VG-Wort Pixel

"Missbrauchskomplex von Münster" 31-Jährige soll von Vergewaltigungen ihres Kindes gewusst und es "ungeschützt überlassen" haben

Gartenlaube gilt als einer der Tatorte in dem Münsteraner Fall massenhafter sexualisierter Gewalt an Kindern
Diese – inzwischen abgerissene – Gartenlaube gilt als einer der Tatorte in dem Münsteraner Fall massenhafter sexualisierter Gewalt an Kindern 
© Guido Kirchner / DPA
Sie soll gewusst haben, das ihrem Sohn von seinem Ziehvater schwere sexualisierte Gewalt angetan wurde – und trotzdem nichts unternommen haben, um ihn zu schützen. Jetzt wurde eine 31-Jährige aus Münster festgenommen.

In dem Fall der massenhaften sexualisierten Gewalt gegen Kinder von Münster ("Missbrauchskomplex von Münster") werden immer neue Abgründe bekannt.

Die Polizei hat am Freitag die 31-Jahre alte Mutter eines mutmaßlichen Opfers von Pädophilen festgenommen. Gegen die Frau bestehe der dringende Verdacht, dass sie "spätestens seit Oktober 2018 davon wusste, dass ihr Lebensgefährte ihren Sohn über Jahre wiederholt schwer sexuell missbraucht haben soll", teilten die Ermittlerinnen und Ermittler mit. Trotz des Leids des Kindes soll sie dennoch an der Beziehung zu ihrem vier Jahre jüngeren Lebensgefährten festgehalten haben – und mehr noch: Sie soll "ihren Sohn dem Münsteraner ungeschützt überlassen" und unter anderem toleriert haben, dass dieser "mit dem Jungen an zahlreiche Orte in Deutschland fuhr bzw. mit ihm – und ohne ihre Begleitung – verreiste".

Elfjähriger aus Münster Opfer "schweren sexuellen Missbrauchs"

Die Festgenommene soll nichts getan haben, um ihren Sohn zu schützen, also weder die Polizei informiert noch ihren Partner verlassen haben. Das heute elfjährige Kind ist nach bisherigen Erkenntnissen von Staatsanwaltschaft und Polizei in einer "Vielzahl von Fällen" Opfer "schweren sexuellen Missbrauchs" geworden – Täter sollen der Lebensgefährte und mehrere andere Männer gewesen sein. Dafür, dass die Mutter auch von den mutmaßlichen Taten Dritter gewusst hat, bestehe kein dringender Tatverdacht.

Die Beamtinnen und Beamten der "Ermittlungsgruppe Rose" gehen jedoch einer weiteren schlimmen Vermutung nach: Die 31-jährige Festgenommene soll in einem Dänemark-Urlaub 2019 ihren Sohn dazu "ermuntert haben", eine sexuelle Handlung an seinem Ziehvater vorzunehmen und bei der "anschließenden schweren sexuellen Missbrauchshandlung" dabei gewesen sein, ohne etwas dagegen unternommen zu haben.

Auf die Spur gekommen sind ist die Polizei der Frau nach eigener Auskunft durch die Aussage eines weiteren Verdächtigen in dem Komplex und durch die Auswertungen von sogenannten IT-Asservaten.

Gegen die Mutter des Elfjährigen wurde inzwischen Haftbefehl wegen des "dringenden Verdacht der Beihilfe durch Unterlassen zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern in einer Vielzahl von Fällen" erlassen. Die Beschuldigte sitzt in Untersuchungshaft und schweigt zu den Vorwürfen. Wie es dem Jungen heute geht, teilten die Behörden nicht mit.

Kindesmissbrauch in Münster: Wer war alles involviert?

Münster ist neben Lügde und Bergisch Gladbach einer der drei großen Komplexe massenhafter sexualisierter Gewalt gegen Kinder der vergangenen Jahre in Nordrhein-Westfalen. Er kam im Juni 2020 nach Ermittlungen in einer Gartenlaube ans Licht. Im Zuge dessen hatte es in mehreren Bundesländern und im Ausland Festnahmen gegeben. Es laufen bundesweit Verfahren gegen mindestens 20 Beschuldigte. Erste Gerichtsprozesse laufen oder sind abgeschlossen.

mit Material der DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker