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Jahrestag des Dolomiten-Dramas: Ein Kampfjet rast in eine Seilbahn. 20 Menschen sterben. Der Todesflug von Cavalese

Heute vor 20 Jahren schneidet ein US-Kampfjet bei einem rasanten Tiefflug über den Dolomiten Zug- und Tragseil einer Seilbahn durch. Eine Gondel zerschellt. 20 Menschen sterben, darunter sieben Deutsche. Bis heute kennt dieses Drama keinen Schuldigen - nur Freisprüche.

Cavalese, 1998: Die Gondel der Seilbahn wurde komplett zerstört

Cavalese, 1998: Das Seilbahn-Drama überlebte niemand in der Gondel. Sie war 110 Meter in die Tiefe gestürzt, auf dem Schnee zerschellt.

Picture Alliance

Am 3. Februar 1998 schnitten US-Kampfjet-Piloten bei einem Tiefflug über den Dolomiten Zug- und Tragseil einer Seilbahn durch. Eine Gondel rauschte 110 Meter zu Boden, zerschellte. 20 Menschen stürzten in den Tod, darunter sieben Skifahrer aus Sachsen. Der Jet flog mehrere hundert Meter zu tief, mit knapp 1000 km/h, die Piloten hatten den Flug unerlaubterweise privat gefilmt. Die folgende Reportage erschien im stern, am 4. Februar 1999, zum Prozessauftakt in den USA.

Einen Monat nach der Veröffentlichung erging am 3. März 1999 das Urteil: Freispruch für Pilot Richard Ashby. Das Militärgericht befand, er habe sich nicht der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht. Medien titeln "Schande". Ende März 1999 gibt Joseph Schweitzer, der Navigator des Jets, zu, das Videoband des Flugs vernichtet zu haben. Im Mai 1999 verurteilt ihn das Militärgericht in North Carolina Ashby zu sechs Monaten Haft - wegen Justizbehinderung. Ashby und Schweitzer werden unehrenhaft aus der Armee entlassen. Im Oktober wird Ashby wegen guter Führung vorzeitig aus der Haft entlassen.

Im Jahr 2000 stimmen die Angehörigen der Opfer einem Angebot zu: Sie erhalten Schadenersatz in Höhe von jeweils zwei Millionen Dollar und verzichten dafür auf Klagen gegen die USA. Die USA zahlen 75 Prozent der Gesamtsumme von 40 Millionen Dollar, Italien übernimmt 25 Prozent.

Anlässlich des 20. Jahrestages veröffentlicht der stern die Reportage "Easy 01: Der Todesflug von Cavalese" online. Ihr Autor ist Wolfgang Metzner.

Easy 01: Der Todesflug von Cavalese

Am schlimmsten sind die letzten vier Sekunden. Der Gedanke an die Augenblicke, in denen die große gelbe Gondel fast einen Salto machte und dann wie ein Stein nach unten fiel. Haben die drinnen geschrien? Haben sie noch gehofft oder gebetet oder sich umklammert, als sie auf den Talboden zurasten? Oder waren sie bloß starr vor Todesangst wie dieser zwölfjährige Junge, dessen Kopf später mit weit aufgerissenen Augen in dem vereisten Wrack gefunden wurde, als wäre die Panik in seinem Gesicht gefroren?

"Vier Sekunden können lang sein", sagt Marina Renkewitz leise. Immer wieder streicht die 48-jährige Frau mit den schwarzen gelockten Haaren über eine feine goldene Kette, die sie jetzt jeden Tag trägt. Sie gehörte Mandy, ihrer 23-jährigen Tochter. Eigentlich sollte das türkisfarbene "Magische Auge" daran ein Talisman sein, ein Schutzengel, Geschenk von einer Türkeireise. Aber Mandy hatte kein Glück damit. Sie trug die Kette, als sie abstürzte. Neben ihr in der Gondel stand ihr Vater, Uwe Renkewitz, 51 Jahre alt.

