HOME

Unruhen nach dem Tod von George Floyd: Nach New York reisen und Brandbombe werfen – junge Frau wegen Mordversuchs festgenommen

Zwei Schwestern reisten aus einer Kleinstadt zu den Demonstrationen in New York an. Im Gepäck ein Molotowcocktail, den die Ältere in einen Wagen mit vier Polizisten warf. Ihr droht eine Anklage wegen versuchten Mordes.

Ein Fahrzeug brennt in der Nähe des Union Square während einer Demonstration für George Floyd

Ein Fahrzeug brennt in der Nähe des Union Square während einer Demonstration für George Floyd

dpa

Am Samstag haben sich die Straßenproteste in den USA erneut zugespitzt - der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd nach einem brutalen Polizeieinsatz bewegt Menschen im ganzen Land und treibt sie auf die Straße.

In New York begann der Tag mit überwiegend friedlichen Märschen durch Harlem und in der Bronx, Brooklyn und Queens. Mit dem Einbruch der Nacht gingen die Proteste jedoch ins Chaos über. Demonstranten schlugen Fenster ein, bewarfen Beamte, zertrümmerten Polizeifahrzeuge und blockierten Straßen mit Müll und Trümmern. Einige Geschäfte in Manhattan wurden ausgeplündert.

In Brooklyn demonstrierten und randalierten etwa 3000 Personen, Dutzende wurden Medienberichten zufolge verhaftet - unter ihnen Samantha S. Die 27-Jährige soll einen Molotowcocktail in einen Polizeiwagen geschleudert haben. Als die Beamten sie festsetzen wollten, soll ihre jüngere Schwester dazwischen gegangen sein und die Polizisten gebissen haben. Das Ganze ereignete sich bei den gewalttätigen Protesten in Crown Heights in Brooklyn.

Angereiste Aktivisten

Laut der New Yorker Polizei NYPD wurden mindestens 120 Menschen verhaftet und mindestens 15 Polizeifahrzeuge beschädigt oder zerstört. Der Bürgermeister von New York City, Bill de Blasio, gab die Schuld an der Zerstörung einer kleinen Gruppe von Agitatoren, die, wie er sagte, "diese Stadt nicht repräsentieren" und absichtlich versuchten, Gewalt gegen die Polizei zu schüren.

Samantha S. und ihre Schwester sind weder schwarz, noch kommen sie aus Brooklyn. Ihre Verhaftung untermauert der Theorie der Behörden, dass die Proteste von gewalttätigen Aktivisten angeheizt werden. Beide Schwestern stammen aus der Stadt Catskill, einer ländlichen Gemeinde nördlich von New York. Sie müssen etwa zwei Stunden mit dem Auto angereist sein. Beide sollen eine Vorgeschichte von Zusammenstößen mit der Polizei haben.

Auf einer Pressekonferenz sagte der NYPD-Kommissar Dermot Shea: "Es ist Gottes Gnade zu verdanken, dass wir heute keine toten Polizisten zu beklagen haben." Und er fügte hinzu: "Wer planvoll, mit geladenen Schusswaffen, mit Ziegelsteinen und mit Molotowcocktails zu einer Versammlung kommt, ist weit von zivilem Gehorsam entfernt." Zahllose Beamte seien verletzt worden. "Einem wurden die Zähne ausgeschlagen, und mehrere sind in der Notaufnahme."

Im Netz wird Samantha S. von Anhängern gefeiert.

Im Netz wird Samantha S. von Anhängern gefeiert.

Strafrahmen bis zu 20 Jahren 

Das Werfen einer Brandbombe ist in den USA kein Kavaliersdelikt. Samantha S. wird mit vier Anklagepunkten konfrontiert: versuchter Mord an einem Polizeibeamten, versuchte Brandstiftung, Angriff auf einen Beamten, krimineller Waffenbesitz und rücksichtslose Gefährdung. Ihre jüngere Schwester wird angeklagt, sich der Verhaftung widersetzt und die Polizei behindert zu haben. Und das, obwohl die Bombe, die Samantha S. gegen 22.30 Uhr warf, nicht explodierte. S. soll den Brandsatz durch das geöffnete hintere Fenster in den Wagen mit den Beamten geworfen haben. Bei versuchtem Mord zählt die Absicht und das nicht das Scheitern aus Unvermögen. Fotos, die ein brennendes Polizeiauto zeigen, stammen von einem anderen Fahrzeug.

Ein Mann steht in der Nacht vor einem brennenden Gebäude

Bei der Vernehmung soll Samantha S. bereits zugeben haben, den Brandsatz geworfen zu haben. Im Falle einer Verurteilung droht ihr eine Strafe von fünf bis 20 Jahren.

Ein Molotowcocktail ist eine einfache Brandbombe. Ein Gemisch von Öl und Benzin wird eine Flasche gefüllt, der Hals wird mit einem Lappen dicht verschlossen. Vor dem Wurf wird der Lappen ebenfalls mit Brandbeschleuniger getränkt und angesteckt. Die Flasche muss zwingend beim Aufprall zerplatzen, damit das Gemisch entflammt wird. Vermutlich ist das wegen des weichen Autoinneren nicht geschehen. Der Brandsatz ist nach einem ehemaligen Außenminister der Sowjetunion benannt ist, der Name stammt von finnischen Soldaten.