HOME

Hausbesetzung durch Kindermädchen: Die Nanny aus der Hölle

Marcella und Ralph B. aus Kalifornien benötigten Hilfe bei der Kinderbetreuung. Doch anstatt eines Kindermädchens bekamen sie eine Hausbesetzerin, die die Familie in ihrem eigenen Heim belagert.

Von Gernot Kramper

Im TV klagt Familie B. ihr Leid.

Im TV klagt Familie B. ihr Leid.

Zuerst lief alles prächtig. Familie B. fand die 64-Jährige Diane S. über eine Annonce in Anzeigenportal Graiglist. Die ältere Dame zog bei ihnen ein, um sich um die Kinder zu kümmern. Der vierjährige Sohn soll Nanny S. wie eine Großmutter geliebt haben und sie habe sich auch mit der Familie gut verstanden, sagte Marcella B. US-Medien. Die Nanny habe den Pool benutzt, in der Sonne gelegen und mit ihnen ein Bier getrunken.

Doch nach einigen Wochen endete das Idyll. Nanny S. klagte über Gesundheitsbeschwerden und verbarrikadierte sich von da in ihrem Zimmer im Haus der B.s. Sie kümmerte sich nicht mehr um die Kinder und sprach nicht mit den Eltern. Die B.s waren ratlos, schließlich kündigten sie das Arbeitsverhältnis und forderten S. auf, das Haus zu verlassen.

Der Trick mit dem Mieterschutz

Nun begann der Albtraum erst richtig. Das Lösen des Arbeitsverhältnisses ist im "Hire&Fire"-Land USA einfach, aber Familie B. hat nicht mit der juristischen Findigkeit ihres Kindermädchens gerechnet. Die argumentierte nämlich, sie sei nicht nur Beschäftigte, sondern davon unabhängig auch Mieterin und genieße damit den normalen Mieterschutz.

Ein Gericht folgte ihrer Argumentation. Marcella und Ralph B. müssten also auf Auflösung des Mietverhältnisses klagen. So etwas kann Jahre lang dauern, zudem ist der Ausgang vollkommen offen. Das Verhalten von Diane S. ist als Nanny nicht hinzunehmen, aber was spricht gegen eine Mieterin, die unfreundlich ist und sich in ihrem Zimmer verbarrikadiert?

Die Nanny sieht sich selbst als Opfer fieser Ausbeuter. "Ich habe keine Mittagspause, keine Frühstückspause, keine Ferien. Genau genommen musste ich 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche arbeiten", sagte sie "KNX 1070 news radio" aus Los Angeles.

Der Gerichtsentscheid verschaffte dem Fall Aufmerksamkeit in den USA. Denn dort ist es weithin üblich, dass Hausangestellte im Haus der Arbeitgeber wohnen. Sollten diese als normale Mieter anerkannt werden, würde das Probleme für viele wohlhabende Amerikaner mit sich bringen.

Vorgeschichte als Hausbesitzerin

Wegen des großen Interesses wurde das Haus der Familie von nun an doppelt belagert: Innen machte die mürrische Nanny ein normales Leben unmöglich, außen parkten die Übertragungswagen der TV-Gesellschaften. Doch der Medienhype hatte auch ein Gutes. Frühere Arbeitgeber der Nanny meldeten sich bei der Familie und berichteten von ähnlichen Hausbesetzer-Episoden, so zumindest die Auskunft von Marcella B. gegenüber dem TV-Sender ABC.

Die Konfrontation mit ihrer Historie bewegte Nanny S. zum Einlenken. Sie versprach der Familie, bis zum Wochenende auszuziehen. Bis dahin halten Marcella und Ralph B. es nicht aus. Sie sind mit den Nerven am Ende. Die Nanny kann sich in ihrem Zimmer zwar einschließen, es aber jederzeit verlassen. Daher können die B.s dem Albtraum-Kindermädchen nicht aus dem Weg gehen. Die Familie will noch vor dem Auszug ihrer Perle das Haus verlassen. Solange sollen Verwandte die Stellung halten, damit Nanny S. nicht die Schlösser austauscht und das ganze Anwesen übernimmt.

Themen in diesem Artikel