Am 3. Februar 1998 starben 20 Menschen, als ein US-Jet in den italienischen Alpen im Tiefflug zwei Seile einer Gondelbahn durchtrennte. An diesem Tag legte sich auch ein Schatten auf Burgstädt bei Chemnitz, denn sieben der Opfer waren aus der 12.700-Einwohner-Stadt in Sachsen. Für die Angehörigen ist die Katastrophe noch ein Jahr später ein Alptraum, der nicht enden will.

Die Hinterbliebenen

Marina Renkewitz, die in einem Fleischbetrieb arbeitet, hat es bis heute nicht geschafft, die Kleidung ihres Mannes aus dem Schrank zu räumen und wegzugeben. Das Strickzeug bleibt liegen, und die Wohnung, die ihr Mann neben der Arbeit in einer Metallfirma gerade neu hergerichtet hatte, ist oft unerträglich still. Nachts hört sie immer wieder Schreie von ihm und von Mandy, und oft findet sie nur Ruhe, wenn sie auf den Friedhof geht und dort laut mit den Toten spricht.

Bärbel Blumenfeld hat es noch nicht einmal gewagt, Fotos von ihrem toten Mann in dem Einfamilienhaus aufzuhängen, das sie gerade mit ihm umgebaut hatte. 29 von ihren 48 Jahren war sie mit ihm verheiratet. Jetzt hat sie Angst vor den Abenden, an denen er nicht mehr aus seinem Malereibetrieb kommt. Und manchmal heult sie schon los, wenn auf der Fahrt zu ihrer Arbeit in einer Reinigungsfirma im Radio ein falsches Lied kommt.

Rita Wunderlich hat die meisten Sachen ihres toten Mannes schnell aus dem Haus gebracht, als sie noch unter starken Tabletten stand. Die 41-Jährige arbeitet von früh bis spät in der Baufirma, in der sie angestellt ist, um sich abzulenken. Aber der Schmerz kommt wie ein Stich wieder, wenn sie zu Hause noch das Werkzeug oder die Tischtennisschläger ihres Mannes sieht. Die Beatles-Oldies, die er so mochte, traut sie sich nicht mehr zu spielen. "Aber ich seh' ihn immer noch in der Küche stehen und lachen, wenn ich versucht hab', mich auf die Zehen zu stellen und ihn zu küssen", sagt sie, während sie sich durch das rötlich gefärbte Bürstenhaar fährt. "Eigentlich haben wir alle bis heute nicht richtig begriffen, was damals passiert ist." 

Ankunft in Cavalese: "Alles stimmte"

Cavalese ist eine uralte italienische Gemeinde im Fleimstal, wo sich 15 Dörfer unter den Zacken der Dolomiten zwischen die Berghänge voller Tannen ducken. Zum vierten Mal war der Skiklub "Grün-Weiß" aus Burgstädt in dieses Skiparadies gefahren. Statt der Hütte in Oberwiesenthal nun das Hotel "Rio Bianco" mit dem Wirtspaar, das zur Ankunft gleich alle umarmte. Braune und gelbe Häuser mit Heiligenbildern, Kirchen mit farbigen Fresken, Kaiserwetter. "Alles stimmte", sagt Rita Wunderlich, "wir waren eine tolle Truppe von 13 Leuten. Und wir hatten uns auf diesen Urlaub so lang gefreut." Die ersten beiden Tage nach der Ankunft liftete die Gruppe auf Bilderbuchpisten bei Predazzo, am 3. Februar kletterte man früh in die Seilbahn, die in Cavalese startete. Erst transportierte die große Gondel die Urlauber fast horizontal über den tiefen Taleinschnitt mit dem Fluß unten, ehe sie am gegenüberliegenden Hang die Mittelstation erreichte. Von da aus ging es hoch zur Alpe Cermis.

Die Frauen konnten kaum mithalten, als die Männer durch den Pulverschnee stoben. "Wir hatten eine Bombenstimmung", sagt Rita Wunderlich, "mittags spielten sie in dem Restaurant oben italienische Schnulzen, wir haben gesungen und getrampelt. Und mein Mann hat sogar getanzt."

