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Terrorismus: Todkranker Attentäter von Lockerbie begnadigt

21 Jahre nach dem Lockerbie-Anschlag ist der Drahtzieher vorzeitig aus schottischer Haft entlassen worden. Der schwerkranke Libyer Mohammed al-Megrahi wurde begnadigt, weil er bald sterben wird. Die USA reagierten enttäuscht.

Gnade für den Lockerbie-Attentäter: Der todkranke Libyer Abdel Bassit Ali Mohammed al-Megrahi ist vorzeitig aus dem Gefängnis freigekommen und kann in seiner Heimat sterben. Gegen den Willen der USA begnadigte Schottlands Justizminister Kenny MacAskill am Donnerstag den 57 Jahre alten verurteilten Massenmörder, weil er an Prostatakrebs im Endstadium leidet. Al-Megrahi sollte noch am Donnerstag und damit vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan zurück in seine Heimat fliegen. Medienberichten zufolge will ihn dort der libysche Revolutionsführer Muammar el Gaddafi empfangen.

Al-Megrahi war 2001 wegen des Terroranschlags auf eine Maschine der US-Fluggesellschaft PanAm über dem schottischen Ort Lockerbie zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Bei dem Anschlag im Dezember 1988 kamen 270 Menschen ums Leben, 189 der Toten waren Amerikaner.

MacAskill erklärte, die Begnadigung erfolge ausschließlich aus humanitären Erwägungen. Al-Megrahi habe kein Mitleid mit den Opfern gezeigt. Dies sei aber kein Grund, dem Schwerkranken Humanität zu verweigern. Viele Wunden, die der Lybier den Familien der Opfer zugefügt habe, würden nie verheilen, sagte der Minister. "Daher werden viele mit meiner Entscheidung nicht einverstanden sein." Aber die Krankheit sei "unheilbar", al-Megrahi stehe nun vor der "Strafe einer höheren Gewalt". "Er wird bald sterben".

Das Weiße Haus zeigte sich enttäuscht über die Freilassung des Attentäters. "Die USA bedauern die Entscheidung der schottischen Behörden tief", heißt es in einer Stellungnahme. Die US-Regierung habe gegenüber der Regierung in Großbritannien und den Verantwortlichen in Schottland mehrfach deutlich gemacht, dass sie gegen eine Freilassung des Terroristen sei. Das Mitgefühl gelte nun den Familien der Opfer, "die jeden Tag mit dem Verlust ihrer Lieben leben müssen".

Zweifel an al-Megrahis Schuld

Ärzte hatten al-Megrahi, der seine Schuld stets bestritten hatte, nur noch drei Monate zu leben gegeben. Der ehemalige Geheimdienstagent war der Einzige, der für das Attentat kurz vor Weihnachten 1988 verurteilt worden war. Er hatte erst am Dienstag eine zweite Berufung zurückgezogen und damit einen Teil der Angehörigen enttäuscht, die sich von einer Neuauflage des Verfahrens neue Informationen zu den Hintergründen des Verbrechen erhofft hatten. Denn an der Schuld al-Megrahis hatte es stets Zweifel gegeben. So tauchte etwa die Theorie auf, dass Lockerbie die Vergeltung des Irans für den Abschuss eines iranischen Airbus' mit 290 Menschen an Bord durch ein US-Kriegsschiff im Jahr 1988 war.

Kritische Stimmen hatten sogar gemutmaßt, dass auf al-Megrahi Druck ausgeübt worden sein könnte, um einen neuerlichen Prozess zu verhindern. Dass eine Berufung überhaupt möglich war, lag an dem Urteil einer Untersuchungskommission. Diese hatte Zweifel an einigen Beweisen geäußert, die 2001 zu seiner Verurteilung geführt hatten.

Libyen hatte 2003 formell die Schuld für den Tod der 270 Lockerbie-Opfer übernommen und Entschädigungszahlungen für die Hinterbliebenen zugestimmt. Später verlautete aus der libyschen Führung, man habe die Verantwortung nur übernommen, um ein Ende der UN-Sanktionen zu erreichen.

Al-Megrahi hatte mehrfach seine seine Unschuld beteuert und zwei Mal Berufung gegen seine Verurteilung eingelegt, sein erster Antrag war allerdings bereits 2002 gescheitert. Vergangenes Jahr wurde Prostatakrebs bei dem Häftling diagnostiziert.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters