UNWETTER Sommer 2002: Albtraum für Europa

Der Albtraumsommer geht weiter: Temperaturstürze, Hagelschauer und brusthohes Wasser auf den Straßen. »Herbstwetter« begleitet von schweren Sturmböen und massivem Regen suchte Teile Deutschlands, Italiens und Mallorca heim.

Die Zahl der Flutopfer stieg weiter: Mehr als 60 Menschen kamen bei Unwettern ums Leben, die meisten davon in Südrussland, wo Sturzfluten am vergangenen Donnerstag eine ganze Feriensiedlung ins Meer spülten. In Tschechien bargen die Helfer ein fünftes Opfer aus den Fluten. »Das Wetter in diesem Jahr ist nicht mehr normal«, sagte Jurik Müller vom Deutschen Wetterdienst in Halle.

Am Wochendende gab es in Südeuropa nicht nur überflutete Häuser und verschlammte Straßen, sondern auch schlechte Stimmung. Strände und Uferpromenaden blieben menschenleer, Touristen flüchteten in ihre Unterkünfte.

In den Hochwassergebieten Nieder- und Oberösterreichs mussten sich die Bewohner auf neue Regenfälle einstellen. Ein neues Adriatief mit großen Regenmengen war für die Region von den Meteorologen am Sonntag in Wien angekündigt worden.

In Deutschland setzen starke Regengüsse in der Nacht zum Sonntag vor allem Süddeutschland und dem niedersächsischen Harzrand schwer zu, teilweise gingen bis zu 80 Liter Wasser pro Quadratmeter nieder. Die heftigen Unwetter in Deutschland forderten ein erstes Todesopfer - ein 31-jährige Fahrer eines Rot-Kreuz-Wagens kam bei einem Unfall auf einer überfluteten Straße in Niedersachsen ums Leben.

Chaos im Mittelmeerraum

Nach massivem Regen in Teilen Oberbayerns und Schwabens liefen die Wassermassen zum Teil durch Fenster in die Häuser und in einigen Ortschaften stand das Wasser brusthoch in den Straßen. Im südlichen Sachsen-Anhalt schlugen bei starkem Regenfall etliche Blitze ein. Ein Regionalzug wurde von einem Blitz getroffen, die Oberleitung wurde beschädigt. Das Hochwasser der Elbe blieb weitgehend konstant, in Dresden betrug der Wasserstand 5,58 Meter, das Terrassenufer in der Innenstadt blieb gesperrt.

Weiter südlich trafen die Unwetter die Menschen noch härter: In Nord- und Mittelitalien fielen am Samstag innerhalb weniger Stunden bis zu 120 Liter Regen pro Quadratmeter. In Piemont und im Aostatal traten zahlreiche Wasserläufe über die Ufer, auf den Bergen fiel bis 2.000 Meter herab Schnee. Einige Passstraßen waren deshalb unpassierbar. Menschen kamen nicht zu Schaden.

In Rom hieß es am Samstagabend »Land unter«, als heftige Gewitter teilweise mit Hagel für mehrere Stunden die Ewige Stadt heimsuchten. Zwei Krankenhäuser wurden von den Wassermassen lahm gelegt. An der Adria und an den Küstenorten Liguriens, der Toskana und des Latiums mussten sich viele Urlauber in Sicherheit bringen. Am Sonntag beruhigte sich die Lage in Nord- und Mittelitalien, während sich die Unwetterfront nach Süditalien verlagerte. Erst ab Montag oder Dienstag sei mit einer Rückkehr des Sommers zu rechnen, sagten Meteorologen.

Nach den Stürmen im Nordosten Spaniens beruhigte sich das Wetter am Sonntag leicht. An der Costa Brava und anderen Teilen der Mittelmeerküste herrschte am Samstag mit Wind und Schauern ein typisches Herbstwetter. Die Temperaturen fielen um bis zu zehn Grad. In der Gegend von Barcelona wurde es kaum wärmer als 20 Grad. Hagelschauer verwandelten die Straßen zeitweise in glitschige Rutschbahnen. In den Pyrenäen fiel oberhalb von 2.000 Metern Schnee.

Mehr als 50 Tote an der Schwarzmeerküste

Auf Mallorca war in der Urlauberhochburg S'Arenal um die bekannte Strandbar »Ballermann« die Strandpromenade überschwemmt. Touristen wateten bis zu den Knien durch das Wasser. Am stärksten waren die Kleinstädte Llucmajor und Felanitx östlich der Inselhauptstadt Palma betroffen. In Tausenden von Wohnungen brachen Strom- und Telefonleitungen zusammen. In Llucmajor fielen 72 Liter Regen pro Quadratmeter. Menschen kamen bei den Unwettern nicht zu Schaden.

Unterdessen nahm an der südrussischen Schwarzmeerküste die Zahl der Flutopfer nach den sintflutartigen Regenfällen vom vergangen Donnerstag weiter zu. Bis zum Sonntagmittag bargen Rettungskräfte insgesamt 58 Leichen von Urlaubern und Anwohnern aus Häusertrümmern oder aus dem Wasser. Bei Noworossijsk fanden Helfer den Leichnam eines Mädchens (12) in einer Flussmündung. Dutzende Menschen wurden weiter vermisst.

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