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Tod nach Wellenreiten: Wasser-Amöbe zerstört das Gehirn eines 29-jährigen Surfers

Tragisches Ende eines Surf-Trainings: Im Wasser infizierte sich ein junger US-Amerikaner mit einer hochgefährlichen Amöbenart. Wenige Tage später war er tot.

Ein Surfer im "BSR Cable Park's Surf Resort" in Texas

Surfer im "BSR Cable Park's Surf Resort" in Texas: Die Behörden untersuchen nun das Wasser des Freizeitparks (Archivaufnahme)

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Fabrizio Stabile (29) liebte das Surfen. Es ist ein - zugegeben - nicht ganz ungefährlicher Sport. Da wären die Strömungen, das Risiko, dass die Welle bricht und einen mit in die Tiefe reißt. Nicht zuletzt die Unberechenbarkeit des Elements Wasser, das Risiko von Verletzungen. Stabile dürfte sich all dieser Gefahren bewusst gewesen sein. Der 29-Jährige musste seine Leidenschaft für den Surfsport am Ende mit dem Leben bezahlen. Allerdings wegen einer winzigen Gefahr, die direkt im Wasser lauerte.

Der junge US-Amerikaner starb, nachdem er sich mit einer Amöbenart infiziert hatte, die bevorzugt in warmen Gewässern wie Flüssen oder Seen lebt. Der Einzeller nennt sich Naegleria fowleri. Die Amöbe gelangt über die Nase in den Körper: Wird kontaminiertes Wasser eingeatmet, kann der Einzeller bis zum Gehirn vordringen. Dort angekommen löst er eine Infektion aus, die das Hirngewebe zerstört. Infektionen mit  Naegleria fowleri verlaufen fast immer tödlich. In den USA gibt es lediglich fünf Personen, die eine Infektion überlebt haben.

Stabile erkrankte wenige Tage nach einem Aufenthalt in einem Surf-Resort in Waco, Texas. Er klagte zunächst über heftige Kopfschmerzen und zeigte Symptome einer bakteriellen Meningitis, einer Hirnhautentzündung. Fünf Tage später - am 21. September - wurde er für hirntot erklärt.

Naegleria fowleri: 34 Krankheitsfälle in zehn Jahren

Es wird untersucht, ob sich der junge Mann in dem texanischen Resort mit dem Erreger infiziert haben könnte. Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde "Centers for Disease Control and Prevention" hat Wasserproben entnommen und analysiert sie derzeit. Eine Attraktion des Resorts sind riesige Wasserbecken, in denen künstliche Wellen zum Surfen erzeugt werden. Die Amöbe kann in Salzwasser nicht überleben, sie kommt daher nur in Süßwasser vor.

In US-amerikanischen Gewässern ist der Einzeller zwar recht häufig. Infektionen mit Naegleria fowleri sind nach Angaben der CDC jedoch "selten". Kontaminiertes Wasser muss durch die Nase eingeatmet werden, um eine Infektion auszulösen. Das Trinken von verseuchtem Wasser ist dagegen ungefährlich. In den letzten zehn Jahren gab es in den USA 34 gemeldete Krankheitsfälle, die auf die Amöbe zurückzuführen waren.

Nach einer Infektion dauert es zwischen einem und neun Tagen, bis sich die ersten Symptome zeigen. Betroffene klagen über Kopfschmerzen, Fieber und Übelkeit. Mit der Zeit wird der Nacken steif und die Erkrankten wirken desorientiert und halluzinieren. Schließlich verlieren sie die Kontrolle über ihren Körper, ihre Wahrnehmung ist stark eingeschränkt. Der Tod tritt meist nach fünf Tagen ein, schreibt die CDC.

Experimentelles Medikament

Gegen Infektionen mit Naegleria fowleri existiert ein Medikament, das in Einzelfällen bereits seine Wirksamkeit gezeigt hat: Miltefosin. US-Ärzte verwendeten das Mittel vor zwei Jahren bei einem 16-jährigen Jungen und retteten ihm damit wohl das Leben. Der Teenager hatte Glück: Die Amöben-Infektion war bei dem Jungen binnen weniger Stunden erkannt worden, was nicht selbstverständlich ist, da die Infektion sehr selten ist. Der Junge überlebte und kann heute wieder zur Schule gehen.

Für Fabrizio Stabile kam die Diagnose zu spät - große Teile seines Gehirns waren bereits zerstört. Seine Familie hat deshalb auf der Crowdfunding-Platform "Gofundme" die "Fabrizio Stabile Foundation" gegründet. Sie sammeln Geld, um Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken und eine breite Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Stabiles Angehörige wollen mit Informationen zu frühzeitigen Diagnosen beitragen - und so möglicherweise Leben retten. 

ikr
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