US-Pilot Ashby zieht das große Los: Tiefflug über den Alpen

Es ist 12.15 Uhr an diesem Dienstag, als Captain Richard Ashby auf der Militärbasis Aviano noch einmal die Pläne für seinen Flug "Easy 01" durchgeht. Der 31-jährige US-Pilot hat an diesem Tag mit seiner Besatzung das große Los gezogen: Tiefflug-Training über den Alpen, das bei den amerikanischen Fliegern so beliebt ist. Vor sechs Monaten ist seine Staffel "VMAQ-2" aus North Carolina in den italienischen Norden verlegt worden, um für die Nato Einsätze über Bosnien zu fliegen. Die meisten Missionen waren eher langweilig: Routineflüge in großer Höhe, um möglichen Boden-Luft-Raketen auszuweichen. Aber heute wartet ein aufregender Ritt über weiße Kämme, von dem viele Piloten träumen.

Richard Ashby hatte schon immer Flieger werden wollen. Als kleiner Junge war er in Kalifornien oft von seinem Heimatort Mission Viejo durch die Erdbeerfelder zur nahen Militärbasis El Toro geradelt, um Kampfjets beim Start über seinem Kopf zu beobachten. Bei den jährlichen Flugshows saß er auf den Schultern seines Vaters, um dem Röhren der Düsen möglichst nahe zu sein. Jetzt gehört er selbst zu einer Flugstaffel der Marines, die den Spitznamen "Panthers" trägt, und er steuert eine "EA-6B Prowler": einen Anti-Radar-Jet, den die Piloten "Sky Pig" nennen. Die Maschine ist mit Elektronik vollgepackt, um als fliegender Störsender die Abwehr des Gegners zu blenden. Am 3. Februar hat Ashby allerdings auch noch eine private Videokamera an Bord. Obwohl es gegen die Vorschriften verstößt, nehmen die amerikanischen Piloten in Aviano gern Kameras ins Cockpit mit, wenn sie in einen der zehn Tiefflugkorridore tauchen. Das gibt ein First-Class-Souvenir für zu Hause - und Ashby steht kurz vor der Rückverlegung in die Heimat. Vielleicht ist das heute in Italien sein letzter Trainingsflug.

Um 14.35 Uhr rollt Richard Ashby auf die Startbahn. Neben ihm sitzt Navigator Joseph Schweitzer, hinten haben sich zwei Elektronik-Offiziere hinter großen Konsolen angeschnallt. Der Himmel ist strahlend blau und die Sicht gut, als Ashby die Nase der "Prowler" nach oben zieht.

15.10 Uhr: Die gelbe Kabine setzt sich in Bewegung

Zu dieser Zeit muss es gewesen sein, als Mandy Renkewitz oben auf dem Cermis ihre Kamera zückt und ihr letztes Foto schießt. Lachende Gesichter unter gleißender Sonne vor den Dolomiten-Gipfeln. Mit im Bild: Mandys 24-jähriger Verlobter Michael Pötzschke, wie sie selbst beim Landesarbeitsamt Sachsen, der Anlagenfahrer Harald Urban und seine Frau Annelie, die bei der Raiffeisenbank arbeitet und bei "Grün-Weiß" im Vorstand für Stimmung sorgt.

Die sieben besten Skifahrer aus dem Club haben sich von den anderen getrennt, weil sie über eine Olympia-Piste zur Mittelstation wollen, eine Abfahrt, von der sie schon lange geträumt haben.

In der Station "Doss dei Laresi" wartet eine Gondel, in die sich auch fünf Belgier zwischen 24 und 28 Jahren drängen, die ein paar Tage in den Alpen auslüften wollen. Auch der polnische Junge Filip steigt mit seiner Mutter Ewa zu, während sein Vater Peter wegen einer Muskelzerrung schon vorher die Ski abgeschnallt hat und zurück gefahren ist. Gondelführer Marcello Vanzo ist für einen Kollegen eingesprungen, der den Dienst tauschen wollte.

Es ist 15.10 Uhr, als sich die gelbe Kabine in Bewegung setzt, um wieder das Flußtal zu überqueren.

