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Aldo Moro: Heute vor 40 Jahren: Dieses Foto veränderte Italien für immer

Vor 40 Jahren entführt eine linksextreme Terrorgruppe den konservativen Spitzenpolitiker Aldo Moro in Rom. 55 Tage später ist er tot. Juristisch scheint der Fall schnell geklärt. Italien aber leidet noch immer am Trauma.

Aldo Moro von der Partei Democrazia Cristiana war zwei Mal italienischer Ministerpräsident

Aldo Moro ist das Gesicht eines längst vergangenen Italiens. 1916 in einem kleinen Dorf im Süden geboren, prägt er die Geschichte der jungen Republik nach 1945 über Jahre und Jahrzehnte. Moro studiert Rechtswissenschaften und ist später Spitzenpolitiker der Democrazia Cristiana, der mächtigsten und einflussreichsten Partei Italiens bis zum Anfang der 90er. Zwei Mal wird er italienischer Ministerpräsident und somit Regierungschef. Vor genau 40 Jahren - am 16. März 1978 - wird Aldo Moro von der Terrororganisation Brigate Rosse entführt und als Geisel genommen. Für Italien beginnen die längsten 55 Tage seiner Geschichte. Das Warten endet in einem Trauma.

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Mitten im Kalten Krieg sagt ein Mann in Italien, er will mit den Kommunisten reden. Reden und mehr. Aldo Moro will den sogenannten "historischen Kompromiss". Er will, dass Kommunisten und regierende Parteien zusammenarbeiten. "Regierende Partei" war im Italien der Nachkriegsjahre vor allem eine: seine. Aldo Moro war Vorsitzender der konservativen Partei Democrazia Cristiana (DC), mehrfach war er Minister, zwei Mal Ministerpräsident. Am 16. März 1978 will Moro die politische Idee, für die er vehement eintritt, ins Ziel bringen. Eine nationale Regierung mit Unterstützung der Kommunisten, das wäre eine Neuheit. Eine Chance. Ein Affront.

Doch dazu kommt es nicht: Aldo Moro wird an diesem Donnerstagmorgen vor seinem Wohnhaus in der Via Fani in von einem Kommando der linksextremen Brigate Rosse, den roten Brigaden, entführt. Die Wagenkolonne, die Moro ins Parlament bringen sollte, wird mit Schüssen gestoppt, Leibwächter und Chauffeur werden erschossen. Moro selbst bleibt unverletzt und wird verschleppt. Er, der damals einflussreichste Politiker Italiens. 55 Tage später, am 9. Mai 1978, wird in der Via Caetani in Rom ein roter Renault 4 durchsucht. Im Kofferraum: Aldo Moros lebloser Körper.

Verschwörungstheorien um den Fall Aldo Moro

Der Fall Aldo Moro, seine Entführung und Ermordung, ist für das, was der Fall Hanns Martin Schleyer für die Deutschen ist. Das Italien der 1970er war geprägt von wirtschaftlichen Krisen und terroristischen Anschlägen von linker und rechter politischer Seite. Es waren die sogenannten anni di piombo, die bleiernen Jahre. Der Mord an Aldo Moro bildete ihren tragischen Höhepunkt.

Für die Ermittler war der Fall Moro schnell klar. Mehrere Prozesse wurden gegen die Mitglieder der Brigate Rosse, die an der Entführung und Ermordung Moros beteiligt gewesen sein sollen, geführt. Personen wurden verhaftet und teilweise zu langen Gefängnisstrafen verurteilt. Und dennoch: Noch immer ranken sich um den Fall Moros Spekulationen und Zweifel, auch nach 40 Jahren. Warum sollten die linksextremen Brigaden einen Politiker entführen, der sich für eine Annäherung an die Kommunisten einsetzte? Hatte nicht die USA, die CIA viel mehr Interesse daran, Moro aus dem Weg zu räumen? Und warum erwies sich gerade im Fall Moro die Politik als so unnachgiebig hart und lehnte Verhandlungen mit den Entführern konsequent ab? Hatte man wirklich alles unternommen, um Moro frei zu bekommen, um Moro zu retten? Oder: Wollte man ihn loswerden? Noch immer glauben Italiener, dass der Staat ihnen im Fall Aldo Moro nicht die ganze Wahrheit sagen möchte. Der Fall Aldo Moro, 40 Jahre nach der Entführung, in der Bilderstrecke auf stern.

pg
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