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Nach Massenvergewaltigung: Gegen einen Verdächtigen lag bereist ein Haftbefehl vor - Freiburg erwartet Demos

Nach der Massenvergewaltigung einer 18-Jährigen in Freiburg wollen gleich zwei Gruppen demonstrieren. Inzwischen hat das Innenministerium eingeräumt, dass ein vorheriger Haftbefehl gegen einen Tatverdächtigen nicht vollstreckt worden war.

Vor dem Polizeipräsidium Freiburg fährt ein Polizeiauto vorbei. Das Auto ist wegen seiner Geschwindigkeit unscharf zu sehen

Im Polizeipräsidium Freiburg lag schon vor der Vergewaltigung einer 18-Jährigen ein Haftbefehl gegen einen der jetzigen Verdächtigen

Getty Images

Gegen einen der mutmaßlichen Täter im Freiburger Vergewaltigungsfall lag nach Angaben des Innenministeriums bereits ein Haftbefehl vor. Dieser sollte "aus polizeitaktischen Gründen im Zusammenhang mit einer weiteren strafprozessualen Maßnahme zeitnah vollzogen werden", teilte ein Sprecher in Stuttgart mit. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung berichtet, dass der mutmaßliche Hauptverdächtige bereits mit Haftbefehl gesucht worden sei. Nach Angaben des Ministeriums ist es nicht ungewöhnlich, dass ein Haftbefehl aus ermittlungstaktischen Gründen nicht immer sofort vollzogen wird.

Die Stadt Freiburg erwartet wegen der mutmaßlichen Massenvergewaltigung Demonstrationen mit wahrscheinlich mehreren Hundert Teilnehmern. Die AfD rief zu einer Versammlung am Montagabend auf; mehrere Gruppen planten eine Gegendemonstration und eine Kundgebung, um vor einer Instrumentalisierung des Verbrechens zu warnen.

Bürgermeister appelliert an Demonstranten

Der parteilose Oberbürgermeister Martin Horn rief zur Besonnenheit auf. Er wünsche sich Freiburg als weltoffene und tolerante Stadt. "Ich hoffe, dass die Demonstrationen friedlich bleiben und nicht weitere Gewalt und Hass nach sich ziehen. Es gibt in Freiburg keinen Raum für Straftäter und so furchtbare Straftaten", sagte Horn der Nachrichtenagentur DPA. Aber es gebe auch keinen Raum für Menschen, die solche grausigen Straftaten dann politisch instrumentalisieren.

Nach einem Disco-Besuch soll die Studentin in der Nacht zum 14. Oktober von mehreren Männern vergewaltigt worden sein. Die Polizei nahm acht Männer fest, die jetzt in Untersuchungshaft sitzen. Gegen sieben Syrer im Alter von 19 bis 29 Jahren und einen 25 Jahre alten Deutschen bestehe dringender Tatverdacht. An Spekulationen über mögliche weitere Täter beteilige man sich nicht, sagte eine Sprecherin der Polizei.

Opfer wohl von mehreren Männern vergewaltigt

Das Opfer hatte nach eigenen Angaben in einer Diskothek mit einer Freundin gefeiert und von einem unbekannten Mann ein Getränk erhalten. Gegen Mitternacht habe die Frau den Club mit dem Mann verlassen. Durch eine unbekannte Substanz in dem Getränk sei sie wehrlos gewesen. In einem nahen Gebüsch kam es dann nach Darstellung der Frau zu einem sexuellen Übergriff durch einen der mutmaßlichen Täter. Nach ihm sollen sich auch seine Begleiter an ihr vergangen haben. Die Polizeisprecherin bestätigte, dass im Blut des Opfers berauschende Mittel nachgewiesen werden konnten.

Die Fernsehmoderatorin Dunja Hayali äußerte auf Facebook Anteilnahme und Mitgefühl für die junge Frau. "Bereits auffällige Asylbewerber oder Flüchtlinge werden straffällig, manche tauchen unter, manche radikalisieren sich", schrieb sie. Die Gründe, warum und wie das passiere, seien vielfältig, auch darüber müsse gesprochen und es müsse gehandelt werden. Aber mindestens genauso wichtig sei die Frage: "Was lernen wir daraus, wie reagieren wir, welche Konsequenzen müssen endlich gezogen werden?"

Freiburg und darüber hinaus... Umgehend nach den ersten Nachrichten über die abscheuliche Gruppenvergewaltigung in...

Gepostet von Dunja Hayali am Sonntag, 28. Oktober 2018

Freiburg nicht zum ersten Mal Tatort

Die Verdächtigen sollen den Behörden wegen anderer Straftaten bereits bekannt sein. Die meisten von ihnen lebten in Flüchtlingsunterkünften in und um Freiburg, hieß es.

Die rund 230.000 Einwohner zählende Stadt war schon nach dem Mord an einer Studentin vor rund zwei Jahren in die Schlagzeilen geraten. Deswegen war ein junger Flüchtling festgenommen und im März verurteilt worden.

In Zahlen: Die traurige Realität von sexueller Gewalt in Deutschland
tkr / DPA