US-Flieger schießt übers Tal: 450 Meter zu tief, 900 km/h schnell

In diesen Sekunden macht sich Richard Ashby bereit, mit seinem "Fliegenden Schwein" in das Fleimstal hinunterzustoßen. Er ist auf dem sechsten und letzten Abschnitt seines Fluges. Zuerst ist er über unberührte Schneefelder bei Cortina d'Ampezzo gestrichen, dann über Flachland mit Dörfern und Burgen, danach über den Gardasee, von wo die Strecke nach Nordosten zum Marmolada-Massiv schwenkt.

Schon im zweiten Abschnitt ist Ashby weit unter der Mindestflughöhe geblieben. 300 Meter über Grund gilt für die Marines-Piloten als Limit, obwohl italienische Vorschriften seit einem Jahr sogar eine Mindesthöhe von 600 Metern verlangen. Aber als die "Prowler" jetzt bei Molina in eine Rechtskurve taucht, drückt Ashby den Knüppel immer weiter vor. Weniger als 200 Meter Höhe hat der Jet, als er am Kirchturm von Castello vorbeiröhrt. Fensterscheiben klirren, als er tiefer als 150 Meter über die enge Talsohle jagt. Mit über 900 Kilometern pro Stunde schießt er auf die Seile der Gondelbahn zu.

Nur zwei kurze Schläge

Es ist wohl nur ein dunkler Schatten, den Ashby plötzlich vor sich wahrnimmt. Im Reflex drückt er die Nase des Jets noch tiefer, um unter dem Hindernis wegzutauchen. Aber da sind zwei kurze Schläge zu hören. 'Climb! Climb! Climb!' ruft einer im Cockpit: 'Steig!' Einer der Elektronik-Offiziere will sich schon mit dem Schleudersitz hinauskatapultieren, doch dann gewinnt die Maschine wieder Höhe.

Es ist 15.15 Uhr, als "Easy 01" in Aviano eine Notlandung anmeldet. Hydraulikflüssigkeit und Treibstoff rinnen aus der "Prowler", die tiefe Scharten im rechten Flügel und Leitwerk hat. Ashby glaubt zu dieser Zeit vielleicht, dass er ein Stromkabel getroffen habe. Aber seine Maschine hat nicht nur das Zugseil der Gondelbahn durchfetzt, sondern auch das über fünf Zentimeter starke Tragseil - mit solcher Gewalt, dass ein tonnenschweres Gegengewicht an der Bahnstation weit in die Luft geschleudert wurde.

Die Kabine ist 110 Meter in die Tiefe gestürzt. Der Aufprall hat sie zusammengedrückt wie eine Schrottpresse ein Auto. Der Schnee rundum färbt sich rot.

"Was ist denn mit Vati?", fragt die Tochter am Telefon

Rita Wunderlich hat kein Flugzeug und keinen Knall gehört. Aber sie kann die zerfetzte Gondel auf einer Wiese liegen sehen, als sie nach 16 Uhr von der Station in Cavalese ins Tal schaut. "Mir wurden die Knie weich", sagt sie, "aber es hieß, dass die nach oben fahrende Bahn abgestürzt sei, nicht die nach unten." Wie die anderen Frauen wartet sie auf den Rest der Gruppe, der noch vom Berg kommen muss, aber sie hat ein schlechtes Gefühl. Mit wachsender Angst starrt sie auf jeden Skibus, der jetzt statt der Bahn die Rückkehrer von der Mittelstation bringt. Um 18 Uhr kommt der letzte Bus. Auch dort sitzt ihr Mann nicht drin.

In einem Chaos von Helikoptergeknatter, drängenden Fernsehteams und italienischen Rufen, die sie nicht versteht, wird sie mit den anderen Frauen ins Hospital gefahren. "Was ist denn mit Vati?" fragt ihre 17-jährige Tochter, die nach den ersten Nachrichten aus Burgstädt anruft.

