY"-Fall 3: Messerstiche in Bremen

Bei einer Messerstecherei im Bremer Szeneviertel Steintor starb im November 2017 ein 20-jähriger Mann, ein 21-Jähriger wurde schwer verletzt. Ein Tatverdächtiger ist inzwischen geschnappt, der Tschetschene Muslim Aliyashanov ist weiter auf der Flucht. Die Polizei sucht mit Bildern aus Überwachungskameras nach dem mutmaßlichen Messerstecher, Spuren führen unter anderem nach Berlin. Ein Fernsehzuschauer will den Mann sogar mehrfach gesehen haben, hieß es in der Sendung. Ob an dem Hinweis jedoch etwas dran sei, können die Ermittler noch nicht beurteilen.

"Aktenzeichen XY"-Fall 4: Banküberfall in Hamburg

Ein Unbekannter überfiel im Januar vergangenen Jahres eine Filiale der Hamburger Sparkasse im Stadtteil Altona und verletzte einen Bankangestellten durch einen Bauchschuss schwer. Der Täter soll auch für einen weiteren Bankraub im Jahr 2011 verantwortlich sein. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord vor. Auch nach ihm wurde in der Sendung mit Aufnahmen aus Überwachungskameras gefahndet, vier Hinweise sind nach der TV-Ausstrahlung des Falles bei den Ermittlern eingegangen.

"Aktenzeichen XY"-Fall 5: Banküberfall in Lüneburg

Mehrere Zeugen beobachteten im Februar 2017 einen Bankräuber bei seiner Flucht mit dem Fahrrad. Der Täter bedrohte mehrere Menschen mit einer Pistole und kam unerkannt davon, vermutlich setzte er sich später in ein Auto. Die Ermittler riefen in der Sendung mit Kameraaufnahmen und einem Vergleichsmodell des Fluchtfahrrads zu Hinweisen auf. "Eine Handvoll sind eingegangen, allerdings sind sie wenig konkret", zog ein Sprecher der Polizeiinspektion Lüneburg ein vorläufiges Fazit.

"Aktenzeichen XY"-Fall 6: Vermisstenfall in Hessen

Vor neun Jahren verschwand in Frankfurt (Main) eine 47-jährige Prostituierte spurlos, vermutlich vor oder nach dem Besuch bei einem Freier. Zuvor setzte sie noch einen Notruf an ihren Mann ab – ihr letztes Lebenszeichen. Die Ermittler erhofften sich von Zuschauern Hinweise auf das Schicksal der Frau, möglicherweise ist sie Opfer eines Verbrechens geworden. Einige Meldungen von Zuschauern zu dem "Cold Case" seien im Verlauf des Abends und der Nacht eingegangen, sagte ein Sprecher der Polizei dem stern. "Die berühmte heiße Spur ist bislang aber offenbar nicht dabei."

"Aktenzeichen XY"-Fall 7: Göhrde-Morde

Zwei grausame Doppelmorde im Staatsforst Göhrde erschütterten 1989 die Republik. Inzwischen geht die Polizei davon aus, dass der Friedhofsgärtner Kurt-Werner Wichmann die vier Menschen umgebracht hat, der Mann ist jedoch 1993 verstorben. Er soll zudem 1989 eine weitere Frau ermordet haben. Die Ermittler wollen herausfinden, ob Wichmann möglicherweise noch für weitere Morde verantwortlich ist und baten daher Zeugen oder frühere Kontaktpersonen des Verdächtigen sich zu melden, um ein umfassendes Profil Wichmanns zu erstellen. Eine Hinweisgeberin nannte der Polizei nach der "Aktenzeichen XY"-Sendung ein Autokennzeichen, dass sie sich vor Jahren notiert und den Beamten schon einmal mitgeteilt hatte, sagte ein Sprecher. Eine entsprechender Ermittlungsvorgang sei angelegt worden. Auch weitere Hinweise von Zuschauern sollen demnach zurzeit verifiziert werden.

"Aktenzeichen XY"-Fall 8: Raubmord in Hessen

Im März 2017 wurde in Wiesbaden eine 90-jährige Frau Opfer eines brutalen Raubüberfalls. Der unbekannte Täter folgte der Seniorin zwei Stunden lang von einer Bank bis nach Hause und griff sie in ihrem Treppenhaus an, um das Portemonnaie und das Sparbuch zu rauben. Am Tag darauf stirbt die Rentnerin an ihren inneren Verletzungen. Die Ermittler zeigten in der Sendung diverse Fotos des Verdächtigen. Insbesondere zu einem 3D-Phantombild des Mannes seien zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, so ein Polizeisprecher zum stern. Ob eine heiße Spur darunter sei, werde zurzeit bewertet.

Beliebtes TV-Format: "Aktenzeichen XY": Zahlen, Fakten, Aufklärungsrate