Nach Brandanschlag Stromversorgung im Südwesten Berlins wieder angelaufen

Die Bundeswehr unterstützt das Technische Hilfswerk während des Stromausfalls in Berlin
Die Bundeswehr unterstützt das Technische Hilfswerk während des Stromausfalls in Berlin
© Jens Kalaene / DPA
Fünf Tage nach dem Stromausfall in Berlin ist das Schlimmste überstanden: Die Haushalte werden nach und nach wieder mit Strom versorgt. Derweil laufen die Ermittlungen.

Am Vormittag ist der Spuk vorbei: Die Stromversorgung ist in Berlin wieder angelaufen. Das Gebiet werde schrittweise wieder versorgt, teilte ein Sprecher der landeseigenen Netzgesellschaft Stromnetz Berlin mit. Zuvor hatte der Sender RTL aus dem Umfeld der Berliner Senatskanzlei erfahren, dass die betroffenen Haushalte ab 11 Uhr am Mittwochvormittag wieder versorgt würden.

Bereits in der Nacht konnte die entscheidende provisorische Kabelverbindung wieder hergestellt und positiv getestet werden, hieß es. "Bevor der Strom jedoch für alle wieder da ist, wird es für einige der bereits wiederversorgten Kunden im ursprünglich betroffenen Gebiet zu einer circa 15 Minuten langen Stromunterbrechung kommen", teilte Stromnetz Berlin weiter mit. «Ähnlich wie bei einem Wechsel eines Steckers zu einer anderen Steckdose wird so die Wiederversorgung über die provisorische Leitung am Teltowkanal sichergestellt.»

Im Verlauf des Vormittags wurden kritische Einrichtungen wie Krankenhäuser und Pflegedienste informiert, dass der Strom bald wieder fließen könne. Per Warnsystem wurden auch die Verbraucherinnen und Verbraucher aufgefordert, Notstromaggregate vom Netz zu nehmen, um Schäden zu vermeiden.

Im Laufe des Tages sollte die Versorgung in sämtlichen Haushalten aber stabil laufen. Die Behörden riefen die Menschen auf, unmittelbar nach der Zuschaltung zum Stromnetz keine Geräte mit starkem Stromverbrauch zu benutzen. Genannt wurden beispielsweise Waschmaschinen, Wäschetrockner, Wasserkocher, Heizlüfter oder Ladestationen für E-Fahrzeuge.

Berlins Bürgermeister verspricht mehr Sicherheit

Der Stromausfall war den Angaben zufolge der längste der Nachkriegsgeschichte in der Hauptstadt. Erst im vergangenen September hatte es nach einem Brandanschlag im Südosten der Stadt zu einem rund 60-stündigen Blackout geführt. Damals waren zunächst rund 50.000 Stromkunden von dem Störfall betroffen.

"Es ist mir persönlich wichtig, dass wir jetzt die Menschen beim Wiederhochfahren unterstützen, damit insbesondere Heizungsanlagen keinen Schaden nehmen", teilte Berlins Oberbürgermeister Kai Wegner (SPD) mit. "Wir werden aus dieser Lage die notwendigen Schlüsse ziehen und die Resilienzstruktur Berlins weiter verbessern."

Brandanschlag von Linksextremisten auf Stromnetz

Seit Samstagmorgen waren zunächst insgesamt 45.000 Haushalte und 2200 Gewerbeeinheiten ohne Strom, am Mittwoch waren weiterhin 19.900 Haushalte und noch etwa 850 Betriebe betroffen. Grund für den großflächigen Stromausfall im Südwesten Berlins war ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am Teltowkanal, der aller Wahrscheinlichkeit nach auf das Konto von Linksextremisten geht.

Bei den Ermittlungen zu den Tätern gibt es noch keine Ergebnisse. Die Polizei sprach von sehr umfangreicher Tatortarbeit. Die sogenannten "Vulkangruppen", die sich zu dem Anschlag in einem Schreiben bekannten, sind den Ermittlern bereits länger bekannt. Seit 2011 sollen sie vorwiegend in Berlin und Brandenburg immer wieder Brandanschläge auf die öffentliche Infrastruktur verübt haben.

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat inzwischen die Ermittlungen übernommen. Aus Sicht der obersten deutschen Strafverfolgungsbehörde besteht der Verdacht auf verfassungsfeindliche Sabotage, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Brandstiftung und Störung öffentlicher Betriebe.

Politiker sprechen von Terrorismus

Berlins Innenverwaltung hatte das Bekennerschreiben am Sonntag als authentisch eingestuft. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sprach – wie zuvor der Regierende Bürgermeister Wegner – von "Linksterrorismus". Täter hätten bewusst und wissentlich in Kauf genommen, dass Menschen zu Schaden kämen. Auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann sagte im "Frühstart" von RTL und ntv: "Das ist Terror. Das ist Linksextremismus."

Bis Donnerstagnachmittag plant der Betreiber Stromnetz Berlin, die komplette Stromversorgung wiederherzustellen. Am Mittwochmorgen waren nach Angaben des Betreibers noch rund 19.900 Haushalte und 850 Gewerbebetriebe ohne Strom. Dank Notstromaggregaten öffneten etliche Supermärkte. Auch Handys hatten vielfach wieder Netz, weil zahlreiche Mobilfunkmasten wieder in Betrieb waren. 

Die Senatsverwaltung bat die Menschen im Südwesten, bis spätestens 10.30 Uhr private Notstromaggregate abzuschalten, um die Stromversorgung insgesamt gewährleisten zu können. Elektrogeräte sollten vom Netz getrennt werden. Während der Wiederanschaltung könne es zu kurzzeitigen Stromunterbrechungen kommen, hieß es.

Dieser Beitrag wurde aktualisiert.

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cl mit AFP und DPA

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