Rita Wunderlich erfährt es gegen Mitternacht. Sie wird in einen Raum gerufen, in dem gelbe Tüten mit Uhren, Schmuck und Brillen aufgebaut sind. Sie erkennt eine zerbrochene Sonnenbrille, wie sie ihr Mann getragen hat. Leichensack Nummer 20 hat die Größe, die passt. Sehen darf sie nur einen Skischuh, der gespalten und zertrümmert ist. Mehr will man ihr nicht zeigen. Mehrere Passagiere wurden beim Aufprall geköpft.

US-Pilot Ashby schreibt an Mutter: "Brauche dein Gebet"

"Ich brauche deine Gebete", schreibt Richard Ashby in der gleichen Nacht per E-Mail an seine Mutter Carol in Kalifornien, nachdem er sicher in Aviano gelandet ist. "Wir haben nichts falsch gemacht", versichert er, "aber ich habe Angst, dass sie uns zu Sündenböcken machen, weil es ein internationaler Zwischenfall ist." Italienische Staatsanwälte haben sofort das Flugzeug beschlagnahmt, vor amerikanischen Stützpunkten werden US-Banner verbrannt, und Ministerpräsident Romano Prodi droht Clinton in einem Telefonat mit Restriktionen für die US-Streitkräfte.

Schließlich hatten Einwohner von Cavalese und von anderen Gemeinden seit Jahren vor den Tieffliegern gewarnt: Angeblich versuchten diese manchmal sogar, unter den Seilen durchzuschlüpfen. Auch zwei italienische Jets hatten in Nachbartälern schon Gondelseile durchschnitten. "Die Katastrophe war voraussehbar und hätte vermieden werden können", protestiert das Bozner Landesparlament.

Die Amerikaner reagieren schnell. Tiefflüge werden sofort eingestellt. US-Botschafter Thomas Foglietta, der zufällig kurz vorher am Berg Cermis Ski gelaufen ist, kehrt zurück, kniet an der Unfallstelle nieder und bittet um Vergebung im Namen des amerikanischen Volkes. Und auch die Strafverfolgung nehmen die Amerikaner mit Hilfe des Nato-Truppenstatuts in die eigene Hand.

Ein Staffelführer in Aviano wird strafversetzt, nachdem herausgekommen ist, dass die Piloten häufig unter der Mindesthöhe geflogen sind und private Videokameras dabei hatten. Merkwürdig nur, dass das Band, das Ashby im Cockpit hatte, bei der Auswertung bloss noch schwarz ist. Ein weiteres Band, das an Bord gewesen sein soll, taucht gar nicht mehr auf.

Ashby: Fliegen ist eine Kunst. Man muss üben.

Eine amerikanische Militärkommission kommt dennoch zu einem eindeutigen Ergebnis: "Die Besatzung hat ihr Flugzeug aggressiv manövriert", schreiben die hohen Marines-Offiziere in ihrem Untersuchungsbericht, "die Durchtrennung des Kabels war nicht das Ergebnis einer einmaligen Fehleinschätzung der Höhe, da das Flugzeug, wo auch immer das Gelände es erlaubte, tiefer und schneller als genehmigt geflogen ist." Wenn in dieser Woche in den USA der Strafprozess um den Todesflug beginnt, müssen Ashby und sein Navigator Schweitzer mit 200 Jahren Haft wegen unbeabsichtigter Tötung rechnen. Theoretisch jedenfalls. Aber die 14 Geschworenen, die jetzt ausgewählt werden, sind nicht etwa Zivilisten, sondern Offiziere der Marines wie die Angeklagten selbst.

Die Jury tagt in Camp Lejeune in North Carolina, nicht weit von der Cherry Point Air Station, wo die Staffel "VMAQ-2" ihre Heimatbasis hat. Und Ashby hat schon bald nach der Rückkehr in die USA der "Los Angeles Times" versichert: "Ich habe Vertrauen in Gott, und ich habe Vertrauen in das Marine Corps." Nicht ohne Grund: Der Korpsgeist dieser Elitetruppe ist legendär.

