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Vereitelter Terroranschlag auf Radrennen: Polizei weiter in Alarmbereitschaft

Sollte das internationale Radrennen in Frankfurt Ziel eines Attentats werden? Die Ermittler bestätigen das bisher nicht, sind aber sicher, einen Anschlag vereitelt zu haben.

Polizisten suchen den Straßenrand im Wald bei Oberursel in Hessen nach Sprengsätzen ab. Sollte ein Attentat das Radrennen am 1. Mai treffen?

Polizisten suchen den Straßenrand im Wald bei Oberursel in Hessen nach Sprengsätzen ab. Sollte ein Attentat das Radrennen am 1. Mai treffen?

Der für diesen Freitag geplante Radrennklassiker "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt" ist wegen möglicher Terrorgefahr abgesagt worden - die Polizei wird aber dennoch an der Strecke präsent sein. Das Traditionsrennen am 1. Mai war am Donnerstag nach einem Bombenfund abgesagt worden, weil es möglicherweise Ziel eines islamistischen Anschlagsversuchs war. Zwar sitzt ein verdächtigtes Paar aus Oberursel in Untersuchungshaft. Es war zunächst aber unklar, ob es Komplizen hat.

Die hessische Polizei hatte zuvor wegen des Verdachts von Anschlagsplänen zwei Terrorverdächtige festgenommen. Ein in Oberursel festgenommener Mann habe sich in den letzten Tagen vermehrt an der Rennstrecke im Taunus aufgehalten, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Frankfurt, Albrecht Schreiber, am Donnerstag in Wiesbaden. Weil sich der Verdacht eines möglichen Anschlags verdichtete, habe die Polizei zugegriffen. "Wir gehen davon aus, dass wir einen Anschlag verhindern konnten." Noch sei aber unklar, ob es gezielte Pläne gegen den Radklassiker, der zum 54. Mal durch den Taunus in die Frankfurter City führen soll, gegeben habe.

Hinweis von Baumarkt-Mitarbeiterin

Der 35 Jahre alte Mann, der die deutsche und die türkische Staatsangehörigkeit hat, soll Verbindungen zur radikalislamistischen Szene im Rhein-Main-Gebiet gehabt haben, erklärte Schreiber. Er sei mit verschiedensten Delikten bereits polizeilich bekannt geworden. Nähere Einzelheiten teilte Schreiber mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht mit. Auch eine Bestätigung, dass es Verbindungen zur Sauerland-Gruppe gebe, die 2007 Anschläge geplant hatte, gab es nicht. Seit Mitte des Monats sei ein Ermittlungsverfahren gegen den Mann gelaufen. Zudem habe es Observierungen gegeben.

In der Wohnung des Mannes und seiner 34-jährigen Frau türkischer Staatsangehörigkeit wurden laut Staatsanwaltschaft unter anderem drei Liter Wasserstoffperoxid gefunden - eine Chemikalie, die auch zum Bombenbau geeignet ist -, sowie eine funktionsfähige Rohrbombe, 100 Schuss Munition und "wesentliche Teile" eines G3-Sturmgewehrs. Der Hinweis einer Mitarbeiterin eines Baumarktes, in dem das verdächtige Paar das Wasserstoffperoxid unter falschem Namen gekauft haben soll, hatte die Polizei auf die Spur gebracht. Das Paar soll noch am Abend dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Bisher sollen beide Festgenommene geschwiegen haben.

Gerüchteküche läuft heiß

"Hier war alles zu mit Polizeiautos, und es waren jede Menge Leute da", erzählt ein Anwohner von der nächtlichen Durchsuchungen in Oberursel. Er sei mitten in der Nacht von dem Trubel auf der Straße aufgewacht. Am Donnerstagvormittag habe er dann in den Nachrichten von der Festnahme gehört.

Nach der Beschreibung der Nachbarn in dem Wohnblock in einem ehemaligen US-Stützpunkt trug der Mann einen Bart, die Frau war stets verschleiert und trug Handschuhe, auch, wenn sie mit ihren zwei kleinen Kindern auf dem nahen Spielplatz gewesen sei. Näheren Kontakt hatte aber keiner zu der Familie.

Die Gerüchteküche vor Ort läuft heiß. Das Radrennen am Freitag soll direkt vor dem Haus vorbeikommen. "Und hier sind immer jede Menge Zuschauer", sagt eine Frau. Etwa drei Kilometer weiter hat die Polizei die Straße zum Feldberg gesperrt. Beamte durchsuchen ein Waldstück, an einem Pfosten an der Straße hängt ein kleines Hinweisschild "Radrennen 1. Mai" - denn auch hier läuft die Strecke des Radsport-Klassikers entlang. Doch ob das Rennen wirklich Ziel möglicher Anschlagspläne war, wollen die Ermittler am Donnerstag nicht sagen. Veranstalter Bernd Moos-Achenbach: "Ich sehe im Moment keine Gefährdung des Rennens."

kis/dho/Reuters/DPA/DPA/Reuters

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