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Hartes Urteil in den USA: 50 Jahre Knast für geklaute Schweinerippchen

In Texas hat ein Vorbestrafter ein Stück Fleisch gestohlen. Ein Gericht verdonnerte ihn wegen "fortgesetzter Missachtung" von fremdem Eigentum. Auf eine Bewährungschance muss er lange warten.

Amerikaner lieben Spare Ribs. Weil er beim Diebstahl von Rippchen erwischt wurde, soll ein Mann in Texas ein halbes Jahrhundert ins Gefängnis

Amerikaner lieben Spare Ribs. Weil er beim Diebstahl von Rippchen erwischt wurde, soll ein Mann in Texas ein halbes Jahrhundert ins Gefängnis

Wer in Deutschland Lebensmittel in geringen Mängeln stiehlt, kann auf die Milde des Rechtsstaates setzen. Hierzulande gehen solche Gaunereien als Bagatelldelikte durch. Bei einem ertappten Ersttäter wird das Verfahren grundsätzlich eingestellt, falls der Wert des Diebesgutes unter 30 Euro liegt. Selbst Seriendelinquenten kommen mit geringen Strafen davon. Wie die Rentnerin in Niedersachsen, die für den Diebstahl von Lebensmitteln im Wert von 5,08 Euro einen Monate Haft erhielt, obwohl sie als notorische Wiederholungstäterin schon ein Dutzend ähnliche Streiche auf dem Kerbholz hatte.

Auch die USA sind ein Rechtsstaat. Allerdings legen sie den Begriff in weiten Teilen anders aus. Der Schutz von Eigentum und Leben hat Vorrang vor der Resozialisierung von Straftätern. Daher kennt die US-Justiz kaum oder keine Milde, jedenfalls gemessen an europäischen Maßstäben. Nicht allein die Todesstrafe ist Beleg dafür. Die Amerikaner sind knallhart in Urteilen - auch bei Ersttätern. Wer mehrfach bei krummen Sachen erwischt wird, muss die ganze Härte des Gesetzes fürchten, selbst wenn es sich um relativ harmlose Delikte handelt.

Bedrohung mit einem Messer?

Ein 43-jähriger Texaner kann davon ein Lied singen. Ihn traf der lange Arm des Gesetzes als stählerne Faust. Weil er in einem Lebensmittelmarkt Schweinerippchen (Baby-Back-Ribs) im Wert von 35 Dollar geklaut hat, wurde er zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Gericht in Waco südlich von Dallas stufte ihn als Wiederholungstäter ein. Seine Vorstrafenregister enthält laut "Waco Tribune-Herald" zahlreiche Delikte: Einbruch, Diebstahl, versuchter Raub, schwere Körperverletzung, Besitz von Kokain und Fahrerflucht. Der Zeitung zufolge benötigten die Geschworenen zwei Minuten, ihn des Raubes eines Stücks Fleisches für schuldig zu sprechen, und eine Stunde, das Strafmaß festzusetzen.

Zum Verhängnis wurden dem Texaner nicht nur seine Vorstrafen. Sein Problem war, dass er laut Zeugenaussagen einen Angestellten angeblich mit einem Messer bedroht haben soll, der ihn zur Rede stellte. Dem Mitarbeiter des Ladens fiel eine "riesige Beule" unter dem Hemd des Diebes auf. Der Zeuge erklärte nach Angaben der Zeitung, dass er den 43-Jährigen auf dem Parktplatz des Geschäfts fragte, was er unter der Kleidung verstecke. Daraufhin soll der Beschuldigte erklärt haben: "Ich habe ein Messer." Der Angestellte will erwidert haben: "Du löst gerade ein Ticket in die schwere Kriminalität." Der Ladendieb soll geantwortet haben: "Wenn du mich nicht in Ruhe lässt, werde ich dir zeigen, was ich habe." Danach soll der Mann weggerannt sein.

So tickt Amerika

Die Höchsstrafe für Diebstahl liegt in Deutschland bei fünf Jahren. Bewaffneter Raub wird mit maximal 15 Jahren Gefängnis geahndet. Der amerikanische Fleischräuber muss laut "Waco Tribune-Herald" mindestens ein Viertel seiner 50-jährigen Strafe verbüßen, bevor er 
die Chance auf Bewährung bekommen kann. Ein Gerichtsbeamter in Waco sagte, der Angeklagte habe vor der Verhandlung ein Angebot der Staatsanwaltschaft von 20 Jahren Gefängnis abgelehnt. Nun wurden es 30 Jahre mehr. Das Blatt zitierte einen Vertreter der Staatsanwaltschaft: "Dieses Urteil zeigt, dass die Bürger dieser Gemeinde fortgesetzte Respektlosigkeit und Missachtung für andere Menschen und deren Eigentum nicht tolerieren. Menschen, die sich dafür entscheiden, werden ernsthaft und angemessen behandelt." So tickt eben Amerika.

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tso