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Steve Fossett: Von der Wüste verschluckt

Acht Wochen nach seinem Verschwinden in der Wüste Nevadas gibt es noch immer keine Spur vom Abenteurer Steve Fossett. Selbst hartgesottene Freunde wie Sir Richard Branson haben die Hoffnung mittlerweile aufgegeben - basteln aber schon an einer besonderen Ehrung für ihn.

Von Frank Siering, Los Angeles

Sein blauweißes Flugzeug startete am 3. September kurz nach Sonnenaufgang. Steve Fossett saß allein im Cockpit, als er von der "Flying M Ranch" in Nevada über die Startbahn rollte und Richtung Wüste im wolkenlosen Himmel verschwand. Für immer. Auch acht Wochen nach der Exkursion, Abenteurer Fossett wollte vom Flugzeug aus neues Gelände erkunden, auf dem er einen neuen Land-Geschwindigkeitsrekord aufstellen konnte, bleibt der schillernde Multimillionär verschwunden. Wie vom Erdboden verschluckt.

Eine millionenschwere Suchaktion, an der sich auch Fossetts guter Freund, der Virgin-Milliardär Sir Richard Branson beteiligte, brachte keinerlei Spuren und nur neue Spekulationen an den Tag. Dachten zunächst alle an einen Absturz, so wurde diese These zunächst wieder verworfen, da im Umkreis der vermuteten Absturzstelle keine Wrackteile geortet werden konnten. Selbst eine Imagesuche mit Satellitenbildern im Internet blieb erfolglos.

Im Wüstensand von Nevada

Außerirdische hätten ihn gekidnappt, Fossett habe sich mit Absicht nach Südamerika abgesetzt, er sitze in einem unterirdischen Bunker und tüftele an einem Buch herum - die Geschichten kannten keine imaginären Grenzen mehr. Fakt ist aber wohl, dass Fossetts Maschine tatsächlich einen mechanischen Fehler hatte und heute mitsamt des Multimillionärs im Wüstensand von Nevada vergraben liegt.

"Wir müssen uns wohl an den Gedanken gewöhnen, dass Steve nicht mehr unter uns weilt", sagte Branson unlängst in einem Interview. Und dann, wie es sich für hartgesottene Abenteurer-Kameraden gehört, fügte er sogleich an, dass der 63-jährige Fossett ein "unglaubliches Individuum" war, und er deshalb auch sein neues Raumschiff, das erste private für Privatbürger, "Spirit of Steve Fossett" benennen möchte. Sein Geld hatte Fossett als Gebrauchsartikel-Broker in Chicago verdient, Aber seine Leidenschaft war immer das Abenteuer. Ob nun als Heißluftballon-Kapitän oder als Schwimmer im Englischen Channel, Steve Fossett war immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Er nahm am mörderischen Iditarod-Hundeschlittenrennen teil, erkletterte die höchsten Berge der Welt, umsegelte den Globus und hielt mehr als 100 Flug- und Distanz-Weltrekorde. "Der Mann war schon zu Lebzeiten eine Legende", sagt Branson über seinen Freund Fossett heute. Und fügt leise hinzu: "Ein Teil von mir glaubt auch heute noch, dass der Teufelskerl morgen schon verstaubt und schlecht gelaunt aus der Wüste stapft. Aber das wird wohl ein reines Wunschdenken bleiben."

  • Frank Siering