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Angeklagter US-Milliardär Jeffrey Epstein: Der Mann, der zum Wohle der Menschheit 20 Frauen schwängern wollte


Es klingt wie aus einem schlechten Film: US-Milliardär Jeffrey Epstein, angeklagt wegen Kindesmissbrauchs, wollte laut US-Medien seine DNA verbreiten, um die Menschheit zu verbessern. Namhafte Wissenschaftler sollen davon gewusst haben.

Der Prozess gegen den wegen sexuellen Missbrauchs in mindestens 30 Fällen angeklagten US-Milliardär Jeffrey Epstein soll erst in einem Jahr beginnen. Ein New Yorker Richter terminierte das Verfahren nun auf den 8. Juni 2020, die Anwälte des 66-Jährigen kündigten bereits an, den Termin noch weiter hinauszögern zu wollen.

Die Affäre um Epstein, dem auch Sexhandel und Verschwörung zum Sexhandel vorgeworfen werden, beschäftigt die US-Öffentlichkeit schon seit vielen Wochen, da dessen Beziehungen bis in die Regierung von US-Präsident Donald Trump reichen. Ex-Arbeitsminister Alexander Acosta trat deswegen zurück. Vergangene Woche wurde Epstein verletzt und bewusstlos in seiner Zelle in Manhatten aufgefunden. Und nun werden krude Details über angebliche Pläne des früheren Wall-Street-Managers bekannt, die möglicherweise ein schlechtes Licht auch auf namhafte Wissenschaftler werfen. Es soll um die systematische Verbreitung der DNA Epsteins zum Wohle der Menschheit, das gleichzeitige Schwängern mehrerer Frauen, die Einrichtung einer Art "Besamungsranch" und die Mitwisserschaft von Nobelpreisträgern gehen.

Abgebliche Pläne von Jeffrey Epstein nie umgesetzt

Über die angeblichen Pläne berichtet hat die "New York Times" (NYT) am Mittwoch, inzwischen zogen etliche US-Medien nach. Die Zeitung beruft sich auf zahlreiche Informanten. Demnach habe Epstein mit mehreren Wissenschaftlern und Geschäftspartnern über seine Phantasien gesprochen. Laut dem Bericht habe der frühere Finanzier, der 2008 wegen Prostitution Minderjähriger verurteilt wurde, seine DNA unter der Menschheit verbreiten wollen, indem er mindestens 20 Frauen habe gleichzeitig schwängern wollen. Seine Ranch im US-Bundesstaat New Mexico habe er dabei für die Besamung nutzen wollen.

Wie auch das Blatt in seinem Bericht betont, soll es aber keine Hinweise darauf geben, dass solche Pläne oder Phantasien Epsteins jemals umgesetzt wurden. Epsteins Anwälte lehnten es laut der Zeitung ab, dazu Stellung zu nehmen. Auch gibt es keinen Hinweis auf einen direkten Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen, wegen derer der Milliardär nun angeklagt ist. Die angeblichen Pläne zur Verbreitung der eigenen DNA reichen laut dem Bericht bis in die frühen 2000er-Jahre zurück. Die Missbrauchsfälle, die Epstein nun vorgeworfen werden, datieren aus den Jahren 2002 bis 2005.

Epstein angeblich Anhänger des Transhumanismus

Hintergrund der Phantasien soll sein, dass Epstein lange Zeit vom Transhumanismus fasziniert gewesen sein soll. Dabei handelt es sich - vereinfacht gesagt - um ein vor allem im angelsächsischen Raum verbreitetes wissenschaftliches Konzept, wie die menschliche Rasse durch Methoden der Gentechnik oder der künstlichen Intelligenz verbessert werden könnte. Kritiker deuten den Transhumanismus aber auch als eine moderne Form der Eugenik, in der es im Kern um die Verbesserung der menschlichen Rasse durch kontrollierte Zucht geht. Epstein soll sich zudem für die Kryotechnik interessiert haben - einer wissenschaftlich bisher nicht belegten Technik, menschliche Körper einzufrieren, um sie in späteren Zeiten wieder zum Leben zu erwecken.

