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Vergewaltigungsvorwurf gegen Strauss-Kahn: Das droht dem IWF-Chef

Die Anschuldigung wiegt schwer: IWF-Chef Strauss-Kahn werden versuchte Vergewaltigung und ein krimineller sexueller Akt vorgeworfen. Ihm droht ein langer Prozess, der mit 25 Jahren Haft enden könnte.

Die New Yorker Staatsanwaltschaft legt dem Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, schwere #link;http://www.stern.de/panorama/vergewaltigungsvorwurf-gegen-strauss-kahn-der-finanzboss-und-das-zimmermaedchen-1685260.html; Verbrechen gegen ein Zimmermädchen# zur Last. Der schwerwiegendste Vorwurf ist "sexuelle Belästigung ersten Grades". Dafür drohen dem Franzosen laut Anklage 25 Jahre Haft. Auch für alle anderen Punkte sind Haftstrafen möglich, von drei Monaten bis zu 15 Jahren.

Strauss-Kahn soll die 32-jährige Frau angegriffen haben, als sie am Samstag sein Hotelzimmer betrat, um dort aufzuräumen. "Er griff dem Opfer ohne Einwilligung an die Brust, versuchte, die Strumpfhose herunterzuziehen und griff ihr in den Schritt. Sein Penis hatte gewaltsam zweimal Kontakt mit dem Mund des Opfers", heißt es in der Anklageschrift.

Wegen dieses zweimaligen Kontaktes wirft die Staatsanwaltschaft dem 62-Jährigen die "sexuelle Belästigung ersten Grades" vor. Dafür allein drohen ihm 25 Jahre Haft. Hinzu kommt "versuchte Vergewaltigung ersten Grades", dafür könnten 15 Jahre verhängt werden. "Sexueller Missbrauch" steht zweimal in der Anklage, das wird ersten Grades mit sieben Jahren, dritten Grades mit drei Monaten Haft geahndet.

Das Schließen der Tür, um die Frau am Weglaufen zu hindern, wird zudem als Freiheitsberaubung gewertet. Dafür droht Strauss-Kahn ein Jahr Gefängnis, ebenso wie für den sechsten Anklagepunkt: "unsittliches Berühren".

Ein Deal oder ein Geschworenenprozess?

Doch bis zu einem Urteil ist es ein langer Weg. Bei einem schweren Verbrechen, wie es Strauss-Kahn vorgeworfen wird, muss zunächst eine sogenannte Grand Jury nach Überprüfung des Beweismaterials und Anhörung von Zeugen mehrheitlich eine Anklage beschließen. Die bis zu 23 Geschworenen, entweder von den Behörden aus der Bevölkerung ausgewählt oder nach dem Zufallsprinzip bestimmt, sollen am Freitag zum ersten Mal zusammentreten.

Sollte die Grand Jury Strauss-Kahn formal anklagen, kommt es wohl zum Prozess, da der IWF-Chef bei der ersten Anhörung vor Gericht am Montag auf nicht schuldig plädiert hat. Falls er seine Meinung ändert und sich schuldig bekennt, sieht das US-Rechtssystem das sogenannte Plea Bargaining vor. Dabei handeln Anklage und Verteidigung ein Strafmaß aus. Im Gegenzug für sein Schuldeingeständnis erhält der Beschuldigte eine mildere Strafe. Der New Yorker Anwaltskammer zufolge werden in dem Bundesstaat rund 90 Prozent der Strafsachen auf diese Weise entschieden.

Bleibt Strauss-Kahn bei seiner Position, wird sein Fall dagegen vor einem Geschworenengericht verhandelt. Anders als in Deutschland kommt dem Richter dabei nur die Rolle eines Schiedsrichters zu, der am Ende auf der Grundlage des Urteilsspruchs der Jury das Strafmaß festsetzt. Die Hauptrollen während des sogenannten kontradiktorischen Verfahrens spielen Verteidigung und Anklage, die Beweise präsentieren und Zeugen befragen. Sie versuchen, die zwölf Geschworenen von der Unschuld beziehungsweise Schuld des Angeklagten zu überzeugen.

Nach den Schlussplädoyers muss die Jury ihr Urteil einstimmig fällen, sonst erklärt der Richter den Prozess für fehlerhaft und der Fall muss neu verhandelt werden.

mad/DPA/AFP / DPA