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Tsunami-Warnung: Schweres Nachbeben erschüttert Chile

Chile ist knapp zwei Wochen nach dem verheerenden Beben erneut von schweren Erdstößen erschüttert worden. Die Behörden warnten vor einem Tsunami. Der neue Präsident ließ sich bei seiner feierlichen Amtseinführung davon jedoch nicht beeindrucken.

Heftige Nachbeben haben Chile am Donnerstag erschüttert. Die Erde bebte wenige Minuten, bevor der neue Präsident Sebastián Piñera seinen Amtseid ablegte. Menschen rannten in Panik auf die Straßen. Die Marine gab eine Tsunami-Warnung heraus und tausende Menschen flohen aus küstennahen Orten in höher gelegene Regionen. Das Epizentrum des Bebens, dessen kräftigster Stoß nach korrigierten Angaben der US-Erdbebenwarte die Stärke 6,9 erreichte, lag etwa 145 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago und 105 Kilometer westlich der Stadt Rancagua.

In einigen Gegenden fiel vorübergehend der Strom aus und das Telefonnetz brach zusammen. Über neue Opfer, größere Schäden oder eine Flutwelle wurde zunächst jedoch nichts bekannt.

Es waren die bislang heftigsten Erdstöße seit dem Jahrhundertbeben der Stärke 8,8 am 27. Februar. Ende vergangenen Monats waren durch die Naturkatastrophe fast 500 Menschen in dem südamerikanischen Land ums Leben gekommen.

Ausländische Gäste der Amtsübernahme von Präsident Piñera, darunter viele Staatschefs, betraten gerade das Parlamentsgebäude in Valparaiso, als die Erde heftig zu beben begann. Im Fernsehen waren Menschen zu sehen, die aus dem Gebäude ins Freie rannten. Nachrichtensprecher im Fernsehen blickten besorgt zur Studiodecke, während das Bild wackelte. Piñera ließ sich durch die Erdstöße indes nicht von seiner Amtsübernahme abhalten. Er legte wie geplant seinen Amtseid ab, erst danach wurde das Gebäude wegen der Tsunami-Warnung geräumt.

Der Direktor der Abteilung Geodynamik am Deutschen Geoforschungszentrum Potsdam, Onno Oncken, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Dieses Nachbeben liegt im Rahmen des Normalen." Eine solche Serie von Nachbeben könne ein, zwei Jahre dauern. "Erst dann tritt wieder Normalität ein - falls man davon in diesem Gebiet mit dieser geologischen Situation überhaupt reden kann. Da schieben sich zwei geologische Platten übereinander - da rappelt es ständig", so Oncken.

Wenig beeindruckt zeigte sich auch der peruanische Präsident Alan Garcia: "Wir wollen ja nichts dramatisieren. Das war ein Erdstoß. So etwas haben wir in Lima dauernd", sagte er lapidar.

AFP/DPA/APN / DPA