Rechtsextremist
Marla Svenja Liebich soll nach Deutschland ausgeliefert werden

Marla Svenja Liebich
Marla Svenja Liebich wurde 2023 unter anderem wegen Volksverhetzung verurteilt – damals noch als Sven Liebich. Anschließend ließ sie ihren Geschlechtseintrag ändern
© Sebastian Willnow / DPA

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Noch sitzt Marla Svenja Liebich in einem tschechischen Gefängnis – das soll sich nun ändern. Warum Liebich trotz harter Bedingungen dort bleiben wollte.

Das Landgericht im tschechischen Pilsen hat gesprochen: Der in Deutschland verurteilte Rechtsextremist Marla Svenja Liebich wird an Deutschland ausgeliefert. Liebich kann gegen die Entscheidung Beschwerde einreichen, die Entscheidung ist damit noch nicht rechtskräftig.

Die Staatsanwaltschaft Halle in Sachsen-Anhalt hatte den Schritt beantragt, Liebich lehnte das ab. Liebich wurde in Deutschland zu einer Haftstrafe verurteilt, saß bislang aber nie ein, sondern floh stattdessen. Anfang April wurde er an der Grenze zwischen Tschechien und Deutschland festgenommen und sitzt seitdem in tschechischer Haft. Den Widerstand gegen eine Auslieferung begründete der 55-Jährige am ersten Verhandlungstag in Pilsen damit, dass er befürchte, in Deutschland in ein Männergefängnis gebracht zu werden und in Haft ums Leben zu kommen.

Von Sven zu Marla Svenja Liebich 

Der Rechtsextremist war seit Ende August 2025 zunächst deutschland-, dann europaweit gesucht worden. Liebich war im Juli 2023 – damals noch als Mann mit dem Vornamen Sven – vom Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. 

Nach der Verurteilung hatte Liebich das Geschlecht von männlich auf weiblich ändern lassen. Außerdem wurde der Name von Sven in Marla Svenja angepasst. Kritiker hielten das für eine Provokation und sprachen von einem Missbrauch des Selbstbestimmungsgesetzes. Dennoch wurde Liebich zum Haftantritt ins Frauengefängnis in Chemnitz geladen, erschien dort jedoch nicht. 

Derzeit sitzt Liebich im Gefängnis Pilsen (Plzen), auch Bory genannt. Dort gibt es sowohl Einzel- als auch Gemeinschaftszellen. Untergebracht sind mehr als 1200 Häftlinge – darunter Schwerverbrecher. Es ist überwiegend ein Männergefängnis, es gibt aber auch vereinzelt weibliche Insassinnen. In Tschechien ist die Überbelegung der Haftanstalten ein großes Problem. 

Die Bedingungen in dem Gefängnis in der Stadt im Westen Tschechiens gelten als hart. Unter anderem zeigt der Streamingdienst Netflix in einer Serie Einblicke hinter die Gefängnismauern von Pilsen. 

Nach dem Urteil hat Liebich nun einige Tage Zeit, um eine Beschwerde am Oberlandesgericht in Prag einzureichen. Nach Angaben eines Gerichtssprechers beläuft sich die Beschwerdefrist auf acht Tage nach Zustellung des Bescheids über die Entscheidung. Diese wäre nach der Verkündung also noch nicht rechtskräftig.

Muss Liebich tatsächlich ins Frauengefängnis? 

Sollte Liebich in der JVA Chemnitz ankommen, wäre nicht mehr die Staatsanwaltschaft Halle, sondern die sächsische Justiz zuständig. Denkbar ist, dass dann noch einmal darüber entschieden wird, ob der Rechtsextremist die Haftstrafe tatsächlich in dem Frauengefängnisverbüßen muss. Die Entscheidung trifft der Anstaltsleiter. Er muss unter anderem beurteilen, ob Liebich in der Haftanstalt in Gefahr ist oder eine Gefahr für andere darstellt.

Was würde passieren, wenn Liebich wieder als Mann gilt?

Im März kündigte das Amtsgericht Halle an, darüber entscheiden zu wollen, ob die Änderungen von Vorname und Geschlecht Liebichs rückgängig gemacht werden können. Der Saalekreis hatte eigenen Angaben nach schon im Dezember rechtliche Schritte für eine Berichtigung des Eintrags eingeleitet. Eine neuerliche Änderung von Namen und Geschlecht Liebichs hätte nach Angaben der Staatsanwaltschaft Halle allerdings erst einmal keine Auswirkungen auf das weitere Vorgehen. 

Bei der Festnahme in Tschechien trug Liebich einem Bericht der „Mitteldeutsche Zeitung“ zufolge Männerkleidung und hatte einen kahlgeschorenen Kopf. Vor Gericht in Deutschland war Liebich zuletzt in Frauenkleidung erschienen, war geschminkt und hatte lackierte Fingernägel. Zur Verhandlung in Pilsen trat der Rechtsextremist mit Bart und Brille auf, war geschminkt und trug ein Oberteil mit Leopardenmuster. 

Unter anderem Liebichs Auftreten und Aussehen könnten eine Rolle spielen, wenn es darum geht, ob der 55-Jährige als Mann oder Frau gilt und wo er die Haft absitzen muss.

DPA
yks / mkb

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