Wie die "New York Times" weiter berichtet, und sie beruft sich dabei auf Interviews "mit mehr als einem Dutzend seiner Bekannten sowie öffentliche Dokumente", soll Epstein die Aufmerksamkeit etlicher namhafter Wissenschaftler auf sich gezogen haben - möglicherweise in der Hoffnung, seine Pläne mit deren Hilfe umsetzen zu können. Das Blatt nennt unter anderem den Physik-Nobelpreisträger und Entdecker des Elementarteilchens Quark, Murray Gell-Mann, den populären Kosmologen und Besteller-Autor Stephen Hawking, den Physik-Nobelpreisträger Frank Wilczek vom M.I.T., den Evolutionsbiologen Stephen Jay Gould oder George M. Church, einen Molekularingenieur, der sich mit der Identifizierung und Veränderung von Genen beschäftigt hat, um überlegene Menschen hervorzubringen. Auch der Star-Informatiker und Virtual-Reality-Vordenker Jaron Lanier soll sich im Umfeld des 66-jährigen Milliardärs bewegt haben.

Forscher ließen sich wohl vom Geld blenden

All' diese Forscher hätten sich von Epsteins Geld verlocken lassen, schreibt die "NYT". Die Aussicht, die eigenen Projekt finanzieren zu können, habe sie blind dafür gemacht, dass Epstein seine Phantasien ernst gemeint haben könnte oder sie sogar dazu verleitet, einigen von Epsteins kruden Überlegungen zu folgen, so das Blatt. Der Superreiche habe es für die Forscher und Vordenker krachen lassen: Dinner-Parties, auf denen der Champagner geflossen sein soll, angebliche Frei-Flüge zu gesponserten Konferenzen auf den Jungferninseln inklusive Aufenthalt auf Epsteins Privatinsel. Einmal soll der Ex-Wall-Street-Manager sogar ein U-Boot für eine Fahrt mit Forschern gechartert haben. Diese Gelegenheit soll sich auch Stephen Hawking nicht habe entgehen lassen.

Die Liste ließe sich fortsetzen. Das Blatt nennt in diesem Zusammenhang vor allem den kognitiven Psychologen Steven Pinker von der Harvard Universität als Quelle. Pinker bezeichnet dabei Epstein als "intellektuellen Betrüger" und Menschen mit Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS). Ständig habe er abrupt das Thema gewechselt.

Es war kein Geheimnis

Von den Plänen Epsteins, 20 Frauen auf seiner Ranch in der Nähe von Santa Fé gleichzeitig zu schwängern, hörte laut dem "New York Times"-Bericht Jaron Lanier während eines Abendessens in dessen Haus in der Upper East Side von Manhattan. Eine Wissenschaftlerin, die Angab bei der Nasa beschäftigt zu sein, hätte ihm davon berichtet. Die Nasa-Forscherin habe ihm gesagt, sie glaube, Epsteins Pläne seien auf das Repository for Germinal Choice zurückzuführen - eine Samenbank, die bis 1999 im kalifornischen Escondido betrieben wurde und die vor allem Samen-Spenden von Nobelpreisträgern sammeln wollte, wobei nur eine Spende eines Preisträgers bekannt geworden sein soll.

Entscheidend an diesem Beispiel und vielen anderen: Jeffrey Epstein hielt mit seinen Ideen allem Anschein nicht hinterm Berg, bei etlichen Einladungen in Epsteins Stadthaus wurde offenbar darüber offen geredet. Seine Vorstellungen seien alles andere als ein Geheimnis gewesen. Jaron Lanier sagte der "New York Times" dem Bericht zufolge, dass er den Eindruck gewonnen hätte, dass Epstein die Dinner Parties dazu benutzte habe, Kandidatinnen als Trägerinnen seiner künftigen Kinder auszuwählen. Unter den Gästen hätten sich stets attraktive Frauen mit herausragenden akademischen Qualifikationen befunden. Wie gesagt: Dass Epsteins Pläne je umgesetzt worden wären, darauf gibt es angeblich keinen Hinweis.

Quellen: "New York Times", "The Hill", Nachrichtenagenturen DPA, AFP

dho

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