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Verdacht auf Menschenhandel: BKA durchsucht bundesweit 600 Bordelle

Mit einer bundesweiten Razzia in rund 600 Bordellen sind das Bundeskriminalamt und die Länderpolizeien gegen ein Netz von Zuhältern, Geldwäschern und Schleusern aus Westafrika vorgegangen.

Mit einer bundesweiten Razzia in rund 600 Bordellen sind das Bundeskriminalamt und die Länderpolizeien gegen ein Netz von Zuhältern, Geldwäschern und Schleusern aus Westafrika vorgegangen. Wie das BKA am Mittwoch in Wiesbaden berichtete, war es das Ziel der Aktion, Opfer von Menschenhandel zu identifizieren und Hinweise auf Menschenhändler zu erlangen. In den kontrollierten Bordellen seien weit über 100 Frauen aus Westafrika angetroffen worden.

Nach dem Stand der Ermittlungen werden junge Frauen in Westafrika angeworben, nach Deutschland eingeschleust und hier mit Personaldokumenten versorgt. Anschließend müssten sie in Bordellen arbeiten. "Viele der Opfer scheuen den Kontakt zu den Strafverfolgungsbehörden, so dass zahlreiche Straftaten im Verborgenen bleiben", sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke: "Nur wenn es uns gelingt, das Vertrauen der Opfer zu gewinnen und sie zur Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden zu bewegen, können wir den Kreislauf aus Unterdrückung, Einschüchterung und Abhängigkeit zwischen Opfern und Tätern durchbrechen."

In Rheinland-Pfalz wurde von der Polizei ein erst 15 Jahre altes Mädchen aus einem Bordell geholt. "Das Leiden der zumeist jungen und teilweise minderjährigen Mädchen nimmt in der Regel seinen Anfang in den armen Bezirken Westafrikas", erklärte das LKA Mainz: "Schlecht bezahlte Tätigkeiten als Näherin, Friseurin oder Haushaltshilfe lassen häufig kaum ein Überleben zu." Viele lebensunerfahrene Mädchen hofften auf ein besseres Leben in Europa und erlägen so den Verlockungen der Schleuser.

Den Eltern würden regelmäßige Zahlungen aus Europa versprochen, berichtete LKA-Chef Wolfgang Hertinger. Die Opfer verpflichteten sich, die durch die Schleusung entstehenden Kosten abzuzahlen. So könnten Schulden von bis zu 70.000 Euro auf die Frauen zukommen. Durch eine Voodoo-ähnliche Praktik, in Nigeria als "Juju" bekannt, würden die Frauen und Mädchen zur Einhaltung ihrer Pflichten gezwungen. Kontrolliert würden sie von durchweg weiblichen Zuhältern, den sogenannten Madames. Auch dies sei eine westafrikanische Besonderheit.

APN / APN