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Christchurch: Orban-Rede und Terror-Manifest von Neuseeland: Journalist zeigt Pa­r­al­le­len auf

Ein österreichischer Journalist stellt in einem Artikel Textpassagen aus der letzten Neujahrsansprache von Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban und dem Manifest des mutmaßlichen Christchurch-Attentäters gegenüber. Demnach sind die Ähnlichkeiten frappierend.

Von Nikolaus Pilcher

Viktor Orban

Sprachliche Parallelen? Viktor Orbans Rede und das Manifest des Attentäters von Christchurch 

DPA

"Finde den Unterschied", lautete in der vergangenen Woche der Titel von Hans Rauschers "Einserkastl" in der österreichischen Tageszeitung "Der Standard". Jeden Tag werden in dem beliebten Kolumnenformat des Blattes aktuelle Ereignisse pointiert aufgegriffen. Rauscher stellte in seinem Artikel Auszüge aus der Neujahrsansprache des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban neben Passagen des Christchurch-Manifestes "Der große Austausch". Seither wird über das Thema im Netz hitzig diskutiert.

Rauschers Denkanstoß ist schlicht gehalten. Auf der linken Zeitungsspalte findet sich der Auszug aus Orbans Rede, auf der rechten die Passage aus dem Manifest des Christchurch-Täters. Orban nennt es "Bevölkerungswechsel", der Christchurch-Attentäter spricht von einer "Invasion". Der "Fidesz"-Chef spricht von Spekulanten, die mit Einwanderung Geld verdienen wollten, der Christchurch-Täter schreibt von Konzernen, die Menschen einladen würden. In der Neujahrsansprache ist vom "Plan aus Europa einen Einwanderungskontinent zu machen" die Rede, im Manifest daneben heißt es, die "Krise der Masseneinwanderung" werde im "rassischen und kulturellen Austausch des europäischen Volkes enden".

Viktor Orbans Rede und Christchurch-Manifest: Vergleich angemessen?

Im Forum der Tageszeitung erhitzt die Frage, ob der Vergleich überhaupt angemessen ist noch immer die Gemüter. "Finde den Unterschied: Winston Churchill trank gerne Tee. Adolf Hitler trank gerne Tee. Josef Stalin trank gerne Tee. Herr Kommentator, mit Verlaub und allem Respekt: Sie schießen über das Ziel hinaus.“, schreibt ein wütender Poster. "Und Hitler und Stalin haben wegen Tee Millionen von Menschen getötet? Ihr Vergleich hinkt nicht einmal. Ihr Vergleich ist beidbeinig amputiert", entgegnet ein anderer User. Auch in der österreichischen Twitterblase sorgt das Thema für Aufregung. Der österreichische Oppositionspolitiker Thomas Drozda teilte Rauschers Artikel genauso wie der im Nachbarland prominente Journalist Dieter Chmelar. 

Im Zuge der Diskussionen zum Attentat mussten neben Orban auch andere Rechtspolitiker Kritik einstecken. Das US-Magazin "Politico" wies unmittelbar nach dem Terrorakt auf die Schnittpunkte des Manifestes zu den Aussagen der rechtsextremen Politikerin Marine Le Pen vom französischen "Front National" hin. Die ARD berichtete bereits über die Bezüge des Terror-Manifestes zu den Narrativen der AfD. In Österreich, wo gerade erst publik wurde, dass die österreichischen "Identitären" eine Spende vom Christchurch-Attentäter erhielten, schlägt die Regierungspartei "FPÖ" schon seit Jahren - zuletzt 2017 - mit "Umvolkungs"-Sagern in dieselbe Kerbe.

Bei dem Anschlag am 15. März auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch tötete ein 28-jähriger Rechtsextremist aus Australien 50 Menschen, mehrere Dutzend wurden bei dem Angriff verletzt.  Nach der Tat tauchte im Internet ein Manifest des Attentäters auf. Der Australier sitzt nun in Untersuchungshaft, ihm droht eine lebenslängliche Freiheitsstrafe.

Quellen: derstandard.at, politico.eu, tagesschau.de, kurier.at