Türkei Gouverneur: Geiseln bald wieder frei


Drei deutsche Touristen sind im Osten der Türkei verschleppt worden. Die Entführer sollen Anhänger der PKK sein. Die verbotene kurdische Partei kündigte angeblich an, die Geiseln bald wieder freizulassen. Türkei-Experte Udo Steinbach sagte stern.de, die Entführung sei wohl die Reaktion auf das Verbot eines kurdischen TV-Senders durch das Bundesinnenministerium.

Kämpfer der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK haben drei deutsche Bergsteiger in der Türkei verschleppt. Die Entführten seien zusammen mit zehn anderen auf dem Berg Ararat in der Osttürkei unterwegs gewesen, sagte der Gouverneur der Provinz Agri, Mehmet Cetin am Mittwoch. Bei den Entführten handelt es sich nach Angaben des Münchner Anbieters SEB-Tours um eine Reisegruppe aus dem Großraum Regensburg. Die PKK habe erklärt, sie wolle die Bergsteiger in den kommenden Tagen wieder freilassen, sagte der Gouverneur weiter.

Das Auswärtige Amt erklärte, man gehe entsprechenden Hinweisen nach. AA-Sprecher Jens Plötner sagte in Berlin, derzeit sei man dabei, sich ein "präzises Lagebild" zu verschaffen. Das Auswärtige Amt stehe dabei in engem Kontakt mit der deutschen Botschaft und mit den Behörden in der Türkei.

Die Bergsteigergruppe habe in 3200 Meter Höhe mit Genehmigung der Behörden ihr Camp aufgeschlagen, sagte Gouverneur Cetin. Dort seien die Bergsteiger am Dienstagabend gegen 21 Uhr (MESZ) von mehreren PKK-Kämpfern überfallen worden. Drei der Deutschen seien verschleppt worden. Die Grenzpolizei habe eine großangelegte Suche eingeleitet. Die zehn anderen Mitglieder der Gruppe seien zu einer Polizeistation gebracht worden. Eine solche Entführung von Ausländern sei eine unübliche Strategie der PKK, sagte Cemal Karakas von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung stern.de.

Die Bergsteiger hätten sich auf dem Aufstieg zum Berg Ararat befunden, sagte Eder. Für (den heutigen) Mittwoch sei die Gipfelbesteigung geplant gewesen. Seit Sonntag sei die Gruppe am Ararat, wie gesetzlich vorgeschrieben, von türkischen Bergführern geführt worden. Zuvor habe eine deutsche Reiseleitung, darunter der Inhaber von SEB-Tours, die Bergsteiger betreut. Sie seien am 29. Juni aus Deutschland aufgebrochen und sollten am Freitag zurückkehren. Eder erklärte, er könne derzeit auch seinen Chef, der sich in der Türkei aufhalte, nicht erreichen.

Rache für TV-Verbot?

Türkei-Experte Udo-Steinbach vermutet, dass die Entführung eine Reaktion auf das Verbot eines kurdischen Fernsehsenders durch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble darstellt. "Diese Entführung muss einen deutschen Bezug haben. Es geht der PKK auch nicht um Lösegeld. Sie will die deutsche Seite unter Druck setzen, damit diese Maßnahme zurückgezogen wird", sagte Steinbach zu stern.de.

Diese Sicht bestätigte Gouverneur Mehmet Cetin: Die PKK habe die Verschleppung mit den "jüngsten Aktionen" der Bundesregierung gegen die Organisation begründet.

ROJ-TV ist ein in Dänemark lizenzierter Sender, der sich an ein kurdisches Publikum richtet. Kürzlich hat Schäuble gegen den Sender ein Betätigungsverbot wegen angeblicher Nähe zur kurdischen Arbeiterpartei PKK verhängt. "Das hat in kurdischen Kreisen hohe Wellen geschlagen, und die Diskussionen danach klangen nicht gut", so Steinbach. Er denkt allerdings nicht, dass sich die deutschen Geiseln in Lebensgefahr befinden. "Die PKK wird keine Deutschen töten. Sie würde damit jegliche Sympathie auch hierzulande verlieren und wäre vollständig isoliert."

Die Türkische Gemeinde in Deutschland fordert, nicht mit den Tätern zu verhandeln, falls die PKK dahintersteckt. "Das ist eine terroristische Organisation. Und mit Terroristen verhandelt man nicht", sagte der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, Kenan Kolat, dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Auch eine direkte Kontaktaufnahme deutscher Behörden zu den Geiselnehmern komme nicht in Betracht. Dies sei Sache des türkischen Staates. "Ich bin in Gedanken bei diesen Menschen und hoffe, dass sie bald freikommen", sagte Kolat. Jetzt seien die türkischen Sicherheitskräfte gefordert. Außerdem müsse die deutsche Regierung Kontakt zur türkischen Regierung aufnehmen. Er selbst werde sich in die Bemühungen zur Geiselbefreiung einschalten.

Ararat war wegen PKK-Aktivitäten in der Region gesperrt

In der Gegend um den Berg Ararat habe es bisher nie Hinweise auf eine Gefährdung für Touristen gegeben, sagte der SEB-Chef Eder. Nach einer Sperrung wegen des Kurdenkonflikts sei der Ararat erst seit 2003 wieder für die Besteigung freigegeben. Der Berg stehe unter militärischer Kontrolle. "Die Sicherheitslage gilt gerade deswegen als gut", sagte Eder. Der Münchner Veranstalter bietet Wander- und Treckingtouren mit Schwerpunkt Türkei an.

Der Große Ararat ist mit 5165 Metern der höchste Berg der Türkei und ein beliebstes Ziel von Bergsteigern. Der Berg war zwischen 1992 und 2000 wegen PKK-Aktivitäten in der Region gesperrt, ist aber seit 2000 für Ausländer wieder zugänglich. Auch Türkei-Experte Karakas sagte, die Region um den Berg sei keine "No-go-area" für Ausländer mehr . "Da sind heutzutage viele Archäologen und Touristen unterwegs, seitdem sich die Lage dort beruhigt hat."

Die PKK kämpft seit 1984 für einen eigenen Staat der Kurden oder zumindest ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei, auch mit Anschlägen in Touristengebieten.

mta/DPA/Reuters/AP AP DPA Reuters

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