Schon in einem Vorverfahren hat der Wasserski- und Surf-Fan aus Kalifornien seine geraden dünnen Lippen bloß zusammengekniffen und mit keiner Regung erkennen lassen, ob ihm die 20 Toten auf der Seele liegen. Die Gondelbahn sei nicht auf seiner Karte gewesen, hat er später erklärt, und von Skigebieten habe er nichts gewusst. "Man versucht, mich als Cowboy oder Rambo darzustellen", beschwerte er sich in einem Interview, "aber für mich ist Fliegen eine Kunst. Wenn man sie nicht übt, ist man nicht mehr so gut." Und schließlich sei er in Europa nicht zum Vergnügen geflogen: "Wir haben nur unseren Job gemacht."

So sehen das auch die Kriegsveteranen, die bereits vor dem Prozess für ihre Kameraden demonstrierten. "Politischer Druck" von ganz oben habe überhaupt nur zu der Anklage geführt, sagt Ashbys Anwalt Frank Spinner, ein früherer AirForce-Offizier, der die B-52-Pilotin Kelly Flinn in einem Militärverfahren wegen Ehebruchs heraushaute. Die Stoßrichtung der Verteidigung hat ein hoher Marines-Offizier schon klar gemacht, der als ein Hauptzeuge aufgerufen werden soll. Bei Testflügen im Simulator fand er heraus, die Piloten würden im Fleimstal Opfer einer "optischen Illusion".

Einen Teilsieg hat die Verteidigung immerhin schon errungen. Die Jury wird nur drei Bilder von der abgestürzten Gondel sehen dürfen, die nicht zu blutig sind, bestimmte der Vorsitzende Lieutenant Colonel Robert Nunley. Mehr würde die Geschworenen nur schocken. Auch Fotos von den Opfern, als sie noch lebten, bekommen die Geschworenen nicht zu Gesicht.

"Mir wäre es am liebsten, wenn ich mit in der Gondel gewesen wär'"

In Burgstädt, wo nach einer Trauerfeier in der überfüllten Stadtkirche noch Wut und Empörung hochschlugen, ist es ruhiger geworden. Die Menschen, zu DDR-Zeiten in Textilbetrieben beschäftigt, die längst dichtgemacht sind, haben andere Sorgen. Sie sprechen über neue Arbeitsplätze, Straßen, Investitionen. Und manche flüstern auch über das Geld, das die Hinterbliebenen jetzt "abkassieren".

100.000 Mark sind bisher aus einem italienischen Katastrophenfonds pro Opfer gezahlt worden. "Aber bei allen betroffenen Familien ist der Haupternährer weg, die Lebensperspektive ist von einem Tag auf den anderen zerstört worden, die Raten für Baukredite laufen weiter", sagt der Burgstädter Rechtsanwalt Jörg Krummel. Für seine Mandanten will er deshalb Schadensersatz und Schmerzensgeld vom amerikanischen Kongress.

Zusammen mit einem US-Anwalt hat er in Washington pro Opfer vier bis fünf Millionen Dollar beantragt - für amerikanische Verhältnisse keine ungewöhnliche Forderung, zumal der Kongress längst 20 Millionen Dollar für eine neue Seilbahn in Cavalese bewilligt hat. "Es kann nicht sein, dass für die Sachschäden schnell Geld da ist, aber nicht für die Opfer", klagte auch Burgstädts Bürgermeister Lothar Naumann, als er sich in Washington für die Hinterbliebenen einsetzte. Aber die Summen, über die da gesprochen wird, vergiften zu Hause manchem den Kopf. "Wir müssten Opa auch mal in die Drahtseilbahn setzen, damit wir Millionär werden": Solche Sprüche sind selbst Naumann schon zugetragen worden. Aufmerksame Augen beobachten, ob sich die Hinterbliebenen ein neues Auto oder neue Kleidung kaufen. Auch über die "lustigen Witwen von Burgstädt" wurde bereits getuschelt, weil man die drei Frauen auf einem Ausflug mal lachen sah.

