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Urteilsverkündung: Karen Gaucke aus Geiz getötet

Der Mörder von Karen Gaucke muss lebenslänglich ins Gefängnis. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass Michael P. seine Ex-Freundin und die gemeinsame Tochter umgebracht hat - um Geld zu sparen. Die Leichen der Opfer wurden bis jetzt nicht gefunden.

Michael P., der Mörder der spurlos mit ihrem Baby verschwundenen Karen Gaucke aus Hannover, ist zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Hannover stellte zudem die besondere Schwere der Schuld des 38 Jahre alten Ex-Freundes von Gaucke und Vater des Kindes fest, womit eine Freilassung nach Verbüßung von 15 Jahren Haft ausgeschlossen wäre. "Das Schwurgericht hat keine Zweifel daran, dass der Angeklagte Karen und Clara Gaucke getötet hat", sagte der Vorsitzende Richter Bernd Rümke.

Die Kammer räumte zwar ein, dass sie in dem Indizienprozess nicht alle Einzelheiten des Geschehens im Juni vergangenen Jahres habe aufklären können. "Niemand hat die Tat gesehen oder gehört. Trotz intensiver Suche wurden die Leichen bisher nicht gefunden", sagte Rümke. Aber nach den Zeugenaussagen und Gutachten von Sachverständigen sei sicher, dass die 37-Jährige und ihre damals sieben Monate alte Tochter tot seien. Die wichtigsten Indizien waren Blutspuren in der Wohnung, im Kofferraum eines von dem 38-Jährigen gemieteten Autos und an dessen Schuhen. Als Motiv gilt, dass Ex-Freundin und Tochter ihm unter anderem wegen der Unterhaltszahlungen von monatlich 950 Euro im Weg gestanden hätten.

Neue Freundin und eine Geliebte

Michael P. lebte zur Tatzeit mit einer neuen Partnerin zusammen, mit der er ebenfalls ein Baby hatte. Gleichzeitig hatte er eine Geliebte. Karen Gaucke hatte er nach Angaben bei seiner polizeilichen Vernehmung im Dezember 2004 bei einem Urlaub in Ägypten kennen gelernt. Er habe sich aber bald wieder von ihr getrennt. Von der Schwangerschaft wollte er erst im März 2005 erfahren haben. Dann hätten sie ihre Beziehung wieder aufgenommen, bis er eine neue Beziehung begann. Als Zeuge hatte ein wegen Mordes verurteilter Häftling ausgesagt, Michael P. habe ihm im Gefängnis erzählt, dass er Karen Gaucke und ihr Baby in den späten Abendstunden des 15. Juni 2006 getötet habe. Die Leichen habe er in Mülltüten verpackt und mit einem Mietauto abtransportiert.

Der Manager hörte den Urteilspruch reglos an. Er hatte im gesamten Prozess geschwiegen. Das Schwurgericht folgte im Urteil den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigerin des Mannes hatte Freispruch gefordert.

Stichwort: Indizienprozess

Bei Indizienprozessen ist das Gericht bei seiner Urteilsfindung allein auf Beweisanzeichen (Indizien) angewiesen. Dies geschieht immer dann, wenn der Angeklagte wie im Mordfall Karen Gaucke und ihrer Tochter Clara zu der ihm zur Last gelegten Tat die Aussage verweigert. Dieses Recht wird dem Beschuldigten zugestanden, damit er sich nicht selbst belasten muss. Dasselbe gilt für enge Verwandte.

Die Strafprozessordnung lässt eine Verurteilung nur nach Indizienbeweisen zu. Die Beweise wie Fingerabdrücke, Blutspuren oder Fasern haben im Prozess oft größeres Gewicht als die Aussagen von Augenzeugen, die unzuverlässig und leicht beeinflussbar sind. Indizienprozesse sind häufig langwierig und erfordern vom Gericht akribische Detailarbeit, um sich aus den Puzzlestücken von Aussagen und anderen Hinweisen ein Gesamtbild zu machen. Urteile auf Grund von Indizien ziehen zudem häufig Berufungs- und Revisionsverfahren nach sich.

DPA/AP / AP / DPA