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Riesiger Kokain-Fund in Hamburg: Heißes Koks in Holzbriketts

Es ist der größte Fund in Deutschland: 1,3 Tonnen Kokain hat Hamburgs Polizei einkassiert. Nun hat sie verraten, wer die Dealer waren, mit welchem Trick sie schmuggelten - und wie sie ertappt wurden.

Von Manuela Pfohl

Es sollte der Deal ihres Lebens werden. 1,3 Tonnen Kokain hatten die Männer von Südamerika in einem Container über den Hamburger Hafen nach Deutschland geschmuggelt, in exakt 1244 handlich verpackten Holzbriketts versteckt. Der Wert des laut Polizei hochreinen und unverschnittenen Rauschgiftes liegt bei mindestens 40 Millionen Euro - und hätte den Dealern ein sorgenfreies Leben beschert. Was die sieben Hamburger mit Migrationshintergrund allerdings nicht ahnten: Die Drogenfahnder der Hansestadt waren ihnen seit November 2009 auf den Fersen. Damals war ihnen eine überregional agierende Truppe ins Netz gegangen, drei Kilo Koks konnten sichergestellt werden. Schnell fanden die Ermittler heraus, dass es Spuren zu einer weiteren weit verzweigten Gruppe von Hamburgern gab, die offensichtlich ein "richtig dickes Ding" plante.

Aus der Traum vom schönen Leben

Den Beamten entging in der Folge kein Telefongespräch, keine heimliche Absprache, kein Treffpunkt. Am Montag schlugen die Ermittler zu. Sie stellten nicht nur den Container mit dem Kokain sicher. Bei insgesamt 19 Durchsuchungen in Hamburg, Norderstedt, Lage, Rietberg und Bad Salzuflen fanden die 200 beteiligten Beamten auch vier Schreckschusswaffen und fast eine halbe Million Euro Bargeld. Die Beamten nahmen die sieben Männer im Alter von 27 bis 35 Jahren fest, die sie seit Monaten im Visier hatten. Chef der Gruppe ist nach Polizeiangaben ein 31-jähriger in der Türkei geborener Deutscher. Ihm und seinen "Schneeschiebern" wird nun "Handel mit Betäubungsmitteln in nicht unerheblicher Menge" vorgeworfen. Darauf stehen bis zu 15 Jahre Haft. Aus der Traum vom schönen Leben. Selbst ihre drei schicken Daimler Benz, ihre Breitling- und Rolex-Uhren wurden von den Ermittlern eingezogen.

Dabei hatten die Dealer das Ganze gut geplant, wie Thomas Menzel, Chef der Abteilung zur Bekämpfung Organisierter Kriminalität der Hamburger Polizei am Dienstag bei einer Pressekonferenz berichtet. Demnach fanden die Fahnder heraus, dass in Paraguay ansässige Drogenhändler aus Sägemehl und Holzkleinteilen Briketts herstellten und diese in Kartons verpackt per Schiff nach Hamburg verschickten.

Sechs Container mit rund 20 Tonnen solcher "Dummys" wurden seit November 2009 verschifft. Erst danach glaubten sich die Dealer sicher - und begannen, das Kokain in die Briketts zu packen, die anschließend mit Heißkleber wieder verschlossen wurden. "Wobei man sagen muss, dass sich die Täter dabei viel Mühe gegeben haben", meint Menzel fast schon anerkennend. Die so präparierten Briketts wurden dann im siebenten Container per Schiff von Asuncion in Paraguay nach Hamburg versandt. Ohne dass die beauftragten Transportgesellschaften in Paraguay, Hamburg und Ostwestfalen etwas davon ahnten - wie Polizeisprecher Ralf Meyer betont.

13 Rollkoffer zum Schnäppchenpreis

Bei den Durchsuchungen der Wohnungen der Verdächtigen konnten die Ermittler feststellen, dass diese sich auch schon um den Weitertransport der Drogen Gedanken gemacht hatten. In einer Anwandlung von Sparsamkeit hatten sie offenbar im Sonderangebot exakt 13 Rollkoffer zum jeweiligen Schnäppchenpreis von 39,99 Euro beschafft. Dutzende unauffällige Reisetaschen und mehrere stabile Abfallentsorgungssäcke lagen bereit. Die Polizei geht davon aus, dass die heiße weiße Ware per Kurier in die Niederlande gebracht werden sollte.

Dass es so rasch gelingen würde, den bislang größten Kokainfund Deutschlands sicherzustellen, hatte selbst Oberstaatsanwalt Ronald Giesch-Rahlf nicht für möglich gehalten. "Ich hatte wirkliche Zweifel, dass es schon jetzt gelingen würde, einen solchen Erfolg zu erzielen", gestand Giesch-Rahlf auf der Pressekonferenz. Polizeisprecher Meyer verweist darauf, dass der aktuelle Fall zeige, dass der Hamburger Hafen als Umschlagplatz für Drogen aus Südamerika nach wie vor große Bedeutung habe.

Das Kokain wird verbrannt

Einen der größten Kokainfunde der letzten Jahre machten im September 2007 Zollfahnder in Bremerhaven. In einem Container voller Weinkisten aus Panama wurden 400 Kilogramm gefunden. Die Ware hatte einen Straßenverkaufswert von rund 30 Millionen Euro, hieß es damals. Bei dem Fund handelte es sich um die größte Einzelsicherstellung von Kokain bundesweit seit 2001. Damals wurden 514 Kilo Kokain im Hamburger Hafen auf einem Containerschiff aus Venezuela beschlagnahmt.

Was aus dem jetzt in Hamburg sichergestellten Koks wird, weiß die Polizei schon genau: "Wir werden das Ganze verbrennen, und zwar sehr zügig", sagt Polizeisprecher Meyer. Wo und wann, verriet er sicherheitshalber nicht.