Das macht sie fast sprachlos. "Von mir aus können sie das ganze verdammte Geld behalten, wenn ich meine Familie wieder hätte", bricht es aus Marina Renkewitz schließlich heraus. "Jeder einzelne Tag dieses Jahres war wie der erste Tag ohne meinen Mann", sagt Rita Wunderlich, "und oft bin ich noch so leer, dass ich nicht mal heulen kann." Bärbel Blumenfeld hat wieder Tränen in den Augen. "Mir wäre es am liebsten", sagt sie langsam, "wenn ich mit in der Gondel gewesen wär'."

Ich brauche dringend Hilfe bei der EM rente
Guten Tag mein Name ist Carsten Langer ich bin 46 Jahre alt und Versuche seit März 2015 die EM Rente zu beckommen meine Ärzte sagen ich kann nicht mehr Gutachten der Kranken Kasse sieht das auch so nur die Gutachter der Rentenkasse Sehens anders war schon vor sozial Gericht 1 Instanz Richterin sagt ich kann nicht am Gutachten vorbei entscheiden ihre Empfehlung ich sollte in die 2 Instanz weil sie meint das ich auch nicht mehr Arbeits fähig bin die 2 Instanz sagt laut Gutachten könnte ich noch arbeiten aber ihre Meinung nach könnte ich auch nicht mehr arbeiten ich sollte doch auf ein Urteil verzichten und ich sollte neu Rente beantragen und der zwischen Zeit wurde ich zur Berufs Findung geschickt die nach sechs Wochen von der Rentenkasse abgebrochen wurde habe auch erfahren das die Rentenkasse mir keine Umschulung mehr zutraut auf den Rat ich sollte noch Mal EM Rente beantragen bin ich in Reha gegangen damit ich auch neue Arzt berichte habe die Reha hat den Aufenthalt von 4 auf drei Wochen verkürzt und mich entlassen als nicht arbeitsfähig für den allgemeinen Arbeits Markt und ich kann keine 3 Stunden arbeiten das hat der Rentenkasse wieder nicht gereicht hatich wieder zum gutachter geschickt der mir 45 Minuten fragen gestellt hat und jetzt heißt es ich kann wieder voll arbeiten auf den allgemeinen Arbeits Markt Meine Erkrankungen sind Ateose in beiden knieen und mehreren Finger Gelenken Verschleiß in beiden Fuß, Hüft, Schulter und elebogen Gelenken dazu Gicht im linken Daumen satel Anhaltende Schmerzstörungen Wiederkehrende Depressionen Übergewicht Hormonstörungen Wirbelsäulenleiden Bandscheibenschädigung Schlaf Atem Störung Schlafstörungen eine ausgeprägte lese und rechtschreib Schwäche Panick Attacken ( Zukunftsangst) Suizidale Gedanken 1 Suite Versuch Laut aus Zügen einiger Befunde Bin ich nicht mehr Stress resistent Darf keinen akort machen keine Schicht Arbeit keine gehobene Verantwortung überaschinem oder Personen tragen usw Aber al das reicht nicht für die EM Rente Mittlerweile bin ich von der Kranken Kasse ausgesteuert das Arbeitsamt hat mich nach 9 Monaten abgemeldet und seit April wäre die Renten Kasse nicht mehr für mich zuständig aber da ein laufendes verfahren ist hmm keine Ahnung Da ich Mal gut verdient habe habe ich eine bu abgeschlossen aber da die über 900 euro mir zählt und das schon fast 3 Jahre habe ich kein Anspruch auf Harz 4 Grundsicherung Wohngeld oder sie Tafel für essen nein ich darf dafon mich noch mit 260€ freiwillig Kranken versichern Deswegen konnte ich meine Wohnung mir nicht mehr leisten und bin auf einen Campingplatz gezogenitlerweil habe ich eine Freundin und wir teilen uns die Wohnung Bitte ich brauche dringend Hilfe mir wird das alles zuviel werde mich parallel zu ihnen auch an den svdk wenden aber vielleicht können sie unterstützend helfen ich weiß echt nicht weiter und meine schlechten Gedanken werden wider sehr stark Mfg